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Ostholstein Ein geerbter Treffpunkt für alle Bürger
Lokales Ostholstein Ein geerbter Treffpunkt für alle Bürger
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06:00 18.05.2019
Die ehemalige Hofstelle Schmidt mitten in Ahrensbök ist heute das Bürgerhaus Ernst und Elly Prüss. Quelle: Peyronnet
Ahrensbök

Hätte es das Ehepaar Prüss nicht gegeben, stünde am Ahrensböker Mösberg heute ein Supermarkt. Als die Bauernfamilie Schmidt sich mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb aus dem mittlerweile um sie herum entstandenen Wohngebiet zurückziehen wollte, sollte das stattliche Bauernhaus abgerissen und an seiner Stelle ein Verbrauchermarkt gebaut werden. Die Baugenehmigung dafür war bereits erteilt. Diese Pläne stoppte die Gemeinde 1987 zur Freude der Anwohner. 1991 erwarb sie das Grundstück und baute das Gebäude zum heutigen Bürgerhaus um.

Das war eine teure, eine sehr teure Angelegenheit. 5,3 Millionen Mark (2,65 Millionen Euro) kostete allein der Umbau. Zwar gab es Fördermittel, doch der Eigenanteil von Ahrensbök lag immer noch bei 2,2 Millionen Mark (1,1 Millionen Euro). Das konnte sich die Gemeinde nur leisten, weil sie geerbt hatte. Der gebürtige Ahrensböker und erfolgreiche Textilkaufmann Ernst Prüss und seine Frau Elly hinterließen ihrem Heimatort vier Millionen Mark (zwei Millionen Euro) mit der Auflage, das Geld für ein der Allgemeinheit dienendes Bauwerk zu verwenden.

Ein Haus für alle Ahrensböker

Das ist es geworden. 184 öffentliche Veranstaltungen im Haus weist die Jahresübersicht für 2018 aus. Da ist alles dabei vom Senioren-Bingo bis zu Kinovorstellungen, von Aerobic-Stunden (mangels anderer Sportstätten) bis zur Schulentlassungsfeier. Die Gemeindevertretung tagt im großen Saal ebenso wie der Seniorenbeirat. Im Haus werden Hochzeiten gefeiert, Diavorträge gehalten und Theater gespielt. Im ehemaligen Kuh- und Pferdestall im Erdgeschoss ist die Gemeindebücherei untergebracht. Im Erdgeschoss des Wohnteils hat das Heimatmuseum sein Domizil.

Ehemalige Hofstelle Schmidt wurde dank des Vermächtnisses von Ernst und Elly Prüß zum öffentlichen Treffpunkt umgebaut.

Äußerlich hat der Hof Schmidt kaum seine Gestalt verändert. Geblieben ist das breit hingelagerte Bauernhaus mit dem zwei großen Scheunentoren, durch die früher die Wagen ins Gebäude fuhren. Längst verschwunden ist aber der Misthaufen vor dem Haus. „Wenn Johannes Schmidt Geburtstag hatte, gab es eine Polonaise um den Misthaufen“, erinnert sich Jan Krause vom Heimatmuseum.

87 Jahre in Familienbesitz

Das Bürgerhaus kann seine frühere Bestimmung nicht verhehlen. 1906 hatte es der Landwirt Johannes Schmidt vom Vorbesitzer gekauft. Es sollte 87 Jahre und drei Generationen im Familienbesitz bleiben. 1927 war das Wirtschaftsgebäude abgebrannt, der Neubau in seiner heutigen Gestalt errichtet worden. Familie Schmidt, die eine Holsteiner-Zucht und einen Reitstall betrieb, siedelte 1993 an den Noerre-Alslev-Ring aus, wo der Reiterhof Schmidt bis heute seinen Sitz hat.

Ernst Prüss hatte das spätere Bürgerhaus, das seinen Namen tragen sollte, bereits als junger Mann vor Augen. 1897 in Ahrensbök geboren, lernte er im gegenüber liegenden Geschäft von Wilhelm Steen den Beruf des Kaufmanns. 1916 verlässt er Ahrensbök, gründet vor und verliert im Krieg ein florierendes Damenmodengeschäft. Gemeinsam mit seiner Frau Elly eröffnet er das Geschäft in Berlin neu und ist damit in den Wirtschaftswunderjahren sehr erfolgreich. 1966 gibt das Paar das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen auf und zieht nach Bad Kissingen. Nach dem Tod seiner Frau 1972 nimmt Ernst Prüss wieder Kontakt zu seiner Heimatgemeinde auf und setzt sie als Erbin ein. Auch die Kirchengemeinde wird bedacht, sie erhält 400 000 Mark (200 000 Euro) für eine neue Friedhofskapelle.

Ein Namen, zwei Schreibweisen

Prüss oder Prüß? Der Nachname des Ahrensböker Wohltäters kommt in beiden Schreibweisen vor. Sein Berliner Unternehmen firmierte als „DAMENMODEN PRÜSS – Elly und Ernst Prüß“. Auf seinem Grab auf dem Ahrensböker Friedhof sind sowohl die Namen seiner Eltern als auch seiner und der seiner Ehefrau als „Prüss“ eingraviert. So steht es auch in seiner Todesanzeige. In Vermerken der Gemeinde Ahrensbök aus den 1980er Jahren steht ebenfalls Prüss, in den 1990er Jahren begann sich die Schreibweise Prüß durchzusetzen.

1981 stirbt Ernst Prüss. Das Erbe wird zunächst angelegt und wächst bis 1985 auf etwa sieben Millionen Mark an. Es wird für Kauf und Umbau des Schmidtschen Hofes zum Bürgerhaus ausgegeben sowie für die laufenden Kosten. Wie viel Ahrensbök Ernst Prüss zu verdanken hat, schreibt der Bürgermeister a. D. Siegmut Gülke in seinem Grußwort in einer Broschüre anlässlich des 100. Geburtstags des Gönners: „Die steuerschwache Gemeinde Ahrensbök hätte sich aus eigener Kraft ein solches Bürgerhaus nie leisten können.“

Ein hochwertige Veranstaltungssaal

Verwaltet wird es ehrenamtlich vom Kulturkreis Ahrensbök. Er vermietet auch den Saal mit seinen 250 Sitzplätzen oder 450 Stehplätzen. Die Reinerlöse investiert der Kulturkreis wieder in das Bürgerhaus. Dass der Bürgersaal seine Qualitäten hat, berichtet Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos): „Auswärtige Künstler sind immer ganz angetan von der Raumakustik.“ Die Gemeinde Ahrensbök profitiere von dem Saal, da es immer weniger Räume gebe, die über 100 oder 200 Gäste aufnehmen können. Andererseits mieden kleinere Gruppen das Bürgerhaus, weil es keine Trennwände gebe.

Im Rahmen der Städtebausanierung werde angestrebt, das Haus energetisch zu optimieren und die Nutzungsmöglichkeiten durch Raumtrenner zu verbessern. Langfristig müsse auch über den Betrieb nachgedacht werden. Ein ehrenamtlicher Verein könne die Verwaltung kaum noch leisten. Dem Bürgermeister schwebt deshalb eine teilkommerzielle Nutzung mit einem Gastwirt vor.

Das dürfte dem Geist von Ernst Prüss’ Testament nicht widersprechen und nichts an dem ändern, was Siegmut Gülke aus Anlass von dessen 100. Geburtstag schrieb: „Mit dem Bürgerhaus, das Kulturarbeit und Kulturangebot zum Inhalt hat, wird dem Gedankenbild des Vermächtnisses von Herrn Prüss in idealer Weise entsprochen, ja, es wird sogar fortgeführt.“

Susanne Peyronnet

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