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Ostholstein Anders wohnen im ehemaligen Hotel
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07:00 29.07.2019
Ein Plausch im Garten: Gunnar Mowka, Barbara Braasch, Sven Borgert und Katja Helmbrecht (v. l.) freuen sich auf das Wohnen in Gemeinschaft. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Die einen sind schon eingezogen, andere schleifen und lackieren noch ihre Fußböden oder schrauben Küchen zusammen, wieder andere wuchten Kartons ins Haus. Eine helfende Hand ist jederzeit zur Stelle. In der Albert-Mahlstedt-Straße 6-8 in Eutin herrscht Trubel. Die beiden miteinander verbundenen Altstadthäuser – bis Ende 2018 residierte an dieser Stelle „Das kleine Hotel“ – sind jetzt ein Mietshaus. Auf circa 830 Quadratmetern Wohnfläche wollen bald 18 Menschen zusammenleben. Aber die Singles, Paare und Kleinfamilien können auch ganz für sich sein, in ihrem eigenen kleinen Wohnbereich. Eigentümer des Gebäudes ist eine Haus GmbH. Daran sind die Mieter über ihren Hausverein beteiligt. Der andere Gesellschafter ist das bundesweit tätige Mietshäuser Syndikat.

Der Verkauf des „kleinen Hotels“ war die Chance

Initiatoren des Wohnprojektes sind der Eutiner Architekt Christian Bielke (59) und seine Frau Barbara Braasch (63) sowie Katja Helmbrecht (56) und ihr Partner Sven Borgert (50). „Wir haben schon in einer WG in einer Villa in Malente und in einem Wohnprojekt mit fünf Parteien in eigenen Häusern in der Vahldiekstraße gelebt. Andere Wohn- und Lebensformen sind spannend – und risikofreudig waren wir schon immer“, sagt Barbara Braasch. Sie habe gern Leute um sich herum. Für Katja Helmbrecht war das ehemalige Hotel – umfänglich renoviert und jedes Zimmer bereits ausgestattet mit eigenem Bad – „die Chance, das jetzt zu machen“.

Im ehemaligen „Kleinen Hotel“ ist jetzt ein Wohn- und Sozialprojekt zuhause.

Die vier Eutiner kennen sich über die Fairtrade-Initiative, die früher einmal im Monat im „Kleinen Hotel“ zusammengekommen ist. Das Paar Bielke/Braasch hat sein Haus vor fünf Jahren verkauft und ist „als Übergangslösung in eine Mietwohnung gezogen. Aber wir haben schon damals nach einem entsprechenden Objekt für ein Wohnprojekt Ausschau gehalten“, sagt Barbara Braasch. Nichts passte so recht von der Lage oder der Größe her. „Dann erfuhren wir, dass die Hoteleigentümer verkaufen wollten. Bei Christian Bielke sah man förmlich die Ohren wachsen“, sagt Katja Helmbrecht schmunzelnd. „Das Haus ist zu uns gekommen“, sagt sie, und Barbara Braasch nickt zustimmend.

Beratung vom Lübecker Wohnprojekt

Die vier haben sich in Lübeck in einem Wohnprojekt, das ebenfalls dem Mietshaus Syndikat angehört, informiert. „Alteingesessene Projekte machen immer ehrenamtliche Beratung für neue“, erklärt Katja Helmbrecht. Die Lübecker seien skeptisch gewesen, ob sich in Eutin genügend Mitbewohner finden lassen würden. „Wir haben uns das ja auch zwischendurch gefragt“, sagt Barbara Braasch. Aber das Interesse war da, auch bei Auswärtigen, die übers Internet auf das neue Wohnvorhaben in Eutin gestoßen waren. „Wir haben jetzt sogar schon eine Warteliste“, sagt Sven Borgert stolz.

Veranstaltungen wie Wohnzimmerkonzerte und Vorträge

Anja Beck (52) ist eine der Auswärtigen. Die Zweiradmechanikermeisterin ist aus Cuxhaven nach Eutin gezogen: „Ich wollte an die Ostsee und mit Menschen zusammenleben. Das ist eine spannende Herausforderung und hält beweglich“, findet sie. Ihr erschien Eutins Lage attraktiv. „Und es hat mich angesprochen, dass das Haus auch einen öffentlichen Charakter haben soll. Mich interessieren dabei vor allem die kulturellen Veranstaltungen“, erzählt sie. Geplant sind ab Herbst in unregelmäßigen Abständen „Wohnzimmerkonzerte“ und Vorträge im Gemeinschaftsraum.

Bewerber müssen glaubhaftes Interesse am Projekt zeigen

Nach einer „Veränderung der Lebensumstände“ wollte Gunnar Mowka (58) raus aus Bremen, „aber nicht ganz so weit weg“. Die Landschaft um Eutin habe ihm zugesagt, sagt er. Nach einer Internetrecherche über Wohnprojekte – das WG-Leben kennt er bereits – habe er sich per E-Mail kurz bei Barbara Braasch vorgestellt, sei dann zu einem Gespräch mit allen anderen Hausbewohnern angereist. Entschieden wird gemeinsam, ob jemand zur bestehenden Gruppe passt. Für Barbara Braasch ist dabei wichtig: „Derjenige muss vorrangig an dem Projekt interessiert und nicht vorrangig auf Wohnraumsuche sein.“ Und Aspiranten müssten kompromissbereit sein. „Die perfekte Wohnung gibt es hier nicht.“

Zwei Gesellschafter wachen über das Haus

Eigentümerdes Mietshauses in der Albert-Mahlstedt-Straße 6-8 ist die „Analog 6.8 GmbH“. Sie besteht aus zwei Gesellschaftern: dem Hausverein und dem Mietshäuser Syndikat. Es ist seit rund 20 Jahren bundesweit auf dem Immobilienmarkt aktiv und beteiligt sich an vielen Wohnprojekten: sowohl an Häusern mit Einzel-Wohnungen und Haus-WGs, an Kleinstprojekten mit sechs und Mietshäusern mit mehr als 280 Menschen.

 Ziel des Syndikats ist es, Gemeineigentum an Haus und Grund zu schaffen und auch Menschen mit wenig Geld zu bezahlbarem Wohnraum zu verhelfen.

Die Mieter in der Albert-Mahlstedt-Straße bezahlen pro Quadratmeter Wohnfläche 8,50 Euro kalt. Mit ihren Mieten wird ein Großteil eines Bankdarlehens für den Kauf des ehemaligen Hotels finanziert.

Über Direktkredite/Privatdarlehen werden Eigenkapitalanteile aufgebracht. Geldgeber, die das Wohnprojekt fördern oder ihr Geld ortsnah investieren wollen, können mit der „Analog 6.8 GmbH“ einen Kreditvertrag ab 500 Euro aufwärts mit einer Verzinsung zwischen 0,0 bis 1,5 Prozent abschließen.

Kontakt über www.analog-68.de.

Sven Borgert schätzt an seinem neuen Zuhause die WG-Atmosphäre und den dennoch autarken Wohnbereich samt Küche und Bad. „Wir haben hier die ganze Bandbreite, Ein- bis Dreizimmerwohnung und ein kleines Haus, dazu Gemeinschaftsräume, Gemeinschaftsküche, Wintergarten.“ Zwei Zimmer, Küche, Bad wird in Kürze auch der Eutiner Jens Rose-Zeuner (52) beziehen. Ihn begeistert die „fantastische Lage des Hauses, zentral und verhältnismäßig ruhig“. Das Konzept mit eigenem abgeschlossenem Wohnbereich sei ihm wichtig gewesen, sagt er. WG-Erfahrung bringt auch er aus seiner Studentenzeit mit.

„Wir sind konfessionsübergreifend“

Wenn alle eingezogen sind, wird die Gruppe aus 17 Personen bestehen, eine Ein-Zimmerwohnung wird noch vergeben. Dann werden in der Albert-Mahlstedt-Straße Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer im Alter zwischen drei und 63 Jahren leben. Das Berufsspektrum ist breit: Architekt, Fahrrradmechanikerin, Physiotherapeut, Steuerfachangestellte, Schulbegleiterin, IT-Fachmann, Schlosser, Garten- und Landschaftsplanerin, Azubi zum Bankkaufmann. Ihre Interessen und Kompetenzen sind vielfältig, die meisten sind in Initiativen aktiv. Toleranz, Offenheit, Respekt und Solidarität werden der Kitt ihrer Gemeinschaft sein. „Und wir sind konfessionsübergreifend“, betont Barbara Braasch.

Noch lernen sich die Bewohner kennen, die Stimmung ist von Neugier und Heiterkeit in Haus und Garten geprägt. Der letzte Umzug soll Mitte August über die Bühne gehen. Es wird auch Konflikte geben, das ist allen klar. Die sollen dann sachlich und gemeinschaftlich aus der Welt geschafft werden. Um den Klassiker „du bis dran mit Putzen, einkaufen etc“ zu vermeiden, wird auf die noch freiwillige „To do“-Liste ein Aufgabenplan folgen. Darum komme man nicht herum, glauben die WG-Erfahrenen.

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