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Ostholstein Ausbildungsstart: So viele Stellen wie seit 25 Jahren nicht mehr
Lokales Ostholstein Ausbildungsstart: So viele Stellen wie seit 25 Jahren nicht mehr
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08:00 31.07.2019
Diese jungen Menschen fangen eine Ausbildung bei der Unternehmensgruppe Gollan an. Quelle: HFR
Ostholstein

Der 1. August ist traditionell der Tag, an dem Hunderte junge Ostholsteiner in ihre Ausbildung starten. Positiv ist aus Sicht der Suchenden, dass der Arbeitsagentur allein zwischen Oktober 2018 und Juni dieses Jahres 3576 freie Stellen gemeldet wurden. Das sind 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Negativ ist, dass 1575 Stellen vor viereinhalb Wochen noch unbesetzt waren. Olga Nommensen von der Agentur für Arbeit teilt mit: Ende Juni dieses Jahres kamen rechnerisch zwei offene Stellen auf einen Bewerber.

Was gut klingen mag, ist es nicht. Häufig passen die Stellen und die Bewerber nicht zusammen. Arbeitgeber suchen vor allem Kaufleute im Einzelhandel, Hotelfachkräfte, Köche, Verkäufer und Restaurantfachkräfte. Jugendliche indes wollen auch gerne medizinische Fachangestellte und Kfz-Mechatroniker werden – wie ein Blick in die Top-Fünf der Arbeitsagentur verdeutlicht.

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20 neue Azubis starten bei Gollan

Die Suche nach geeigneten und motivierten Mitarbeitern ist seit Jahren Thema. Zu den größeren Ausbildungsbetrieben im Kreis Ostholstein gehört die Unternehmensgruppe Gollan. Ausbildungsleiterin Annekathrin Schmidt hatte in der Vergangenheit häufig Schwierigkeiten, ausreichend Jugendliche für handwerkliche Tätigkeiten zu gewinnen. 2019 ist es besser gelaufen: „Wir haben dieses Jahr 20 neue Azubis gewinnen können und gerade im gewerblich-handwerklichen Teil eine recht erfolgreiche Quote“, sagt sie. Die Neulinge sollen unter anderem zu Maurern, Tief- und Straßenbauern, Tischlern, Zimmermännern und Kfz-Mechatronikern ausgebildet werden.

Trend: Seit 13 Jahren mehr Stellen als Bewerber

Nach Angaben von Agentur-Sprecherin Olga Nommensen gehen die sogenannten geburtenstarken Jahrgänge in Rente und aufgrund rückläufiger Geburtenjahrgänge würden weniger junge Menschen nachrücken. „Bereits seit 13 Jahren ist im Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck das Angebot an Ausbildungsstellen höher als die Zahl der bei der Berufsberatung gemeldeten Jugendlichen“, erläutert sie. Aktuell gebe es so viele Ausbildungsstellen wie zuletzt vor 25 Jahren. Der Ausbildungsmarkt habe sich vom Arbeitgebermarkt hin zum Bewerbermarkt entwickelt. Der Wettbewerb um Jugendliche werde somit immer größer. „Sie können sich die Ausbildungsstellen aussuchen. Unternehmen müssen immer stärker um Nachwuchskräfte werben“, stellt Nommensen klar.

Berufliche Schulen: Sinkende Schülerzahl erwartet

Bislang ist völlig offen, wie viele Schüler neu an den Beruflichen Schulen des Kreises anfangen werden. Oldenburgs Schulleiter Michael Gülck betonte, dass viele Ausbildungsplätze erst zum 1. September besetzt werden. „Eine Nachbesetzung bis in den Oktober hinein ist branchenübergreifend insbesondere in Gastronomie und Handwerk üblich“, sagt er. Zudem würden rund 20 bis 40 Prozent der Ausbildungsverhältnisse erste durch Erscheinen am Einschulungstag gemeldet. „Wir rechnen mit leicht sinkenden Schülerzahlen im Vergleich zum Vorjahr“, wagt er eine Prognose.

Darüber hinaus betont Michael Gülck, dass Berufe im Einzelhandel beliebt seien und dreizügig gestartet würden. „In allen anderen Berufen sind nicht nur noch freie Ausbildungsplätze vorhanden, sondern natürlich auch noch Kapazitäten in der Schule frei“, sagt der Schulleiter. Insbesondere Bäcker, Friseure, Restaurantfachkräfte, Köche und Maler sowie Lackierer würden benötigt.

Neben klassischen Wegen wie der Unterstützung durch die Agentur für Arbeit und Schaltung von Zeitungsanzeigen würden Unternehmen unter anderem Kooperationen mit Schulen eingehen sowie über Social-Media-Kanäle und auf Messen werben. Dass die Zeiten zahlreicher Bewerbungsmappen vorbei ist, weiß auch Annekathrin Schmidt. Deshalb akquiriere Gollan bei Ausbildungsmessen, Elternabenden und in speziell gestalteten Schulstunden. Hinzu kommen Projekte wie „Factory Beatz“ und die Kulturwerft in Lübeck, die zu einer Präsenz in sozialen Netzwerken beitragen würden. Darüber hinaus soll es 2020 zwei neue Ausbildungsberufe geben: Gesucht werden dann Veranstaltungskaufleute und Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft.

Ungewöhnliche und unbekannte Ausbildungsberufe

Es gibt aber auch Ausbildungsberufe, die viele Jugendliche nicht auf dem Zettel haben und die in anderen Regionen nicht vorkommen. So kann man im Kreis Ostholstein Fischwirt und Bootsbauer werden. Als ungewöhnlich bezeichnet Olga Nommensen den Posten eines Schädlingsbekämpfers. Weitgehend unbekannt seien Berufe wie Steinmetz, Baustoffprüfer, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Rohrleitungsbauer und Kanalbauer. Eher selten angeboten würden bislang Stellen im Bereich Kaufmann/-frau E-Commerce.

Appell der Agentur für Arbeit

Kathleen Wieczorek, Geschäftsführerin Operativ in der Agentur für Arbeit Lübeck, betont, dass noch zahlreiche freie Stellen und Möglichkeiten da seien: „Es gibt noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt und meist kann auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn im August und September mit einer Lehre gestartet werden. Wer sich jetzt erst entschlossen hat, eine Ausbildung zu machen, oder noch keinen passenden Ausbildungsbetrieb gefunden hat, sollte sich unbedingt gleich in der Berufsberatung melden“, rät sie. Häufig werde manch junger Mensch auf den zweiten Blick zur ersten Wahl. „Wir können zum Beispiel mit ausbildungsbegleitenden Hilfen oder der Assistierten Ausbildung – unserem kostenfreien Angebot an zusätzlichem Unterricht und sozialpädagogischer Begleitung – unterstützen“, sagt sie.

Arbeitgeber müssen handeln

Da viele Branchen händeringend Personal suchen, regt die Arbeitsagentur an, auch Ausbildungsmöglichkeiten für junge Erwachsene ohne Berufsabschluss und Eltern mit Einschränkungen in der Arbeitszeit anzubieten. „Flexiblere Arbeitszeiten sowie Kinderbetreuung können hier hilfreich sein – auch später, um die ausgelernten Fachkräfte im Betrieb zu halten“, sagt Nommensen.

Das wünschen sich junge Azubis

Zu beachten sei, dass viele Nachwuchsfachkräfte sich Abwechslung, flache Hierarchien und eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit wünschen würden. Unternehmen, die Dinge wie eine gute Bezahlung, die Übernahme von Versicherungen, Tankgutscheine, Bus-/Bahntickets und Führerscheinkosten übernehmen, würden sicherlich zu den Gewinnern gehören. „Gerade in Ostholstein ist auch die Unterstützung der regionalen Mobilität eine Möglichkeit, sich als interessante Arbeitgebende zu präsentieren“, betont die Sprecherin.

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