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Ostholstein Impfen mit Astrazeneca in Ostholstein: 240 Termine fallen täglich aus
Lokales Ostholstein

Astrazeneca in Ostholstein: Hunderte Impftermine fallen aus

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15:52 16.03.2021
Das Impfzentrum in Bad Schwartau ist im alten Amtsgericht am Markt untergebracht.
Das Impfzentrum in Bad Schwartau ist im alten Amtsgericht am Markt untergebracht. Quelle: Sebastian Prey
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Bad Schwartau/Eutin

Der Aufsteller am Zugang zum Impfzentrum findet wenig Beachtung. „Das Land Schleswig-Holstein wird die Impfungen mit Astrazeneca-Impfstoff bis auf Weiteres aussetzen“, steht auf einem Flyer. Gleich daneben prangt der Hinweis: „Hier keine Terminvergabe – nur unter www.impfen-sh.de“. Doch die Informationen reichen vielen nicht. Immer wieder wird an der verschlossenen Tür zum Impfzentrum geklopft. „Der Informationsbedarf ist groß“, sagt Esther Timm, die das Impfzentrum in Bad Schwartau im Auftrag des Kreises Ostholstein koordiniert.

Astrazeneca: Das Land informiert

Eigentlich soll in Lensahn, Eutin und Bad Schwartau Astrazeneca verimpft werden. Laut Kreissprecherin Carina Leonhardt sind derzeit 240 Termine pro Tag möglich. Sie alle fallen aus und das, so informiert das Land, bis einschließlich Freitag, 19. März (Stand 16. März).

Die Corona-Zahlen vom 16. März

Lediglich eine Corona-Neuinfektion in den vergangenen 24 Stunden meldete der Kreis Ostholstein am Dienstag, 16. März. Damit haben sich seit Ausbruch der Pandemie nachweislich 2310 Personen mit dem Virus infiziert. 134 Menschen gelten als aktuell positiv, zehn werden klinisch versorgt.

In Quarantäne befinden sich momentan 488 Ostholsteiner.

Der Inzidenz-Wert liegt laut Robert-Koch-Institut bei 33,9 (zuvor 34,9). Die Zahl sagt aus, wie viele Menschen sich in den vergangenen sieben Tagen – bezogen auf 100 000 angesteckt haben.

Fälle an vier Schulen: Laut Kreissprecherin Carina Leonhardt gibt es aktuell an vier Schulen Corona-Fälle. „Einzelne Schüler sind positiv getestet worden. In allen Fällen erfolgte der Eintrag von außen“, betonte sie.

Biontech wird weiter verabreicht

Die Crew der Johanniter sollte eigentlich am Dienstag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr reihenweise Menschen mit Astrazeneca impfen. Doch in dem zum Impfzentrum umfunktionierten Amtsgerichtsgebäude herrscht gähnende Leere. Alle Termine sind abgesagt und die Verunsicherung ist groß.

Auch Hanna Fieseler haben die Nachrichten aufgeschreckt. „Ich habe am 20. März einen Impftermin. Nun will ich hören, ob der stattfindet oder nicht“, sagt die 83-Jährige aus Pohnsdorf. Mit einer gewissen Erleichterung kann sie wieder ihren Heimweg antreten. Der vereinbarte Termin bleibt bestehen, denn für Hanna Fieseler ist eine Impfung mit dem Stoff Biontech vorgesehen. „Klar bin ich darüber froh, aber so ganz geheuer ist mir das alles nicht“, sagt die Seniorin. Und das hat nicht nur etwas mit der Diskussion, um den Impfstoff Astrazeneca zu tun. Fieseler: „Mir ging das alles etwas zu schnell – plötzlich waren Impfstoffe da.“

Keine Terminvergabe am Impfzentrum

Wilfried Ottmann kann es hingegen nicht schnell genug gehen. Der 67-Jährige will von Esther Timm wissen, wie er schnell an einen Impftermin kommt. „Da kann ich nicht helfen. Die Terminvergabe erfolgt zentral“, sagt die Koordinatorin des Impfzentrums und verweist auf die Hotline und die entsprechende Internetseite. Der Bad Schwartauer Ottmann will sich nun zügig, um einen Termin bemühen. „Die Astrazeneca-Diskussion verunsichert mich schon“, gibt er zu und hofft, dass die Bedenken an dem Impfstoff schnell aus dem Weg geräumt werden. „Vorher würde ich mich damit auch nicht unbedingt impfen lassen wollen“, sagt er.

Kein Schutz für Wartende vor Wind und Wetter

Unabhängig von der Astrazeneca-Prüfungen ist das Impfteam der Johanniter am Nachmittag wieder voll gefordert. 152 Impf-Termine mit dem RNA-Impfstoff Biontech sind angemeldet. „Alle 15 Minuten haben wir acht Impfungen“, berichtet Esther Timm. Organisatorisch sei das gut zu machen im Amtsgericht, sagt Timm, die aber sehr wohl mitbekommen hat, dass es am Montagnachmittag Probleme gegeben hat. So bildete sich am Eingang zum Impfzentrum eine lange Schlange. Ebenso läuft der Betrieb in Lensahn und Eutin zumindest nachmittags gewohnt weiter.

Neustadt: Testzentrum öffnet am 19. März

Das erste von zwei geplanten Corona-Testzentren in Neustadt soll am 19. März den Betrieb aufnehmen. Dietmar Baum vom Café Glücks teilte mit, dass die Testungen in seinen Räumlichkeiten im Haus der Manufakturen auf der Hafenwestseite zunächst montags und freitags von 17 bis 19 Uhr möglich sind.

Die Schnelltests sind pro Bürger einmal wöchentlich möglich und kostenfrei. Jedoch muss man sich vorab auf www.corona-schnelltest-neustadt.de anmelden. Das Ergebnis soll etwa 30 Minuten nach dem Test vorliegen.

Termin im Impfzentrum: Nicht zu früh kommen

Die Impflinge in Bad Schwartau, die meisten über 80 Jahre, standen bis zu 30 Minuten in einer Warteschlange. Und das zeitweise bei strömenden Regen ohne jeden Schutz. „Das ist wirklich gedanken- und respektlos“, sagt Heike Knebel, die ihren 84-jährigen Vater nach dem Impftermin vollkommen durchnässt wieder nach Hause gefahren hat. Esther Timm kündigt an, dass nun ein Wetter- und Regenschutz geplant sei. Sie appelliert an alle Impflinge, immer erst kurz vor dem Termin zu kommen. „Es bringt nichts eine Stunde früher zu kommen“, sagt Timm und bittet darum, dass alle, die in der Lage sind, auch allein zu kommen. „Das entzerrt auch die Situation in der Wartezone.“

Von Sebastian Prey und Sebastian Rosenkötter

16.03.2021
16.03.2021