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Ostholstein Das Bad Schwartauer Jäde-Stift: Vom Altenwohnsitz zur Kanzlei
Lokales Ostholstein Das Bad Schwartauer Jäde-Stift: Vom Altenwohnsitz zur Kanzlei
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07:00 09.06.2019
Volker Gloe hat das Haus gemeinsam mit seinem Kanzlei-Partner vor rund 20 Jahren erworben. Quelle: Maike Wegner
Bad Schwartau

Dutzende Zimmer mit Blick in den Kurpark. Jedes mit seiner eigenen Geschichte. Das ist das Jäde-Stift in Bad Schwartau. Immer wieder hat Rechtsanwalt Volker Gloe Mandanten, die ihm von ihrem ganz persönlichen Bezug zu dem altehrwürdigen Gebäude am Riesebusch erzählen. Menschen, die in genau dem Haus geboren oder behandelt wurden, in dem der Rechtsanwalt jetzt gemeinsam mit Kollegen seine Kanzlei hat. Denn das Mathias und Charlotte Jäde Stift, das in den vergangenen 100 Jahren als Krankenhaus und Wohnstift diente, hat eine bewegte Vergangenheit.

Das Jäde-Stift diente als Altenheim und Krankenhaus. Mittlerweile ist es eine Anwaltskanzlei.

Ein Gemüsegarten für die Bewohner

Sie beginnt im Jahr 1909 mit der Grundsteinlegung. Für 300 000 Mark wurde das Gebäude damals in weniger als einem Jahr errichtet. Bauherr war der Textilkaufmann Gustav Jäde. Mit dem Namen für das Stift wollte er seine Eltern Mathias und Charlotte ehren. Die Bewohner soll er selbst ausgewählt haben, meist wohlbetuchte Leute, mit einem guten Leumund und ohne große Familie. Sie lebten in 20 Zwei-Zimmer und sieben Einzimmer-Wohnungen.

„Den großen Garten nutzten die Bewohner, um Obst und Gemüse anzubauen“, erzählt Volker Gloe und deutet auf ein Bild, auf dem die Bewohner in schwarzen Anzügen und Kleidern bei der Gartenarbeit zu sehen sind. Heute gehört ein Teil der ehemaligen Nutzfläche zum Kurpark. Statt Kartoffeln und Tomaten sind im restlichen Garten Blumen und Sträucher gepflanzt.

Vom Altenstift zum Krankenhaus

Nur drei Jahre nach der Einweihung starb der Bauherr. In einem Raum, der heute für Beurkundungen der Kanzlei genutzt wird, erinnert ein Foto an die Trauerzeremonie. Mit einer schwarzen Kutsche wurde der Sarg zum Rensefelder Friedhof gebracht. Dahinter zogen Hunderte Trauernde her. „Ein Familiengrab erinnert noch heute an die Familie Jäde“, weiß Gloe. Zwischenzeitlich war das verputzte Backsteingebäude mit zwei Giebeln und einem mit roten Dachziegeln gedeckten Mansarddach ein Notkrankenhaus. Die britische Militärregierung widmete das Gebäude im Jahr 1939 um. Nur noch das zweite Obergeschoss konnte als Altenstift genutzt werden. Noch vieles erinnert an diese Zeit. Die kleinen Räume, die langen Flure, die vielen Türen.

Sanierung und ein Anbau

Erst 1960 konnten alle Räume wieder für das Wohnstift genutzt werden. Es folgten Sanierungsmaßnahmen und einige Jahre später ein Anbau. In diesem wohnt Volker Gloe mit seiner Frau heute. Dort, wo sein Wohn- und Esszimmer ist, waren früher sechs einzelne Räume. Die Holzbalken lassen erkennen, wo die Wände einst verliefen. „Da war nicht viel Platz, da gab’s nur ein Bett und eine Waschgelegenheit“, sagt Gloe. Vor den sechs Zimmern gab es zudem eine Toilette – der schmale Raum dient auch heute noch als Gäste-WC.

Neue Eigentümer für das Jädestift

Gekauft haben Volker Gloe und seine Frau das Jäde-Stift vor rund 20 Jahren gemeinsam mit Gloes Kanzleipartner Joachim Ludewig und dessen Ehefrau. In zwölf Einheiten ist das Jäde-Stift mittlerweile aufgeteilt, drei davon wurden als Eigentumswohnungen weiter verkauft. „Das Gebäude stand ein Jahr lang leer, nachdem das Altenheim unwirtschaftlich wurde, weil Brandschutzauflagen nicht erfüllt werden konnten“, sagt Volker Gloe rückblickend. „Zunächst hatte ich die Idee, dort mit sechs befreundeten Ehepaaren einzuziehen.“

Früher waren hier drei Zimmer für die Bewohner, heute dient der Bereich als Wohnzimmer. Quelle: Maike Wegner

Doch dann haben sich die beiden Ehepaare für eine Mischung entschieden. Unten ist die Anwaltskanzlei beheimatet. Ein weiterer Teil ist als Bürofläche vermietet, dazu kommen die Wohnungen. „Es steckt mein Herz in diesem Gebäude“, sagt Volker Gloe. „Es ist viel Idealismus. Aber man muss es auch bewerkstelligen können.“ Denn der Altbau muss ständig gepflegt werden. Aktuell wird der Keller trockengelegt. „Eine Vorsichtsmaßnahme, damit gar nicht erst Schlimmeres passiert“, sagt der Rechtsanwalt.

Maike Wegner

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