Alkoholverbot in Scharbeutz: Ein Campingplatz sperrt Jugendlichen aus
Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Scharbeutz: Campingplatz sperrt Jugendliche aus
Lokales Ostholstein

Alkoholverbot in Scharbeutz: Ein Campingplatz sperrt Jugendlichen aus

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 02.08.2021
Larissa Micic-Hengst betreibt mit ihrem Mann Milan Micic den Campingplatz Seepferdchen in Scharbeutz. Sie haben einen Buchungsstopp für Jugendliche und Jugendgruppen verhängt.
Larissa Micic-Hengst betreibt mit ihrem Mann Milan Micic den Campingplatz Seepferdchen in Scharbeutz. Sie haben einen Buchungsstopp für Jugendliche und Jugendgruppen verhängt. Quelle: Susanne Peyronnet
Anzeige
Scharbeutz

Seit Freitag gilt in Scharbeutz an öffentlichen Plätzen täglich von 23 bis 6 Uhr ein Alkoholverbot, um Strandpartys junger Leute zu verhindern. Wer dagegen verstößt, muss mit bis zu 1000 Euro Bußgeld rechnen. Schützenhilfe bekommt die Gemeinde jetzt von Larissa Micic-Hengst, die mit ihrem Mann Milan Micic den Campingplatz Seepferdchen betreibt. Dort werden keine Buchungen junger Leute mehr angenommen.

Keine Reservierung mehr für Gruppen bis 25 Jahre

„Als Beherbergungsbetrieb in der Gemeinde Scharbeutz sehen wir uns in der Pflicht, einen Beitrag zu leisten“, begründet Micic-Hengst diese Entscheidung. Sie gilt für alle bis 18 Jahre und für Gruppen mit Teilnehmern zwischen 16 und 25 Jahren. Sie habe beobachten können, dass sich gerade in den Corona-Jahren „die Jugendlichen und jungen Erwachsenen verhalten wie Tiger, die aus Käfigen gelassen werden“, sagt Larissa Micic-Hengst. Ihr Platz sei einer der wenigen, die es der Jugend überhaupt erlaube zu zelten. „Aber wenn wir darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass unsere Gemeinde teilweise unter solchen Gruppen leidet, müssen wir handeln!“

Der Aufnahmestopp bedeutet nicht, dass bestehende Buchungen storniert werden, betonen die Campingplatzbetreiber. Dennoch findet Niclas Dürbrook, SPD-Kreisvorsitzender und ehemaliger Landesvorsitzender der Jusos, das nicht in Ordnung. „Ich kann alle Maßnahmen nachvollziehen, die ergriffen werden, um für geordnete Verhältnisse zu sorgen. Das darf aber nicht umschlagen in den Eindruck, man wolle gar keine jungen Leute mehr haben.“ Es könne nicht sein, dass sogar Betriebe die jungen Gäste ablehnen, obwohl die in der Pandemie so viel Solidarität gezeigt hätten.

Ruhiges Wochenende am Strand von Scharbeutz

Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) wertet das erste Wochenende mit Alkoholverbot als Erfolg. „Größere Gruppen haben sich erst gar nicht zusammen eingefunden“, teilt Schäfer mit. Ordnungsamt und Sicherheitsdienst hätten bereits am Abend auf das Alkoholverbot hingewiesen, so dass die Nacht morgens um 4 Uhr mit einem sehr positiven Resümee beendet worden sei.

Seit 30. Juli gilt in Scharbeutz ein Alkoholverbot, das sich unter anderem auf den Strand erstreckt. Quelle: Susanne Peyronnet

Anders als Scharbeutz erwägen die Nachbarorte kein Alkoholverbot. Sebastian Schmidt (CDU), amtierender Bürgermeister von Neustadt, findet vieles an den von Schäfer erlassenen Regeln falsch. „Die Menschen hatten so viele Einschränkungen, es ist nicht mehr vertretbar, dass wir jetzt wieder Freiheitsrechte einschränken“, sagt Schmidt. Für Neustadt hatte der Kreis zum Infektionsschutz kurzfristig ein Alkoholverbot erlassen.

Nachbar-Bürgermeister sieht Verbot kritisch

Ein solches Verbot, argumentiert Schmidt, treffe auch die, die sich angemessen verhalten. Und: „Ein Verbot muss Akzeptanz haben, und die wird es nicht haben.“ Für ihn sei es unverhältnismäßig. Das Argument der Gefahrenabwehr sei nicht gegeben, deshalb gebe es keine rechtliche Grundlage für das Verbot.

Das sind die Regeln

Das Alkoholverbot gilt vorerst bis 15. September von 23 bis 6 Uhr am Strand, in der Strandallee, in den Kurparks von Scharbeutz und Haffkrug sowie auf beiden Seebrückenvorplätzen, dem Ostseeplatz, im Muschelstieg und im Fischerstieg. Weder Alkohol noch Glasflaschen dürfen mitgeführt werden.

Wer dagegen verstößt, muss mit bis zu 1000 Euro Bußgeld rechnen.

Daran, dass das Scharbeutzer Alkoholverbot auf einer rechtlich sicheren Grundlage steht, hat auch Sven Partheil-Böncke (FDP), Bürgermeister von Timmendorfer Strand, seine Zweifel. In seiner Gemeinde, die keine ähnlichen Probleme wie Scharbeutz habe, werde nicht über ein Alkoholverbot nachgedacht. „Wir haben viel Verständnis für Feiernde, die mussten lange verzichten und haben Nachholbedarf“, sagt der Bürgermeister.

Timmendorfer Strand und Bad Segeberg sind 2012 mit einem Alkoholverbot sowohl vor dem Verwaltungs- als auch vor dem Oberverwaltungsgericht gescheitert. Es sollte am Vatertag gelten. Das Gericht verwies damals darauf, dass das Trinken durch das „Grundrecht auf Handlungsfreiheit“ geschützt sei.

Bürgermeisterin Schäfer sieht die Situation jetzt ganz anders. Sie teilt zudem mit: „Unsere Landesgesetze geben diese Möglichkeit zum Erlass einer solchen Verfügung her.“ Auch die Rechtsabteilung des Kreises habe grünes Licht gegeben.

Von Susanne Peyronnet