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Ostholstein „Angesehen“ im Schloss Eutin: Wie sich der Adel inszenierte
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„Angesehen“ im Schloss Eutin: Wie sich der Adel mit Porträts inszenierte

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08:00 24.09.2020
An Porträts herrscht im Schloss Eutin kein Mangel. Schloss-Führerin Anja Steinhaus hebt bei der Führung „Angesehen“ einige hervor, um die Geschichten dahinter zu erzählen.
An Porträts herrscht im Schloss Eutin kein Mangel. Schloss-Führerin Anja Steinhaus hebt bei der Führung „Angesehen“ einige hervor, um die Geschichten dahinter zu erzählen. Quelle: Sabine Latzel
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Eutin

Porträts sind nicht einfach nur Bilder von Personen. Sie erzählen vielmehr lange, spannende Geschichten – und diese erfahren die Teilnehmer an den neuen Führungen im Eutiner Schloss. Unter dem Titel „Angesehen“ erläutert Schloss-Führerin Anja Steinhaus, was hinter elf Porträts aus dem 16. bis 18. Jahrhundert steckt und ob die Menschen auf den Gemälden tatsächlich wegen ihrer schlechten Zähne nicht gelächelt haben.

Erstarrte Familie vor lauschiger Garten-Kulisse

Er muss übler Laune gewesen sein, der Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1597–1659), und seine Familie ebenso an diesem offenbar sonnigen Tag. Mit steinernen Gesichtern stehen Herzog, Gattin, sechs der 16 Kinder sowie einige Bedienstete vor lauschiger Garten-Kulisse nebst Schloss Gottorf im Hintergrund. Wie erstarrt wirken sie auf dem Bild von Julius Strachen, Öl auf Leinwand, 1,60 mal zwei Meter, gemalt um 1637. „Das war so gewünscht“, erklärt Anja Steinhaus. „Ernste Gesichter galten als bedeutender, und deswegen haben die porträtierten Menschen nicht gelächelt.“

Um 1637 entstand dieses Porträt von Herzog Friedrich III. und seiner Familie im Garten von Schloss Gottorf. Quelle: Sabine Latzel

Überhaupt habe es gerade im Barock gegolten, Bedeutung und Macht im Porträt darzustellen. „Wir sehen die Männer häufig im Harnisch oder mit Herrscher-Insignien, die Hand in die Hüfte gestützt als Geste der Dominanz“, sagt die Porträt-Expertin. Die Gemäldesammlung des Schlosses bietet eine Fülle von Möglichkeiten, derlei Merkmale zu entdecken, denn Porträts machen den größten Teil der Sammlung aus. Da sei es naheliegend, ihnen eine eigene Führung zu widmen, berichtet Brigitta Herrmann, Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Eutin.

Ästhetische Konstrukte vor aufwendigen Theater-Kulissen

„Bilder sagen mehr als Texte“, findet Anja Steinhaus. Sie erklärt, welch großer Aufwand für das Malen eines Porträts im Atelier betrieben wurde. „Denn die Abbildungen von Königen, Herzögen oder Fürsten sind selbstverständlich ästhetische Konstrukte und keine Momentaufnahmen.“ Helfer des jeweiligen Hofmalers beispielsweise errichteten regelrechte Theater-Kulissen, vor denen sich die Adligen in wichtige Posen warfen – und so sind auch der „Alte Garten“ und Schloss Gottorf auf dem Bild vom Herzog und seiner Familie eben nur Kulisse.

Auch für Sonderausstellungen sind Porträts aus dem Eutiner Schloss bereits zusammengestellt worden. Auf dieser Aufnahme von 2014 präsentiert Herzogin Caroline von Oldenburg die Porträts von Elisabeth Alixiewna, Prinzessin von Baden (1779-1826), und Zar Peter III. (1728-1762). Quelle: S. Peyronnet/LN-Archiv

Aus heutiger Sicht mögen viele der Porträtierten trotz der sorgfältigen Inszenierung wenig attraktiv wirken. Das aber empfanden diese vor Jahrhunderten offenbar anders. „Alle Porträts sind Auftragsarbeiten und genau nach den Vorstellungen der Auftraggeber angefertigt“, stellt Anja Steinhaus klar. Mit einem solchen Bild, gedacht für die ewige Erinnerung, habe ein Herrscher etwas für sein Ansehen getan, und auch daher rühre der Titel der Führung, „Angesehen“.

Festival der Führungen: Die Termine

Sonnabend, 3. Oktober/Sonntag, 4. Oktober: „Angesehen“, kunsthistorische Betrachtung von Porträts. Jeweils um 11, 13 und 15 Uhr.

Freitag, 9. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober: „Herbst in Schloss- und Küchengarten“, jeweils um 11, 13 und 15 Uhr.

Sonnabend, 17. Oktober/Sonntag, 18. Oktober: „Kinder entdecken das Schloss“, Familienführung und Schlossrallye, jeweils um 11, 12.30 und 14.30 Uhr.

Sonnabend, 24. Oktober/Sonntag, 25. Oktober: „Höhepunkte kurzgefasst“, freier Rundgang durch die Beletage mit Anekdoten, jeweils von 13 bis 15.30 Uhr.

Sonnabend, 31. Oktober/Sonntag, 1. November: „Schloss im Dunkeln“, Morbides und Kurioses aus dem Hause, jeweils um 18.30 und 20 Uhr.

Reguläre Führungen im Oktober: „Ein Rundgang durch die Beletage“ (dienstags bis sonntags um 11, 13 und 15 Uhr), „Mörderische Geschichten“ (dienstags um 16 Uhr), „Angesehen“ (donnerstags um 16 Uhr), „Herzogliche Gartenfreuden“ (freitags um 15 Uhr), „Samt und Seide“ (mittwochs um 16 Uhr) sowie Familienführung (mittwochs und freitags um 14 Uhr).

An jeder Führung dürfen bis zu sechs Personen teilnehmen, bei den Garten-Führungen mehr. Anmeldungen sind erforderlich, und zwar unter Telefon 045 21/70 950 oder per E-Mail an info@schloss-eutin.de. Die Führungen kosten vier Euro zusätzlich zum regulären Eintritt. Dieser beträgt für Erwachsene zehn Euro und für Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren zwei Euro. Kinder bis sechs Jahre zahlen nichts.

„Seit wir wieder geöffnet haben, werden sämtliche Führungen besonders stark nachgefragt“, berichtet Brigitta Herrmann. An einer Führung im Schloss können jedoch nur bis zu sechs Personen teilnehmen, lediglich bei den Gartenführungen sind es mehr. Auch aus diesem Grund haben die Organisatoren von der Schloss-Stiftung das diesjährige „Festival der Führungen“ entzerrt: Es findet nicht an einem Wochenende, sondern über alle Oktober-Wochenenden hin statt (siehe Info-Box). „Angesehen“ macht dabei den Anfang – für alle, die sich ansehen wollen, wie angesehene Menschen noch mehr für ihr Ansehen getan haben.

Von Sabine Latzel