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Ostholstein Auf Fehmarn geht ein Königspudel auf die Jagd
Lokales Ostholstein Auf Fehmarn geht ein Königspudel auf die Jagd
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08:14 18.11.2019
„Raisa“ hat die Prüfung bestanden und darf jetzt in Schleswig-Holstein auf die Jagd gehen. Imke Müller-Marienburg ist mächtig stolz auf die junge Hündin. Quelle: Luisa Jacobsen
Ostermarkelsdorf

Imke Müller-Marienburg hatte schon als Kind den Traum, einmal einen Pudel zu besitzen. Dass sie sogar mal einen Königspudel haben würde, der mit ihr zur Jagd gehen kann, wusste sie damals sicher nicht. Doch genau so ist es gekommen. Obwohl Pudel in Schleswig-Holstein gar nicht zur Prüfung für Jagdgebrauchshunde zugelassen werden, hat Imke Müller-Marienburg einen Weg gefunden, um aus ihrer Pudeldame „Raisa“ einen richtigen Jagdpudel zu machen.

Keine verwöhnten Schönheiten: Pudel gingen Jahrhunderte lang auf die Jagd

„Ganz typische Rassen für die Jagd sind zum Beispiel Retriever, Terrier, Deutsch-Kurzhaar, Deutsch-Drahthaar und deren Mischlinge“, erklärt Imke Müller-Marienburg. Diese und einige andere werden in Schleswig-Holstein zur Prüfung zugelassen. Bevor die Jägerin, Hundetrainerin und frühere Obfrau für das Jagdhundewesen in der Kreisjägerschaft Oldenburg sich vor etwa zwei Jahren ihren Kindheitstraum erfüllte und einen Pudel zulegte, hatte sie bereits viel Erfahrung in der Jagdhunde-Ausbildung gesammelt. Dass Pudel die Prüfung nicht ablegen dürfen (ein Brauchbarkeitsnachweis ist nötig, um einen Hund mit auf die Jagd zu nehmen), findet sie schade. Denn: In früheren Zeiten sei die Rasse in Deutschland zur Jagd eingesetzt worden. „Viele Königspudel-Besitzer wissen um die Passion der Tiere“, sagt sie. Soll heißen: Königspudel sind nicht nur Hingucker für den Promenaden-Spaziergang und die besten Kunden beim Hundefrisör. Ein Jagdtrieb existiert durchaus.

Das bestätigt auch Elke Gießler, Vorsitzende des Deutschen Pudel-Klubs: Bis ins 18. Jahrhundert sei der Pudel, der ein sehr guter Schwimmer sei, als Wasserjagdhund eingesetzt worden. Auch zum Aufstöbern von Flugwild sei er geeignet gewesen. „Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Pudel dann aufgrund seiner Intelligenz und Lernfreude gerne von Schaustellern und Gauklern gehalten“, sagt Gießler. Heute gehört er in die Gruppe der sogenannten Gesellschafts- und Begleithunde.

Früher wurden Pudel oft zur Jagd eingesetzt, heute ist das eine absolute Ausnahme. Auf Fehmarn gibt es so einen seltenen Jagdpudel.

Hundetrainer: „Die Prüfung entscheidet, nicht die Rasse“

„Raisa“ aber hat bewiesen, dass der Jagdhund noch in ihr steckt. Am 6. Oktober hat die 2017 geborene Hündin die Brauchbarkeitsprüfung für die Nachsuche auf Niederwild und Schalenwild beim Verein VBJ (Verein brauchbarer Jagdhund) im Sauerland bestanden. Damit ist sie auch auf dem Papier ein echter Jagdhund. „Die Prüfung entscheidet über die Brauchbarkeit, nicht die Rasse“, sagt dazu Hundetrainer Anton Fichtlmeier, Vorsitzender beim VBJ. „Wir hatten auch schon mal Huskys und Dalmatiner.“

Vor der Prüfung hat Imke Müller-Marienburg viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. Zwei Jahre lang habe sich überhaupt erst einmal mit der Pudelzucht auseinandergesetzt. „Ich habe mich informiert und mit Hilfe von erfahrenen Züchtern schließlich einen Pudel in Russland ausgesucht.“ Gleich nachdem die 2017 geborene Hündin in ihrem neuen Zuhause auf einem Hof in Ostermarkelsdorf angekommen war, begann Müller-Marienburg mit dem Apportiertraining und Grundgehorsam. 2018 und 2019 habe sie dann mit „Raisa“ für die Prüfungsordnung vom VBJ trainiert. „Es war eine anspruchsvolle Prüfung“, sagt sie. Unter anderem musste „Raisa“ einer 400 Meter langen am Vortag ausgelegten Schweißfährte folgen. „Das war mein Angstfach“, erzählt ihre Besitzerin. Doch ihre Pudelhündin hat die Aufgabe gemeistert. Danach sei alles glatt gegangen.

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Noch mehr Jagdpudel? Es gibt schon Interesse an „Raisas“ Nachwuchs

Der erste echte Einsatz steht allerdings noch aus: „Im Dezember veranstalten wir meist eine kleine Treibjagd“, sagt Imke Müller-Marienburg. Da werde sich zeigen, ob „Raisa“ in der Realität so gut zurechtkommt wie in der Prüfung. Die Reaktionen auf ihr Vorhaben, mit einem Pudel auf die Jagd zu gehen, seien bisher nur positiv gewesen. „Natürlich weiß ich nicht, was sonst noch so hinter meinem Rücken erzählt wird“, sagt sie lachend.

Bald soll „Raisa“ übrigens auch trächtig werden. „Wenn sich für die Welpen auch Jäger als Interessenten melden, wäre das natürlich toll“, sagt Imke Müller-Marienburg. „Dann würde man es vielleicht hinkriegen, dass der Pudel eines Tages wieder selbstverständlich als Jagdhund eingesetzt wird. Eine Anfrage habe ich schon.“ Doch selbst wenn das nicht passiert: „Ich weiß, was ich an ’Raisa’ habe“, sagt sie und blickt lächelnd auf das Tier. Die Wertschätzung für ihre Hündin spiegelt sich auch in dem Namen wieder, den sie der Pudeldame gegeben hat. Aus dem Russischen übersetzt bedeutet „Raisa“ so viel wie „Die Paradiesische“. Ein Jagdhund und ein wenig Glamour – das muss sich gar nicht ausschließen.

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Von Luisa Jacobsen

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