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Ostholstein Brand im Schwesternwohnheim: Rettungskräfte mit Übung zufrieden
Lokales Ostholstein Brand im Schwesternwohnheim: Rettungskräfte mit Übung zufrieden
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17:46 18.11.2019
Sechs Feuerwehrleute bringen eine bewusstlose Person auf einer Tragedecke über die enge Außentreppe aus dem Gefahrenbereich. Quelle: Dirk Schneider
Middelburg

Das Schwesternwohnheim in Middelburg brennt, die erste Etage des Gebäudes ist verraucht und acht Patienten werden vermisst. Das war die Ausgangslage bei einer großen Rettungsübung in der Gemeinde Süsel. Mehr als 100 Einsatzkräfte probten den Ernstfall in der Sana-Klinik Middelburg.

Hintergrund der Großübung: „Wir wollen das Zusammenspiel der verschiedenen Wehren und Rettungskräfte trainieren“, erklärte Süsels Ortswehrführer Dirk Martens, der das dramatische Szenario unter strenger Geheimhaltung vorbereitet hatte. Das Klinikum in Middelburg, das aus feuerwehrtechnischer Sicht zu den anspruchsvollsten Objekten der Gemeinde zähle, sei dafür besonders geeignet. „Die letzte Übung auf diesem Gelände ist etwa zehn Jahre her. Da hat sich einiges verändert“, sagte Martens. Und auch für die vielen neuen und ortsfremden Kameraden sei es wichtig, einen Eindruck von dem Areal mit dem großen Gebäudekomplex und den damit verbundenen Herausforderungen zu gewinnen.

Rettungsübung im laufenden Klinikbetrieb

Große Unterstützung fand dieses Anliegen auch bei der Klinikleitung. „Wenn sie bei uns üben, wissen wir auch, dass und wie es im Ernstfall funktioniert“, sagte die kaufmännische Direktorin Annika Butzen. Um den laufenden Betrieb in den eigentlichen Pflegestationen der Einrichtung nicht zu beeinträchtigen, wurde die Übung räumlich auf den ersten Stock und die Dachterrasse eines viergeschossigen Klinikgebäudes begrenzt. Diese werden derzeit vorrangig für die Unterbringung von Krankenschwestern und Pflegekräften genutzt. „Das sind acht Patientenzimmer sowie Versammlungsbereiche“, erklärte Butzen. Hinzu kämen Büros, Sanitär- und Versorgungsräume, die Flure und das Treppenhaus, die für ein möglichst realistisches Übungsszenario mit Kunstnebel verqualmt wurden.

Die zu rettenden Patienten, die teilweise hilflos in den Betten lagen, sich aus Furcht in verborgenen Winkeln versteckten oder auf das Dach flüchteten, wurden von den Mitgliedern der Johanniter gespielt, die sich alle Mühe gaben die Übung möglichst realistisch zu gestalten.

Mit Hilfe der Eutiner Drehleiter wurden zwei Personen, die vor Feuer und Qualm auf die Dachterrasse im vierten Stockwerk geflüchtet waren, aus der Höhe gerettet. Quelle: Dirk Schneider

Reibungslose Evakuierung der Sana-Klinik

Die Alarmierung um 13.19 Uhr erfolgte dann allerdings nicht durch die Brandmeldeanlage, sondern per Anruf bei der Leitstelle. „Sobald die Anlage aktiv ist, fahren beispielsweise die Fahrstühle automatisch in das für die Evakuierung vorgesehene Geschoss, öffnen dort die Türen und gehen in den Ruhezustand. Alles andere läuft dann über die Treppenhäuser“, sagte Martens.

Unmittelbar nach dem Start der Übung gab es schon eine erste gute Nachricht: Bereits nach sieben Minuten stoppte das erste Löschfahrzeug der Süseler Wehr einsatzbereit vor dem Haupteingang, zwei Minuten später trafen die Kräfte aus Kesdorf und Röbel vor Ort ein und wurden umgehend vom Erkundungstrupp eingewiesen. Einsatzleiter Nils Rave forderte sofort Verstärkung durch weitere Wehren der Gemeinde sowie die Drehleiter der Eutiner Wehr an, die ebenfalls innerhalb der geforderten Hilfsfristen ankamen.

Zu Beginn waren vor allem 24 Atemschutzgeräteträger gefordert, um die verqualmten Flure und Zimmer nach hilflosen Personen zu durchsuchen und diese in Sicherheit bringen zu können. Im Anschluss starteten sie den Löschangriff im Inneren des Gebäudes.

Die Süseler Wehr probte den Ernstfall in der Klinik

Parallel waren weitere 52 Feuerwehrleute unter anderem damit beschäftigt die Wasserversorgung für die Brandbekämpfung aufzubauen. Nach dem schnellen Anschluss an die Hydranten verlegten die Kräfte dabei eine 500 Meter lange Schlauchstrecke zu einer neuen offenen Wasserstelle. „Die Entfernung ist 200 Meter kürzer und der Zugang ist leichter“, berichtete Gemeindewehrführer Rolf Müller.

Neue Löschwasserstelle hat sich bewährt

Entsprechend schnell stand das Löschwasser zur Versorgung der Drehleiter bereit. „Wir konnten unsere Fahrzeuge nahtlos anschließen“,sagte Jörg Bökenhauer und konnte kurz nach dem Eintreffen die volle Einsatzbereitschaft seines Eutiner Teams vermelden. Zunächst mussten sie aber zwei Personen retten, die auf die Dachterrasse flüchten konnten und an die 25 Rettungsassistenten der Schnellen Einsatzgruppe (SEG) übergeben. Diese hatten einen provisorischen Sammelpunkt für die Sichtung der Geretteten eingerichtet, um von dort den Weitertransport in die Krankenhäuser – bei der Übung allerdings in das Feuerwehrgerätehaus – zu organisieren.

Nach einer Erstversorgung werden die Personen von den Rettungskräften üblicherweise in die Krankenhäuser gefahren, bei der Übung aber ins Feuerwehrgerätehaus transportiert. Quelle: Dirk Schneider

Nach mehr als einer Stunde waren alle Aufgaben abgearbeitet. „Die Orientierung vor Ort mit der Einrichtung der Bereitstellungsräume hat funktioniert. Die neue Wasserversorgung hat sich bewährt. Die Zusammenarbeit mit der SEG war reibungslos“, fasste Martens das Ergebnis des Testeinsatzes zusammen: „Der Lerneffekt ist da. Die Übung war sehr erfolgreich.“

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Von Dirk Schneider

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