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Ostholstein 380-kV-Trasse: Kreis will das Erdkabel
Lokales Ostholstein 380-kV-Trasse: Kreis will das Erdkabel
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23:00 03.07.2018
Viele Bürgermeister, deren Gemeinden von der Starkstrom-Trasse betroffen wären, kamen gestern im Kreishaus in Eutin zusammen. Prof. Dr. Lorenz Jarass präsentierte sein Gutachten. Quelle: Fotos: Louis Gäbler
Eutin

Turmhohe Freilandmasten, die die Umwelt nicht nur optisch beeinträchtigen und Leitungen, die Felder und sensible Naturbereiche überspannen – sie stehen auf der einen Seite. Quasi unsichtbare Erdkabel, die an Wegen und Straßen in der Erde verlegt werden, auf der anderen. Was die beste Lösung für Ostholstein ist, an dieser Frage scheiden sich die Geister. Das Kieler Umweltministerium mit Minister Robert Habeck (Grüne) und Netzbetreiber Tennet favorisieren die Freileitungen, der Kreis Ostholstein will die Erdkabel-Variante.

„Die Erdkabel- Variante ist auf dem Stand der Technik und wird seit Jahren eingesetzt. Prof. Lorenz Jarass Gutachter

Viele Bürgermeister, deren Gemeinden von den Starkstromleitungen betroffen wären, versammelten sich gestern im Kreishaus in Eutin. Landrat Reinhard Sager (CDU): „Seit Jahren ist die 380-kV- Leitung ein Thema in Ostholstein. Wenn Windstrom abgeführt werden muss, dann brauchen wir unbestritten auch Leitungszuwachs. Doch angesichts der zu erwartenden Einschnitte in die Natur setzt der Kreis Ostholstein auf die Erdverkabelung.“

Um diese Position gegenüber Kiel zu untermauern, erarbeitete der Wiesbadener Wissenschaftler Prof. Dr. Lorenz Jarass bereits im vergangenen Jahr ein umfangreiches Gutachten, das im Januar 2018 präsentiert wurde (LN berichteten). Gestern wurde der zweite Teil – speziell zu den Möglichkeiten einer 380-kV-Erdverkabelung – vorgestellt.

Die Vorgaben für das vom Kreis in Auftrag gegebene Gutachten lauteten: Der Vorschlag müsse technisch belastbar, rechtssicher und naturverträglich sein. Jarass: „Es geht bei einer maximalen Einspeisung von 808 Megawatt nicht um Verhinderung, sondern um eine vernünftige Lösung.“ Das sei auch der Maßstab seines Gutachtens gewesen. Erstens: Durch den Bau von zwei 380-kV-Erdkabelsystemen werde eine mehr als ausreichende Übertragungsleistung sichergestellt. Zweitens: Selbst bei einer der sehr seltenen Störungen im System sei in keinem Fall eine Verminderung der Windenergieeinspeisung erforderlich. Drittens: die Trassenbreite betrage nur vier Meter pro Kabel (Gesamttrassenbreite 15 Meter gegenüber 40 Metern bei Tennet). Jarass: „Dieses System ist Stand der Technik, wird seit Jahren auch von Tennet eingesetzt und bietet zudem die Möglichkeit einer Bündelung von Erdkabeltrasse und Autobahn gerade im Bereich von Neustadt – ohne Verschwenkung nach Osten in Richtung Süsel wie bei der Tennet-Lösung mit Freilandmasten.“

Auch die Kosten hat der Wiesbadener Gutachter kalkuliert. Ausgangswert seien die von Tennet genannten 154 Millionen Euro für zwei 380-kV-Freileitungssysteme gewesen. In den von Jarass berechneten Erdkabel-Varianten kommt er einmal auf 179 Millionen Euro (bei 100-prozentiger Verkabelung), im zweiten Fall auf 143 Millionen Euro (bei 50-prozentiger Verkabelung).

Beide Alternativen seien in jedem Fall ausreichend für das, so Jarass, was in Kürze von der Regionalplanung vorgegeben werde.

Von Louis Gäbler