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Ostholstein Bäderbus statt Bäderbahn: Land präsentiert Gutachten zur Zukunft der Küstentrasse
Lokales Ostholstein Bäderbus statt Bäderbahn: Land präsentiert Gutachten zur Zukunft der Küstentrasse
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19:17 12.06.2019
Die Bäderbahn könnte nach dem Bau der neuen Bahntrasse in eine Strecke für Busse und Radfahrer umgewandelt werden. Quelle: Neelsen
Timmendorfer Strand/Scharbeutz

Was wird aus der Bäderbahn? Das Land will die bisherige Schienenverbindung entlang der Ostsee durch Busse ersetzen. Gutachter bezweifeln jedoch, dass dafür die bisherige Streckenführung sinnvoll ist. Die Gemeinde Timmendorfer Strand hält derweil an ihrer Forderung fest, den Zugverkehr auch in Zukunft aufrecht zu erhalten.

Im Zuge der neuen Bahntrasse zum geplanten Belttunnel soll die Bäderbahn zwischen Ratekau und Neustadt stillgelegt werden. Der entsprechende Gleisabschnitt wird weiter ins Inland verlegt; die Fahrten entlang der Küste sollen Busse (im Gespräch sind auch autonome Fahrzeuge) übernehmen. Ob diese jedoch weiterhin auf der Route der Bäderbahn fahren, ist bisher unklar. „Aufgrund ihrer Lage und ihrer potenziellen Verkehrsfunktion erfüllen nicht alle Abschnitte der Bäderbahntrasse die Anforderungen für einen Erhalt“, heißt es in einem Gutachten zum ÖPNV-Konzept vom Büro „plan:mobil“ in Kassel im Auftrag des Nah.SH. Lediglich die Strecke zwischen Timmendorfer Strand und Ratekau biete sich für eine weitere Nutzung an.

Gutachter plädieren für Busroute nah an der Küste

Generell empfehlen die Fachleute eine strandnahe Bäderlinie, die an vielen Haltestellen entlang der Küste stoppt. Diese Variante wird einem Express-Bus mit weniger Stopps vorgezogen. Unter anderem lasse sie sich „deutlicher als Produkt für Urlauber, Tagesausflügler und Touristen vermarkten“.

Der Bäderbus würde von Ratekau über Timmendorfer Strand und Scharbeutz nach Haffkrug fahren; eine Verlängerung der Strecke über Sierksdorf und Neustadt bis Pelzerhaken soll geprüft werden. Auf der alten Bäderbahn-Strecke sollen der jetzige Bahnhof in Timmendorfer Strand und die Kreuzung Hauptstraße/Dorfstraße als zusätzliche Haltepunkte angefahren werden. Angebunden werden soll der Busverkehr an den neuen gemeinsamen Bahnhaltepunkt für Ratekau und Timmendorfer Strand sowie weitere Buslinien. Gefahren wird mindestens stündlich, zu Hochzeiten sei eine schnellere Taktung denkbar. In Scharbeutz soll zudem ein Ortsbus eingerichtet werden, der die westlichen Siedlungen an den Hauptort anbindet. Ziel sei es, durch das neue Konzept bisherige Defizite auszuräumen, heißt es.

Timmendorfs Bürgermeister warnt vor negativen Folgen

Eine Studie zur Nachnutzung der Bäderbahn vom Büro SHP Ingenieure in Hannover empfiehlt, die derzeitige Schienentrasse für Radfahrer freizugeben. Bei Bedarf könnte die Strecke auch für den Bäderbus sowie im Ernstfall für Einsatz- und Rettungswagen freigegeben werden. Denkbar sei eine gemeinsame Fahrbahn für Busse und Räder. Die Kosten für einen entsprechenden Ausbau werden abhängig von der Breite auf 5,3 Millionen Euro (4,75 Meter) oder 6,2 Millionen Euro (sechs Meter) beziffert.

Für Robert Wagner (parteilos), Bürgermeister von Timmendorfer Strand, sind Busse kein geeigneter Ersatz für die Bäderbahn. „Die Infrastruktur im Ort würde dadurch überfrachtet“, warnt er. Mit Blick auf die Anzahl der Reisenden seien Doppeldecker erforderlich – „dafür sind unsere Straßen nicht ausgelegt“. Auch leide die Attraktivität der Gemeinde durch den Anblick der Busse; die Qualität des touristischen Anlaufziels sei damit beeinträchtigt.

Die Gemeinde hat eine Beratungsgesellschaft beauftragt, um nach Alternativen für die Nachnutzung der Bäderbahn zu suchen. Das erklärte Ziel ist der Erhalt einer Schienenverbindung. Die jüngsten Gutachten zur Buslinie wertet der Bürgermeister nicht als Rückschlag für dieses Projekt: Die Erkenntnisse könnten als Diskussionsgrundlage dienen, sagt er. Verschiedene Lösungen würden zurzeit geprüft, die Gemeinde sei in engem Austausch mit dem Ministerium. Er sei guter Dinge, dass das letzte Wort in Sachen Bäderbahn noch lange nicht gesprochen sei.

Jennifer Binder

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