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Ostholstein Autos in Neustadt zerkratzt: Wer bezahlt die Reparatur?
Lokales Ostholstein Autos in Neustadt zerkratzt: Wer bezahlt die Reparatur?
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11:57 21.01.2020
Häufig werden Kratzer mit Schlüsseln verursacht (Symbolfoto). Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Andreas Freiwald ist sauer. Sein Renault Mégane wurde zerkratzt. Die Beseitigung dürfte den Neustädter mehrere Hundert Euro kosten. Da er keine Vollkaskoversicherung hat, muss er die Kosten selbst zahlen. „Es ist mir schon einmal passiert. Ich habe die rechte Seite komplett neu lackieren lassen. Drei Wochen später hatte ich neue Kratzer“, sagt er. Dass die Polizei den Verursacher ermittelt, glaubt er nicht. Taten wie diese kommen im Kreis Ostholstein immer wieder vor.

Zu den Betroffenen zählt auch eine Nachbarin von Andreas Freiwald. Sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen und sagt, dass es erstmals im Dezember zu Beschädigungen an Fahrzeugen gekommen sei. Sie vermutet, dass jemand im Vorbeigehen mit einem spitzen Gegenstand Kratzer in den Lack gemacht. „Es kann ein ziemlich doofer Jugendstreich sein, aber auch ein verzweifelter Menschen, der irgendwie versucht, Frust abzubauen und auf sich aufmerksam zu machen“, sagt sie. Für die Opfer indes sei das alles nur ärgerlich und eine ziemlich teure Angelegenheit.

Der Renault Mégane des Neustädters Andreas Freiwald wurde innerhalb weniger Wochen mehrfach zerkratzt. Quelle: HFR

Wie häufig werden in Ostholstein Autos zerkratzt? 

Genaue Zahlen gibt es nicht. Polizeisprecher Dierk Dürbrook erläutert, dass das Zerkratzen nicht gesondert in der Statistik erfasst werde. Es komme zwar immer mal wieder vor, dass Geschädigte Anzeige erstatten würden, jedoch sei der Kreis Ostholstein keinesfalls ein Schwerpunkt, was die Lackbeschädigung betreffe. „Serien, bei denen zahlreiche Autos in einer Straße beschädigt werden, erleben wir in Lübeck. Aus Ostholstein sind mir keine bekannt“, betont er.

Warum sollen Betroffene Anzeige erstatten? 

Einerseits legen viele Versicherer Wert darauf, da sie hoffen, dass doch noch ein Verursacher ermittelt wird, der die Reparaturkosten übernehmen muss. Andererseits benötigt die Polizei möglichst detaillierte Infos, um ein Lagebild erstellen zu können. Polizeisprecher Dürbrook sagt, dass es ohne Anzeige gar nicht erst möglich sei, die Sachbeschädigung strafrechtlich zu verfolgen. „Wenn mehrere Autos in einer Straße betroffen sind, werden die Leute hellhöriger und schauen genauer hin. Zudem können wir mal darüber berichten und müssen reagieren“, sagt er. Mögliche Reaktionen seien Einsätze von Zivil- oder Fußstreifen sowie häufiger Kontrollfahrten von Streifenwagen.

Werden überhaupt Täter ermittelt? 

Äußerst selten. Dirk Dürbrook sagt, dass es dies meist nur gelinge, wenn ein Verursacher während der Tat ertappt oder beobachtet werde. „Wenn jemand am nächsten Morgen zur Polizeistation kommt, ist es immer sehr schwierig. Die Aussicht auf Erfolg ist gering.“

Welche Strafen drohen Personen, die Wagen zerkratzen? 

Für die Polizei ist das Zerkratzen von Autos eine Sachbeschädigung. Das mögliche Strafmaß ist im Strafgesetzbuch in Paragraf 303 klar geregelt. Dort heißt es: „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Was für Sachbeschädigungen kommen rund ums Auto immer wieder vor?

Laut Polizei gilt, dass Sachbeschädigungen, die Autos betreffen, eher selten vorkommen. Jedoch gebe es Fälle wie Fahrerflucht, wenn jemand beim Ausparken auf einem Parkplatz ein anderes Fahrzeug beschädigt. „Wir haben hier keine Häufungen“, stellt Dierk Dürbrook klar.

Lesen Sie auch: Auto zerkratzt – Nachbar auf frischer Tat ertappt

Wer zahlt die Beseitigung des Schadens? 

Im besten Fall der Verursacher. Wenn dieser nicht ermittelt wird, übernimmt – falls vorhanden – die eigene Vollkaskoversicherung die Kosten. Voraussetzung ist eine zuvor bei der Polizei erstattete Anzeige. Zu beachten ist, dass es zu einer Hochstufung beim Schadenfreiheitsrabatt kommen kann. Wer nur eine Haftpflicht- oder Teilkaskoversicherung hat, bleibt auf dem Schaden sitzen.

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Von Sebastian Rosenkötter

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