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Ostholstein „#3von5“ – Insulaner kämpfen für Glasfaser
Lokales Ostholstein „#3von5“ – Insulaner kämpfen für Glasfaser
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19:53 13.06.2019
Um den Glasfaserausbau auf der Insel Fehmarn nicht zu gefährden, kämpft jetzt eine Privatinitiative für schnelles Internet. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Fehmarn

Eine Gruppe Fehmaraner sorgt sich um den kommunalen Glasfaserausbau in ihrer Heimat. Vor wenigen Tagen erst haben sie die Privatinitiative „#3von5“ ins Leben gerufen und planen schon inselweite Aktionen und den Auftritt in den sozialen Medien. Denn die Zeit wird knapp. Schon in Kürze muss eine Ausbauquote von 60 Prozent erreicht werden. Deshalb müssen drei von fünf Fehmaraner mitmachen.

Jochen Czwalina kämpft mit der Initiative für den Glasfaserausbau auf der Insel Fehmarn. Quelle: HFR

„Wir möchten, dass Fehmarn sich deutlich zur digitalen Zukunft bekennt, und das zu installierende Glasfasernetz als unerlässliche infrastrukturelle Maßnahme wahrgenommen wird“, erläutert Jochen Czwalina von „#3von5“. „Die Aufmerksamkeit soll so stark auf das Thema gelenkt werden, dass sich bis zum Ende Juni so viele Anwohner und Zweitwohnungsbesitzer für einen Glasfaseranschluss entscheiden, dass die Quote erreicht wird.“ Sollte es nicht so weit kommen, sei unklar, wann jemals wieder eine so hohe Förderung durch die öffentliche Hand beim Glasfaserausbau gewährt werde, sagt der Mitinitiator. Das wäre ein Desaster.

Die Quote ist kein Selbstläufer

„Für Fehmarn ist Glasfaser enorm wichtig“, bestätigt Bürgermeister Jörg Weber (SPD). Viele würden unterschätzen, dass schnelles Internet nicht nur „www“ bedeute, sondern mittlerweile auch das Telefonieren über das Internet laufe. Der Tourismus, aber auch Bereiche wie Telemedizin oder Homeoffice wären mit dem derzeitigen Netz auf der Insel künftig nicht machbar. Die erste Frage des Gastes beim Vermieter sei nicht mehr, wo der Strand liege, sondern wie das WLan sei. „Die Quote ist kein Selbstläufer. Daher finde ich es gut, wenn Fehmaraner, die wissen, wie wichtig das Glasfasernetz ist, sich engagieren“, sagt Weber.

Die Arbeit der Initiative nimmt schnell Fahrt auf. Es wurde schon ein Logo entwickelt und bereits eine Website erstellt. Auf glasfaserjetzt.de werden Informationen und Meinungen zum Thema gesammelt. „Wir wollen alle Bevölkerungsgruppen ansprechen durch eine massive inselweite Plakataktion, per Facebook, Instagram und Youtube. Wir möchten sogar Hilfe beim Ausfüllen der Anträge anbieten – wenn es gewünscht ist“, betont Jochen Czwalina aus Klausdorf. „Fehmaraner gemeinsam mit Fehmaranern!“ – so laute dann auch das Motto.

Großer Wandel in der IT-Branche

Der Kämpfer für den Breitbandausbau, den der Zweckverband Ostholstein (ZVO) und die TNG Stadtnetz GmbH aus Kiel vorantreiben, ist selbst seit vielen Jahren in der IT-Branche unterwegs. 1995 habe er erste Internetseiten für Fehmarn erstellt. Seitdem habe sich vieles verändert. Czwalina erinnert sich: „Mein piepsendes 56k-Modem wich damals zum Glück der leisen, schnelleren digitalen ISDN-Karte.“ Heute gebe es DSL, Internet auf dem Handy oder Videostreaming direkt über den Fernseher, damals kaum denkbar.

Das Logo der Initiative „#3von5“. Quelle: HFR

„Es ist verrückt!“, sagt Czwalina rückblickend. Aber der Wandel sei unaufhaltsam und wer meine, ihn herauszögern zu wollen, werde feststellen, dass er abgehängt werde. Um diesem nötigen Wandel Rechnung zu tragen, dürfe ein jeder Fehmaraner gar nicht überlegen, ob er eine neue Glasfaserinfrastruktur brauche oder nicht. Glasfaser sei die ausgereifteste Technologie zur Datenübermittlung, die aktuell verfügbar sei. Ganze Kontinente würden durch Ozeane hindurch mit dicken Glasfasersträngen verbunden. So funktioniere nun mal das Internet.

Auch andere Kommunen zittern noch um ihren Breitbandausbau. Vor allem Gemeinden mit hohem Anteil an Ferien- und Zweitwohnungsbesitzern wie Großenbrode, Heringsdorf und Neukirchen haben in ihrer Vermarktungsphase die nötige Quote nicht erreicht und Verlängerung bekommen. Auch Dahme ist stark betroffen. „Wir bekommen jede Menge Besitzer von Anschlüssen nicht zu fassen. Das ist ein Problem“, sagt Dahmes Bürgermeister Harald Behrens (DWG). Die Zahlen seien in letzter Zeit nur marginal besser geworden. „Mein Optimismus ist nicht übermäßig groß. Aber wir werden nicht aufgeben, denn touristisch wäre es eine Katastrophe, auf der Strecke zu bleiben“, sagt Behrens.

Bis zum Abschluss der Vermarktung des Gesamtprojekts von ZVO und TNG am 30. Juni können sich Bürger aus den erwähnten Kommunen sowie aus Grömitz, Lensahn und Ratekau (Beratung am 18. Juni von 16 bis 19 Uhr im Rathaus), aber eben auch von der Insel Fehmarn anschließen. „Im Juli beginnt dann unsere große Analyse“, erläutert TNG-Abteilungsleiter Martin Stadie. „Erst danach können wir sagen, ob es doch noch alle geschafft haben. Es wird eine spannende Geschichte.“

Planungen für den Tiefbau

In einigen Regionen hat anderseits der Tiefbau bereits begonnen, ist weit fortgeschritten oder wird geplant. In drei Gemeinden ist der Start für die Arbeiten im Laufe des dritten Quartals 2019 vorgesehen. Dazu finden Infotermine in den kommenden Tagen in Sierksdorf (18. Juni, 16 bis 19 Uhr im Haus des Gastes), in Wangels (Dienstag, 25. Juni, 16 bis 19 Uhr im Fürwehrhus, Birkenweg 10) und im Bürgerhaus in Scharbeutz (Donnerstag, 27. Juni, 16 bis 19 Uhr) statt.

Beratungstermine auf Fehmarn

Sonnabend, 15. Juni, 10 bis 13: Sonderberatungstermin mit Glücksrad, Sportlerheim Landkirchen.

Montag, 17. Juni, 16 bis 19 Uhr: Lesehalle Petersdorf, Ostlandstraße 4a.

Donnerstag, 20. Juni, 16 bis 19 Uhr: Haus des Gastes, Inselweg 49, Dänschendorf

Sonnabend, 22. Juni, 10 bis 13 Uhr: Sportlerheim Landkirchen.

Montag, 24. Juni, 16 bis 19 Uhr: Haus des Gastes, Inselweg 49, Dänschendorf.

Mittwoch, 26. Juni, 16 bis 19 Uhr: Lesehalle Petersdorf, Ostlandstraße 4a.

Sonnabend, 29. Juni, 10 bis 13 Uhr: Sonderberatungstermin mit Kuchen und Glücksrad, Sportlerheim Landkirchen.

Infos: www.tng.de/Ostholstein.

Sollte Fehmarn im Rahmen des rund 100 Millionen Euro teuren Glasfaserprojekts von TNG und ZVO die Quote erfüllen, soll das schnelle Internet über den Sund auf zwei Wegen auf die Insel kommen. „Die Leitungen werden auf der Brücke und über den Meeresboden verlegt, damit die Versorgung gewährleistet werden kann“, erläutert ZVO-Sprecherin Nicole Buschermöhle. Geprüft werde noch, ob vorhandene Rohre mitgenutzt werden können. „Wir sind ganz zuversichtlich, dass die Bürger im Endspurt die Vorzüge des Breitbandanschlusses erkennen“, sagt Buschermöhle.

Alles zum Glasfaserausbau in Ostholstein

Breitband-Partner des ZVO wird TNG: Pacht- und Betreibervertrag unterschrieben.

Schnelles Internet für alle: ZVO-Partner will 29 Gemeinden jetzt komplett mit Glasfaser bis zum letzten Haus versorgen.

Konkurrenzkampf gefährdet das schnelle Internet: Das Rennen um Vertragsabschlüsse für das schnelle Internet ist eröffnet.

Glasfaserausbau in Ostholstein: Erste Breitband-Verträge sind unterschrieben.

Land macht Tempo: Glasfaserausbau bis 2025.

Schnelles Internet rückt näher: Nächste Runde im Breitband.

Breitband: 6500 Verträge abgeschlossen.

Baufirmen kommen nicht hinterher: Viele Ostholsteiner müssen weiter aufs schnelle Internet warten.

Turbo-Internet: Breitband-Aktion startet diese Woche in Ratekau.

Schnelles Internet in Dahme: Harter Kampf um die Quote.

Markus Billhardt

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