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Ostholstein Baby flog durch die Luft: Unfallfahrer verurteilt
Lokales Ostholstein Baby flog durch die Luft: Unfallfahrer verurteilt
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14:52 25.02.2019
Das Amtsgericht Eutin hat einen 80-Jährigen wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht verurteilt. Quelle: Sabine Latzel
Haffkrug/Eutin

Die Bilder kann Anna R. (Name geändert) nicht vergessen. „Sie kommen immer wieder hoch“, sagte die 27-jährige Scharbeutzerin am Montag vor dem Amtsgericht Eutin. Den Zusammenstoß selbst in der Haffkruger Strandallee habe sie nicht gesehen, nur den Knall gehört, als der Wagen von Dragos B. (Name geändert) gegen die Babyschale krachte, die ihr Mann, der Vater des sechs Wochen alten Kindes, in der rechten Hand trug. „Dann habe ich mich umgedreht. Die Babyschale flog durch die Luft und prallte gegen einen Zaun, und ich habe nur noch laut geschrien“, berichtete Anna R. unter Tränen.

Fahrerlaubnis ist seit dem Unfall eingezogen

Ihre kleine Tochter hatte damals, im Mai 2018, Glück im Unglück: Sie blieb unverletzt und musste lediglich zur Beobachtung für zwei Tage in die Lübecker Uniklinik. „Dem Kind ist nur durch viele Schutzengel nichts passiert“, betonte Richterin Anke Erlenstädt. „Darüber sind wir alle froh – ansonsten würden wir hier ganz anders sitzen, das darf man nicht vergessen.“ Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht verurteilte sie den 80-jährigen Dragos B. – der nur eine Mini-Rente erhält – zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 20 Euro, womit die Richterin noch über dem Antrag der Staatsanwaltschaft lag, die 70 Tagessätze à 10 Euro gefordert hatte.

Ob der Angeklagte jemals seinen Führerschein zurückbekommt, ist unklar. Die Fahrerlaubnis ist seit dem Unfall eingezogen und wird es noch weitere drei Monate bleiben, ordnete Erlenstädt an. Danach kann Dragos B. zwar einen Antrag auf Wiedererteilung stellen – allerdings müsste er wahrscheinlich angesichts der jetzt erfolgten Verurteilung erst einmal die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) bestehen, sagte die Rechtsanwältin der Eltern des Babys.

Überholen in einer unübersichtlichen Situation

Der 80-jährige Ostholsteiner äußerte sich während des Prozesses nicht und hat sich auch nie mit Anna R. oder ihrem Mann in Verbindung gesetzt. Sein Verhalten sei grob verkehrswidrig und rücksichtslos gewesen, erläuterte Richterin Erlenstädt in ihrer Urteilsbegründung. Demnach habe es Dragos B. auf dem Weg von Sierksdorf nach Scharbeutz offenbar eilig gehabt und ein anderes Fahrzeug vor ihm mehrfach bedrängt. Auf der Strandallee in Haffkrug habe er dann zum Überholen angesetzt – obwohl die Situation unübersichtlich gewesen sei und der Vater mit der Babyschale am Straßenrand hinter seinem Auto auf dem Parkstreifen gestanden habe.

Erneut wurden mehrere Zeugen zitiert, die den Überhol-Vorgang beobachtet hatten. „Das macht der jetzt nicht wirklich!“, sei es ihr durch den Kopf gegangen, hatte eine Frau ausgesagt. Dragos B. sei mit seinem Wagen gegen die Bordsteinkante geraten, schloss die Richterin aus den Aussagen. Anschließend habe er kurz gebremst, dann aber wieder Gas gegeben – „obwohl er den Unfall bemerkt haben musste“. Schließlich, betonte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, habe sich Dragos B. wenig später einem Zeugen gegenüber mit den Worten gerechtfertigt: „Warum steht der auch mitten auf der Straße.“

Passanten haben den schockierten Eltern geholfen

Was sich nach dem Knall um sie herum zutrug, habe sie nur am Rande registriert, meinte Anna R. am Montag. Doch ein Ehepaar, das mit seinem Auto unterwegs war, habe ihr zugerufen: „Wir haben alles gesehen, wir fahren dem hinterher!“ Diese beiden Zeugen verständigten die Polizei, während Anna R. einen Rettungswagen alarmierte. „Mehrere Passanten haben mir geholfen, ein Mann hat mich beruhigt, weil meine Tochter so sehr geschrien hat. Es war so schlimm.“ Ihr Mann hatte den Angeklagten zunächst ebenfalls verfolgt, kehrte dann aber zu seiner Frau und seinem Kind zurück.

Obwohl das kleine Mädchen nicht verletzt wurde, wirkt das Geschehen gerade bei der Mutter nach. „Ich bin ängstlich geworden, kann mein Kind fast nie anderen Menschen überlassen“, erklärte sie. Draußen sei sie schreckhaft und würde mit ihrem Kind nur dann spazieren gehen, wenn ihr Mann sie begleite. „Und ich habe weiterhin Alpträume und Flashbacks.“ Zu all dem nahm Dragos B. auch am Montag keine Stellung, erklärte lediglich am Ende des Verfahrens: „Ich habe keine Schuld.“

Sabine Latzel

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