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Ostholstein Amtsgericht Eutin verurteilt Musikfest-Schläger
Lokales Ostholstein Amtsgericht Eutin verurteilt Musikfest-Schläger
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20:11 30.01.2020
Wegen seiner Ausraster beim Musikfest in Malente musste sich ein 34-Jähriger vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten. Quelle: Montage: Boerger/LN, Fotos: Latzel, Schneider, dpa
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Malente/Eutin

Bunt und fröhlich ist das Internationale Musikfest in Malente. Doch ein 65-jähriger Rentner aus Westfalen hat es in düsterer Erinnerung: Im Zuge einer Schlägerei während der Feier erlitt er als Unbeteiligter schwere Verletzungen. Ein 34-jähriger Malenter wurde deshalb und wegen des Angriffs auf zwei weitere Männer vom Eutiner Amtsgericht zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Zum Zeitpunkt der Tat erst seit zehn Tagen wieder auf freiem Fuß

„Sie kommen aus dem Gefängnis, gehen wenig später los und begehen die nächste Straftat.“ So fasste Richterin Anke Erlenstädt die Geschehnisse im Mai 2019 für Marcel F. (Name geändert) zusammen. Tatsächlich ist der 34-Jährige zu jener Zeit seit gerade einmal zehn Tage auf freiem Fuß, nachdem er eine Haftstrafe wegen Drogenhandels abgesessen hatte, als er mit einem Freund das Internationale Musikfest im Malenter Kurpark besucht. Dabei treffen sich Spielmannszüge und Orchester aus dem In- und Ausland für ein musikalisches Wochenende mit Konzerten, Märschen und Kurpark-Party.

Marcel F. lässt sich jedoch von der heiteren Stimmung nicht anstecken, sondern ist nach Angaben mehrerer Zeugen ausgesprochen aggressiv – und angetrunken. Bier und Whisky-Cola hat er mit einem Kumpel zu sich genommen, daran erinnert sich der arbeitslose Handwerker vor Gericht. „Aber sehr viel mehr weiß ich nicht von diesem Abend“, sagt er. „Normalerweise trinke ich keinen Alkohol.“

Rentner wird geschubst, fällt und bricht sich die Hüfte

Am Ausgang des Kurparks streiten sich gegen 22 Uhr einige junge Leute, ein Glas zersplittert auf der Erde. In der Nähe steht Reinhard S. (Name geändert). Der 65-jährige Rentner aus Westfalen ist tagsüber mit einer Wandergruppe in der Holsteinischen Schweiz unterwegs gewesen und will den Tag bei einem Getränk ausklingen lassen. „Plötzlich spürte ich eine Hand im Rücken, und dann lag ich schon auf dem Boden“, berichtet er sichtlich bewegt vor Gericht. Marcel F. hat den älteren Mann geschubst, vermutlich, weil er ihn für den Glaswerfer hielt.

Reinhard S. fällt auf die rechte Körperseite. Er hat Schmerzen, glaubt aber drei Tage lang an eine Prellung oder Zerrung. Doch dann stellt sich heraus: Die Hüfte ist gebrochen. Reinhard S. wird operiert, kämpft dabei mit starkem Blutverlust, bekommt ein Titan-Gelenk als Ersatz. Drei Wochen liegt er im Krankenhaus, vier Wochen in einer Reha-Einrichtung schließen sich an. Bis heute braucht er Krankengymnastik.

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„Unseren Urlaub haben wir abgesagt, unsere neue Küche konnte ich nicht einbauen“, schildert er die Folgen des Angriffs. Bislang habe er sein Enkelkind mitbetreut, das ginge jetzt nicht mehr. Auch psychisch mache ihm der Vorfall zu schaffen. „Warum musste das ausgerechnet mir passieren, so etwas Schreckliches, nach so einer schönen Wanderung?“, fragt er.

Angeklagter verteilte Kopfnüsse und schlug mit Getränkedose zu

Das kann ihm Marcel F. nicht erklären. Nach dem Schubser gerät er noch mit zwei jüngeren Männern – 30 und 37 Jahre alt – aneinander, die ihn des Kurparks verweisen wollen. Beiden verpasst er Kopfnüsse, einem schlägt er außerdem eine Getränkedose auf den Kopf. Dann trifft die Polizei ein. Ein Atemalkoholtest ergibt bei Marcel F. einen Wert von 1,72 Promille. Keinem Zeugen ist er aber zuvor als volltrunken aufgefallen.

Vor Gericht entschuldigt er sich ausdrücklich bei jedem Opfer. „Es tut mir sehr leid, und ich schäme mich sehr“, betont er. Dem schenkt das Gericht Glauben. Richterin Anke Erlenstädt verweist jedoch auf die erheblichen Verletzungsfolgen bei Reinhard S. und auf die „hohe Rückfallgeschwindigkeit“ des Angeklagten. Wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung wird Marcel F. zu sieben Monaten Haft, für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Außerdem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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Von Sabine Latzel

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