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Ostholstein Anwohner schalten bald selbst die Straßenlaterne an – per Handy-App
Lokales Ostholstein Anwohner schalten bald selbst die Straßenlaterne an – per Handy-App
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14:27 10.10.2019
Die Glasauer können per App die Laternen anschalten. „Wir starten damit im November“, sagt Bürgermeister Henning Frahm (CDU). Quelle: Saskia Bücker
Glasau

Es ist ein Pilotprojekt in der Region. Die rund 900 Einwohner von Glasau können von November dieses Jahres an per Handy-App eigenständig ihre 85 Straßenlaternen anschalten. „Dadurch spart die Gemeinde Energie“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Horstmann (CDU). „Außerdem erhöht sich das Sicherheitsgefühl der Anwohner.“

Bislang ist die Beleuchtung in der gesamten Gemeinde bis 23 Uhr automatisiert in Betrieb. Danach sind alle Straßen stockdunkel. Blöd für diejenigen, die zu späterer Stunde nach einer Feier noch zu Fuß nach Hause gehen wollen. Mit der App „Knoop“ (plattdeutsch für Knopf) können Anwohner in Zukunft nach Bedarf die ganze Nacht über das Licht anknipsen.

Glasau kurzfristig mit Licht versorgen

15 Minuten lang sind einzelne Dorfgebiete dann erleuchtet – und schalten sich danach automatisch wieder aus. Dank dreier Schaltkreise gehen nur die Laternen an, die sich im jeweiligen Gebiet der Person befinden, die die Laternen nutzen will. Schon vor Jahren hatte die Gemeinde auf LED-Lichter umgestellt.

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Ähnlich einfach wie die Handhabe für Bürger sei auch die Installation der „Knoop“-Technik für die Gemeinde, sagt Simon Hansen aus Flensburg, der die Software entwickelt hat. „Es muss nur ein Steuergerät am Schaltpunkt installiert werden“, erklärt der 28-Jährige. Dann könne es losgehen. Die Anwohner müssten die App nur noch auf dem Handy installieren.

Einzige Voraussetzung: Die Bürger brauchen ein Smartphone. „Es gab im Vorwege eine Diskussion darüber“, sagt Horstmann. „Aber inzwischen haben auch die meisten Menschen älterer Generationen ein Smartphone.“ Er sei überzeugt, dass die Masse das Angebot annehme. Das Projekt habe zudem Strahlkraft. Er wisse, dass Kommunen im Umland ebenfalls im Gespräch mit den „Knoop“-Machern sind.

App „Knoop“ richtet sich an kleine Ortschaften

„Wir führen in ganz Schleswig-Holstein Gespräche mit vielen Gemeinden, ob die App etwas für sie wäre“, berichtet Hansen. Das nordfriesische Löwenstedt war der erste Ort, an dem die Technik eingeführt wurde. Fünf weitere Gemeinden im Bundesland würden noch in diesem Jahr an „Knoop“ angeschlossen, weitere sollen folgen.

 „Unsere Zielgruppe sind vor allem kleinere Gemeinden mit rund 1000 Einwohnern, die schon auf LED-Beleuchtung umgerüstet haben“, sagt der Geschäftsführer und nennt einen weiteren Vorteil für Gemeinden, die bislang die ganze Nacht über die Birnen brennen lassen: Durch das Anknipsen der Lichter nach Bedarf könne auch die Lichtverschmutzung eingedämmt werden. Es sei erwiesen, dass künstliches Licht Auswirkungen auf die Tierwelt und den Menschen habe. Müdigkeitsgefühle setzten beispielsweise erst verspätet ein.

Der Flensburger Simon Hansen hat die App „Knoop“ entwickelt. Der 28-Jährige ist bereits mit vielen Gemeinden in Schleswig-Holstein im Gespräch. Quelle: HFR

Ein Modell für andere Orte in Ostholstein?

Will eine Gemeinde in Schleswig-Holstein die App einführen, kann eine Landesförderung zur Finanzierung beantragt werden. Von der profitiert auch Glasau. „Die Gemeinde hat eine Förderzusage von 4200 Euro von der Gesellschaft für Energie- und Klimaschutz Schleswig-Holstein erhalten“, sagt Horstmann erfreut.

Andere Gemeinden in Ostholstein sind weniger überzeugt von der App „Knoop“. „Das Glasauer Vorgehen ist zurzeit bei uns kein Thema“, sagt etwa Claudia Mohns von der Stadt Eutin. „Grundsätzlich ist das eine gute Idee“, sagt Thomas Bauer (Wählergemeinschaft), Bürgermeister von Göhl. Allerdings sei die praktische Umgestaltung problematisch. „Wir haben 13 Ortschaften mit mehreren Schaltpunkten“, sagt Bauer. An jedem müsste man dann die neue Technik installieren – ein Kostenfaktor.

Kosten sparen durch LED-Lampen

Göhl lasse bereits bei größeren Dorfveranstaltungen wie Oktoberfest oder Feuerwerk das Licht länger als bis Mitternacht brennen. „Wir können die Zeitschaltuhr dann problemlos umstellen.“ Ansonsten habe noch nie jemand geäußert, die Straßenbeleuchtung mitten in der Nacht zu vermissen. „Dann ist ja nur der Zeitungskurier unterwegs“, sagt Bauer. „Der hat eine Taschenlampe dabei.“ Für eine deutliche Energie-Einsparung tausche die Gemeinde derzeit veraltete Leuchtstoffröhren gegen moderne Energiespar-Lampen. „Für eine Umstellung auf LED fehlen leider die finanziellen Mittel.“

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Fehmarn rüstet derzeit auf LED um und hat laut der Stadtverwaltung bereits 1000 Laternen umgestellt. Auch das Steuern der Laternen über die Handy-App sei dort bereits einmal Thema gewesen, berichtet Günther Schröder, Fachbereichsleiter der städtischen Verwaltung. „Wir haben aber Abstand von der Idee genommen.“ Aufgrund der Größe der Gemeinde mit 13 000 Einwohnern sei das Vorhaben nicht umsetzbar. „Bei den ganzen Verzweigungen müssten wir mehrere Beleuchtungskonzepte erstellen“, sagt Schröder. So etwas funktioniere nur da, wo es wenige Straßen gibt.

Von Saskia Bücker

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