Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Pilotprojekt: Wärme aus Windkraft
Lokales Ostholstein Pilotprojekt: Wärme aus Windkraft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 26.02.2019
Reimar J. C. von Wachholtz, Diplom-Geograf und Innovations- und Kommunalberater beim ZVO, hat das Fernwärme-Pilotprojekt  entwickelt.  Quelle: Susanne Peyronnet
Ahrensbök

Was kann mit dem überschüssigen Windstrom gemacht werden? Und wie kommt die Heizung weg von fossilen Brennstoffen? Der Zweckverband Ostholstein (ZVO), genauer dessen Energie-Sparte, hat sich dazu Gedanken gemacht und eine Idee entwickelt, die in Ahrensbök umgesetzt werden soll. Daran wird bereits eine Weile gearbeitet. Jetzt unterschrieben der ZVO und die Gemeinde eine Kooperationsvereinbarung für dieses Pilotprojekt.

Reimar J. C. von Wachholtz ist Innovations- und Kommunalberater für erneuerbare Energien beim ZVO. Er hat eine einfache Idee ausgetüftelt, für die es nur im Ausland Vorbilder gibt. Vereinfacht ausgedrückt: Der Strom aus einem Windrad erhitzt eine Art riesigen Tauchsieder, das so erzeugte warme Wasser wird gespeichert und nach und nach über ein Fernwärmenetz an die Gebäude abgegeben. In Wahrheit ist es natürlich ein bisschen komplizierter, aber nicht viel.

Gute Voraussetzungen

Als Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) von der Idee erfuhr, meldete er sich beim ZVO, um seine Gemeinde als Standort für die erste ZVO-Anlage dieser Art vorzuschlagen. Auch aus Scharbeutz kam eine Meldung dieser Art, allerdings sind in Ahrensbök die Voraussetzungen besser, erläutert ZVO-Energie-Geschäftsführer Rüdiger Lange-Jost. Dort gibt es bereits ein Mini-Wärmenetz in der Arnesbokenschule. Die weiteren großen Verbraucher liegen nicht weit davon entfernt. Denn für den Transport der Wärme muss ein neues Rohrnetz im Ort verlegt werden.

30 Gebäude, die der Gemeinde gehören, könnten an das Netz angeschlossen werden. Damit soll aber nicht Schluss sein. „Wenn wir schon davon partizipieren, warum sollen Gewerbetreibende und Privatleute nicht auch daran teilhaben?“, sagt Zimmermann. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand. „Der wichtigste Aspekt ist, dass wir die Energiepreise im Griff haben.“ Wer wisse schon, wie sich der Gaspreis in den kommenden 20 oder 30 Jahren entwickeln werde. Noch sei er niedrig, der Bürgermeister befürchte aber, dass der Preis stark nach oben gehen könnte. „Davor möchte ich die Gemeinde schützen.“

Zack, abgestempelt! Rüdiger Lange-Jost, Geschäftsführer der ZVO Energie GmbH, und Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (v. l.) unterzeichneten jetzt den Kooperationsvertrag für das Fernwärme-Pilotprojekt. Quelle: Susanne Peyronnet

Privatleute, die sich anschließen – laut Bürgermeister ist alles freiwillig – hätten neben einem guten Klima-Gewissen noch einen weiteren Vorteil. Die CO2-freie Heizung wird auf den Primärenergiefaktor des Hauses angerechnet und drückt ihn auf null. Damit lassen sich Zuschüsse oder günstige Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für andere Sanierungsmaßnahmen beantragen. Wer sich ans Fernwärmenetz anschließt, egal ob nach einer Sanierung oder beim Neubau, muss zudem kein Geld für eine Heizungsanlage ausgeben. Zimmermann: „Dieses Projekt ist eine der wenigen Möglichkeiten, dass Bürger etwas von der Energiewende haben und daran beteiligt werden.“

150-Meter-Mühle reicht aus

So richtig voran kommt das Projekt zurzeit allerdings noch nicht. Das liegt weder am ZVO noch an der Gemeinde Ahrensbök, sondern an der Landesregierung, die noch über die neuen Windkraft-Vorranggebiete entscheiden muss. Zurzeit läuft die erneute Beteiligung für die Pläne. Erst wenn sie umgesetzt sind, kann der ZVO sein Windrad bauen. Wo das sein wird, ist wegen der fehlenden Pläne aus Kiel noch offen. Klar ist nur, dass es auf gemeindeeigenem Land sein wird. „Eine 150-Meter-Anlage würde ausreichen“, sagt Wachholtz.

Von dort wird eine Stromleitung zum Wärmeerzeuger und zum Pufferspeicher gelegt. Die Anlage wird voraussichtlich an der Arnesbokenhalle gebaut. Der Wärmeerzeuger heizt 5100 Kubikmeter Wasser auf 80 Grad auf, es wird in einem Erdbeckenspeicher vorgehalten. Tiefe etwa zehn Meter, Länge etwa zwölf bis 15 Meter. Von dort fließt das Wasser über die noch zu verlegenden Erdwärmeleitungen in die Häuser.

Das Schema zeigt, wie die Windkraft in Fernwärme umgewandelt wird. Quelle: ZVO Energie GmbH

Der ZVO hofft jetzt noch auf eine Förderung vom Bund, um die hohen Investitionskosten zu stemmen. In einem ersten Anlauf ist er mit seinem Förderantrag gescheitert, eine weitere Möglichkeit folgt im Herbst. Wenn alles optimal läuft, könnten 2020 die Arbeiten ausgeschrieben werden. Wann das erste Gebäude ans Netz geht, ist noch völlig offen.

Ahrensbök lässt sich davon nicht beirren. Zimmermann: „Einer muss mal loslegen und Erfahrungen sammeln. Wir sind dazu bereit.“

Susanne Peyronnet

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadtvertretung Fehmarns hat erneut für eine Drogeriemarkt-Ansiedlung im Gewerbegebiet Burg gestimmt. Es wird jedoch eine Blockade im Bauausschuss erwartet. Die Verwaltung schaltet daher die Kommunalaufsicht ein.

25.02.2019

Der Planfeststellungsbeschluss zur Errichtung des Fehmarnbelttunnels ist am 31. Januar unterzeichnet worden. Fehmarn hat jetzt schon vor der Auslegung im März beschlossen, eine Klage ins Auge zu fassen.

25.02.2019

„Junge Mode ’19“ heißt eine Ausstellung von jungen Künstlern, die seit Montag im Bad Schwartauer Rathaus zu sehen ist. Gezeigt werden Kleider, Bilder, Fotos und Skulpturen des Kunstprofils am Gymnasium am Mühlenberg. Die Schau ist bis Freitag geöffnet.

25.02.2019