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Ostholstein Ameos-Prozess: Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen
Lokales Ostholstein Ameos-Prozess: Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen
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15:11 19.10.2018
Als Mord-Motiv nannte der Angeklagte seinen Hass auf Pädophile. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Neustadt/Lübeck

Im Prozess um einen versuchten Mord in der Neustädter Ameos-Klinik ist am Freitag die Öffentlichkeit bis auf Weiteres ausgeschlossen worden. Die I. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts gab einem entsprechenden Antrag der Verteidigung statt. Letztere hatte damit argumentiert, dass Ärzte und Sachverständige über „intime Details aus dem Leben des Angeklagten“ berichten würden, darunter auch dessen Erlebnisse mit sexuellem Missbrauch als Kind (die LN berichteten).

Dem Mann wird versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Er hat vor Gericht gestanden, dass er fünf seiner Mitpatienten töten wollte – seiner Aussage nach allesamt Kinderschänder. Im Juli 2017 soll er auf einen von ihnen losgegangen sein: Laut Staatsanwaltschaft stach der Angeklagte den 55-Jährigen in den Hals. Dem Verletzten gelang die Flucht; sein Angreifer wurde anschließend von Polizisten überwältigt.

Geständnis vor Gericht

Eine Polizistin bestätigte am zweiten Verhandlungstag vor Gericht, dass der 35-Jährige seine Tat schon bei der Vernehmung am Tag danach zugegeben habe. „Ich war es – ich wollte erst ihn umbringen und dann die anderen pädophilen Schweine“, habe der Angeklagte damals zu ihr gesagt. Sein Plan sei es gewesen, die Männer zu töten und sich dann selbst von der Polizei erschießen zu lassen. „Ich hätte der Menschheit einen Gefallen getan“, zitierte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann aus dem damaligen Vernehmungsprotokoll.

Obwohl der Angeklagte gesagt habe, sein Versuch sei „leider“ fehlgeschlagen, habe sie den Eindruck gehabt, dass er „erleichtert war, dass es vorbei war“, erinnerte sich die Polizeibeamtin. Zum Prozessauftakt hatte der 35-Jährige erklärt, er sei froh, dass sein Opfer nicht gestorben sei. „Wenn ich heute darüber nachdenke, frage ich mich, wie krank ich gewesen bin“, hatte er gesagt.

Angeklagter nahm regelmäßig Drogen

Nach Angaben der Polizistin wirkte der psychisch kranke Mann nach seiner Tat zwar erschöpft, antwortete jedoch „kurz und klar“ auf Fragen. Innerhalb von nur zehn Minuten habe er ihr das Geschehen aus seiner Sicht geschildert und anschließend verkündet, mehr werde er nicht sagen. Dennoch habe sie „schon den Eindruck gehabt, dass er gestört ist“, so die Zeugin – auf Nachfrage eines Sachverständigen gab sie jedoch zu, dass sie diesen Schluss eher aus dem vorangegangenen Geschehen als aus dem eigentlichen Gespräch gezogen habe.

Seit August 2007 ist der Angeklagte in der Forensik des Neustädter Ameos-Klinikums untergebracht. Im Vorfeld soll er regelmäßig Drogen konsumiert und schließlich seine eigene Schwester als Geisel genommen haben. Auch in der Klinik habe er weiterhin Rauschmittel genommen, berichtete der Angeklagte vor Gericht. Bei der Tat direkt seien jedoch keine Drogen im Spiel gewesen, sagte der 35-Jährige am Freitag, zuletzt habe er einige Monate vorher „Spice“ konsumiert – einen Mix aus synthetischen Stoffen und Pflanzenteilen.

Plädoyers auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit?

Im nicht-öffentlichen Teil der Verhandlung sollten Ärzte und ein psychologischer Gutachter gehört werden. Laut Verteidigung sollten dabei Details aus dem Privatleben und zur Persönlichkeit des Angeklagten zur Sprache kommen, darunter dessen Gesundheitszustand und der sexuelle Missbrauch, den er als Kind erlitten habe. Weil diese Themen voraussichtlich auch in den Plädoyers der einzelnen Parteien eine Rolle spielen werden, hat die Verteidigung bereits angekündigt, für diese erneut den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragen zu wollen.

Der Prozess wird fortgesetzt am Mittwoch, 24. Oktober. Das Urteil wird für den 1. November erwartet.

RND/Jennifer Binder

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