Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Ärger über neuen Bahn-Fahrplan: Fernzüge nach Ostholstein fallen weg
Lokales Ostholstein Ärger über neuen Bahn-Fahrplan: Fernzüge nach Ostholstein fallen weg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:16 18.10.2019
Bald fährt er nicht mehr: Der Eurocity zwischen Lübeck und Kopenhagen wird eingestellt. Ein Problem ist das vor allem für Oldenburg und Fehmarn. Quelle: Luisa Jacobsen
Fehmarn/Oldenburg

59 Minuten dauert bisher die Fahrt mit dem Eurocity (EC) von Lübeck nach Puttgarden. Eine Stunde und 43 Minuten braucht die Regionalbahn. Auf die schnellere Variante müssen Gäste und Touristen künftig verzichten. Der Eurocity, der zwischen Lübeck (Start ist in Hamburg) und der dänischen Hauptstadt Kopenhagen verkehrt, wird eingestellt. Grund sind Gleisarbeiten auf dänischer Seite im Zuge der Bauarbeiten zur festen Fehmarnbeltquerung.

Vom 15. Dezember an verkehren die Fernzüge dorthin nur noch ab Hamburg über Padborg an der deutsch/dänischen Grenze. Unglücklich ist man darüber vor allem in Oldenburg und auf Fehmarn. Touristiker und Bürgermeister wünschen sich Ersatz – zumal auch die Regionalbahn vergleichsweise selten fährt.

Das ist für die Bahnfahrer in Ostholstein wichtig

In Sachen Regionalverkehr bleibt mit dem neuen Fahrplan alles beim alten. Die Regionalbahn zwischen Lübeck und Puttgarden sowie andersherum fährt im Zweistunden-Takt, zwischen Lübeck und Neustadt verkehren die Züge hingegen jede Stunde. Beim Fernverkehr fällt der EC weg, was bestehen bleibt, ist der sogenannte Ferien-IC. Er verkehrt zwischen Fehmarn, Lübeck und Süddeutschland vom 14. Juni bis 1. November, berichtet Sabine Brunkhorst, Sprecherin bei der Bahn. Vom 15. September bis 29. Oktober allerdings nur montags sowie freitags bis sonntags. „Abfahrt in Burg ist um 8.22 Uhr, in Oldenburg um 9.06 Uhr.“

Dass der Ferien-IC erhalten bleibt, findet Oliver Behncke, Tourismus-Chef von Fehmarn „erleichternd“, allerdings nicht ausreichend. Denn für den Rest des Jahres ist Fehmarn vom Fernverkehr abgeschnitten. „Das ist vor allem eine Kopfgeschichte“, sagt Behncke. Ein Urlaubsziel, das nicht mehr ganzjährig an den Fernverkehr angeschlossen ist, laufe Gefahre, an Attraktivität zu verlieren.

Tourismusdirektor Oliver Behncke glaubt, dass sich der Wegfall des Eurocity negativ auswirken wird. Quelle: Luisa Jacobsen

Touristiker: Nachhaltige Mobilität wird eingeschränkt

Außerdem, ergänzt Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD), habe sich die Zeit des Ferien-IC verkürzt. „Der fuhr sonst immer schon von April an“, sagt Weber. Die Saison beginne schließlich nicht erst im Sommer. Insgesamt, sagt Behncke, würden etwa zwei bis vier Prozent der Gäste mit der Bahn anreisen. Nicht besonders viele könnte man meinen, aber: „Nachhaltige Mobilität ist ein großes Thema beim Ostseeküsten-Tourismus. Jedes Auto weniger entlastet den Verkehr auf der Insel.“ Ähnlich sieht es David Depenau, Geschäftsführer des Ferienparks Weissenhäuser Strand: Ostholstein werde zunehmend zu einem „abgeschnittenen Landstrich“. Wenn man mehr Menschen bewegen wolle, mit der Bahn zu fahren, müsse man auch Angebote machen.

Ebenfalls stark betroffen von den neuen Plänen ist Oldenburg. Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) bezeichnet den Wegfall des Eurocity als „ganz schweren Verlust“ für die Stadt. Besonders ärgerlich findet er: „Pendeln von und nach Oldenburg ist ohnehin schon schwierig, weil nur alle zwei Stunden die Regionalbahn fährt. Jetzt wird es noch schwieriger.“ Die Bahn argumentiere immer mit niedrigen Zahlen von Reisenden über den Belt, sagt Martin Voigt. „Aber es geht auch um die Personen, die vorher in Oldenburg und Fehmarn aussteigen, oder andersrum die Strecke in Richtung Süden als Anschluss in andere Städte nutzen.“

Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt bezeichnet den Wegfall des Eurocitys als „schweren Verlust" Quelle: Luisa Jacobsen

Pro Bahn fordert Ersatzangebot

Unterstützung bekommen Voigt, Weber und die Touristiker vom Fahrgastverband Pro Bahn. Der Vorsitzende für Schleswig-Holstein und Hamburg, Stefan Barkleit, sagt: „Jetzt, wo der IC Hamburg-Kopenhagen über Ostholstein ausfällt, muss es auf jeden Fall Ersatz für die Pendler in der Region geben.“ Nach aktuellem Stand sei von der Deutschen Bahn aber nicht geplant. In Dänemark sei das anders, dort werde Schienenersatzverkehr angeboten, sagt Barkleit. Seiner Ansicht nach wäre es passend gewesen, dieses Angebot bis Lübeck auszubauen. Für ein Ersatzangebot auf der Schiene, wofür sich unter anderem die Bürgermeister von Fehmarn und Oldenburg eingesetzt hatten, ist hingegen nicht die Bahn, sondern Nah.SH zuständig. „Wir hatten uns eine engere Taktung der Regionalbahn gewünscht“, sagt Bürgermeister Jörg Weber. Eine Realisierung sei aber frühestens für die Zeit nach Beendigung des Schienenneubaus, das bedeutet nach Fertigstellung der Schienenhinterlandanbindung, in Aussicht gestellt worden.

Während der Bauarbeiten für den Belttunnel und der damit einhergehende Streckensperrung soll nach Vorschlag des Dialogforums und des Kreises eine einstündig verkehrende Busverbindung zwischen Lübeck und Fehmarn geschaffen werden. „Fehmarn Express“ soll dieses Angebot laut Nils Hollerbach, Leiter des Fachbereichs Planung, Bau und Umwelt des Kreises Ostholstein, heißen. Die Aussichten darauf seien gut. „Die Entscheidung trifft aber am Ende die Bahn.“

Lesen Sie auch

Von Luisa Jacobsen

Die Ehrenamtler rücken an, wenn die Gefahr besonders groß ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen hat das Technische Hilfswerk keine Nachwuchssorgen.

18.10.2019

Letzte Vorstellungsrunde vor der Bürgermeister-Wahl in Scharbeutz am Sonntag, 20. Oktober: Die verbliebenen Kandidaten Bettina Schäfer und Andreas Zimmermann warben am Mittwochabend um Wählerstimmen.

17.10.2019

Der Kunstmaler aus Klein Wessek zeigt in seiner Werkeausstellung 33 Bilder im Stadtmuseum von Bergen auf Rügen. Er stellt zwei Küsten neben- und gegeneinander. 2020 kommt die Schau nach Ostholstein.

17.10.2019