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Ostholstein Auslandspraktikum: Lernen bei den Nachbarn
Lokales Ostholstein Auslandspraktikum: Lernen bei den Nachbarn
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12:57 21.10.2018
Der Däne Magnus Isling Thusgård Jørgensen lernte zwei Jahre im Kaufhaus Stolz auf Fehmarn. Quelle: Anders Knudsen
Horbelev

Mit 18 Jahren begann Magnus Isling Thusgård Jørgensen aus Horbelev auf der Insel Falster in Dänemark ein zweijähriges Praktikum im Kaufhaus Stolz in Burg auf Fehmarn. Heute ist er Aushilfslehrer an der Nørre Alslev Skole in Horbelev, unterrichtet unter anderem das Fach Deutsch. Magnus Isling Thusgård Jørgensen blickt zurück auf eine Zeit fernab der Heimat, in der er Erfahrungen sammeln konnte, eine schnelle Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland vermisste und sich Chancen für die Zukunft entwickelten.

Als Teil seiner Ausbildung im Einzelhandel an der Berufsschule CELF Kringelborg in Nykøbing ging er als Praktikant nach Fehmarn. Ein Lehrer hatte ihn auf die Idee gebracht. Nach kurzem Überlegen entschied er sich zum Auslandsaufenthalt. „Ich dachte: Warum eigentlich nicht? Ich beschloss, mir nun selbst etwas zu beweisen. Und später war klar: Man tut sich selbst einen großen Gefallen“, sagt er.

Doch vor Ort auf der Sonneninsel war zunächst große Unsicherheit da. „Das war hart“, erinnert sich der junge Mann. „Ich war 18, und ich zog weg von Freunden und Familie. Man stand plötzlich einfach vor etwas Neuem, man war ganz auf sich allein gestellt, musste selbstständig sein“, erzählt er. Aber es wäre auch aufregend gewesen. Es habe immer etwas Neues zu lernen gegeben. Das bekam der Praktikant dann schnell zu spüren. „In den ersten drei Monaten war ich immer sehr müde, weil ich am laufenden Band mit neuen Informationen konfrontiert war. Wenn man nach Hause kam, fiel man einfach direkt ins Bett, weil man so viel Neues gelernt hatte - fachlich und sprachlich“, so der Däne.

Von der Berufsschule CELF Kringelborg schickt man im Durchschnitt vier Schüler im Jahr zu längeren Praktika. Quelle: Anders Knudsen

Als er auf Fehmarn ankam, mussten auch zunächst die Sprachbarrieren überwunden werden. „Ich konnte fast kein einziges deutsches Wort“, berichtet er. Das hat sich jedoch geändert, inzwischen spricht er fließend Deutsch. Ein Gespräch könne er führen. Natürlich sei der Wortschatz und der richtige Einsatz von der, die oder das immer noch eine kleine Herausforderung. Für seine berufliche Zukunft war die Ausbildung ein großer Vorteil. Magnus Isling Thusgård Jørgensen arbeitet heute als Aushilfslehrer an der Nørre Alslev Skole, unter anderem hilft er im Fach Deutsch aus.

Bessere Jobchancen im Ausland

Viele dänische Unternehmen suchen nach Mitarbeitern, die Erfahrung im Ausland gesammelt haben. „Mehr als die Hälfte des gesamten dänischen Handels ist grenzüberschreitend“, erklärt der Lehrer. Steigender Konkurrenzdruck gehe vom globalen und nicht vom lokalen Markt aus. Sven Erik Jessen, Chef für internationale Ausbildungen an der Berufsschule CELF, erklärt: „Wenn wir wachsen wollen, müssen wir uns auf dem internationalen Markt behaupten. Deshalb müssen unsere jungen Menschen ein Verständnis für andere Länder entwickeln und zur Problemlösung beitragen können.“ Der Bau des Fehmarnbelttunnels würde die Chancen verbessern, einen Job in Deutschland zu bekommen, so Jessen weiter. Er vergleicht die Beltquerung mit anderen Bauprojekten. Von Verbindungen wie der Öresundbrücke wüssten sie, dass so ein Bau Gegenden viel enger zusammenbringe. „Und bekommen wir eine feste Querung hier im Südosten Dänemarks, wird es eher normal werden, dass man vielleicht auch einen Job südlich der Grenze sucht“, sagt der Ausbildungschef.

BeltMedia Lab2: Projekt unter Nachbarn

Der geplante Fehmarnbelttunnel zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und Rødby auf Lolland soll Deutschlands Norden mit Dänemarks Süden verbinden. Eine vierteilige Serie unter dem Titel „Nachbarn“ dreht sich um die vom Projekt betroffenen Regionen und Menschen; am heutigen Sonntag lesen Sie Teil drei.

Junge deutsche und dänische Journalisten sind für diese Serie unterwegs: die Reporter Stefanie Schlemmer und Beke Zill (beide Lübecker Nachrichten), Alev Dogan (Kieler Nachrichten), Peter Levinsen Hansen (Lolland Falsters Folketidende) und Christina Ledertoug (Sjallandske ­Medier).

Für Magnus Isling Thusgård Jørgensen hätte ein Tunnel die Praktikumszeit vereinfacht. „Wenn der Tunnel schon bestanden hätte, wäre das ein Riesenvorteil gewesen. Ich hätte eine Stunde nach Hause nach Horbelev gebraucht. Kurze Stippvisite in der Heimat wären dann einfacher gewesen. „So etwas hatte ich vermisst.“

Mit dem Tunnel und den daraus resultierenden kürzeren Reisezeiten ist der ehemalige Auszubildende überzeugt, dass auch andere junge Leute inspiriert werden, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. „Das Interesse wird steigen, so eine Reise zu unternehmen“, so Magnus Isling Thusgård Jørgensen. Für ihn habe das Praktikum jedenfalls Türen geöffnet. Das bedeutet jedoch nicht, dass sein nächster Arbeitsplatz in Deutschland liegt. „Es ist zu viel verlangt, Dänemark aufzugeben.“

Peter Levinsen Hansen

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