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Ostholstein Appell des Amtsvorstehers: „Hass und Gewalt nicht zulassen“
Lokales Ostholstein Appell des Amtsvorstehers: „Hass und Gewalt nicht zulassen“
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12:58 18.01.2015
Im Bildungsspaßgebäude auf dem Bungsberg drängten sich die Gäste des Neujahrsempfangs. Viele waren gekommen, um sich das erneuerte Gelände ausführlich anzuschauen. Aufgrund des langgezogenen Saals waren die Redner leider nicht immer gut zu verstehen.
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Schönwalde

Am 17. Tag des neuen Jahres fand gestern der Neujahrsempfang des Amtes Ostholstein-Mitte statt. Der gastgebende Bürgermeister Hans-Alfred Plötner (CDU) hatte seine Bürger und die der vier anderen amtsangehörigen Gemeinden auf Schleswig-Holsteins höchsten Berg geladen — den Bungsberg. Dort steht seit einigen Monaten das von der Sparkassen-Stiftung errichtete Bildungsspaßgebäude. Dieser Neubau dürfte ein Faktor gewesen sein, warum etwa 150 Menschen aus Schönwalde, Kasseedorf, Altenkrempe, Schashagen und Sierksdorf zusammenkamen. Viele sahen die Räumlichkeiten zum ersten Mal.

Doch nicht das Gelände, sondern die Unterbringung von Flüchtlingen stand im Fokus. Amtsvorsteher Peter Zink, der zugleich Bürgermeister von Altenkrempe ist, appellierte an die Anwesenden, sich einzubringen. „Überlegen Sie sich bitte, ob Sie notleidenden Menschen persönlich helfen. Wir gewinnen größtenteils gut ausgebildete Menschen und dürfen nicht zulassen, dass ein Nährboden für Hass und Gewalt gegenüber anderen entsteht.“ Mit dieser Aufforderung war er nicht allein. Auch Plötner äußerte sich. „Mein Wunsch ist es, dass wir alle Asylbewerber gut aufnehmen.“ Und Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Sparkassen-Stiftung Ostholstein betonte, dass „wir zur Verfügung stehen“. So könnte auch ein Doppeldeckerbus, der gerade angeschafft wird, um Schüler zu außerschulischen Lernorten zu bringen, zum Einsatz kommen.

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Zink ging in seiner Neujahrsansprache jedoch nicht nur auf die in diesem Jahr geplante Aufnahme von 25 Migranten ein, sondern auch auf andere Themen, wie den Ausbau der Breitbandversorgung. „Wir müssen zwingend einen Schritt weiterkommen“, betonte er. Am Dienstag, so erzählte es Zink, wird die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) einen Businessplan und weitere Details zum Ausbau vorstellen. Für Peter Zink steht fest, dass sich seine Gemeinde an dem bis zur 260 Millionen Euro teuren Vorhaben im Kreis beteiligen wird. Ohne schnelles Internet würden keine jungen Familien in den ländlichen Bereich ziehen. Und auch die Ansiedlung von Gewerbetreibenden falle weg.

Während das Internet nicht nur gewollt, sondern geradezu gefordert wird, möchte Zink gemeinsam mit vielen Bürgern die feste Fehmarnbelt-Querung verhindern. Insbesondere die geplante Schienenhinterlandanbindung und die möglichen Beeinträchtigungen durch den Lärm von Güterzügen sorgen für Widerstand. Neueste Planungen sähen vor, dass unweit von Rogerfelde (Gemeinde Sierksdorf) ein Überholgleis entsteht. „Dadurch werden die Einwohner extrem belastet“, so Zink. Weiter hob er hervor, dass „wir alle gefordert sind, uns einzubringen“. Bezogen auf die LN-Berichterstattung in dieser Woche sagte er, dass es eine Horrorvorstellung sei, wenn der Tunnel nach Dänemark fertig ist, bevor es eine Hinterlandanbindung gibt. „Dann könnten die Güterzüge ohne Lärmschutz über die Bestandstrasse rollen“, erklärte der Amtsvorsteher. Dies gelte es unbedingt zu verhindern. Zu diesem Thema dürfte es spätestens beim Neujahrsempfang 2016 erneut Redebedarf geben.

Sebastian Rosenkötter