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Ostholstein Bagger reißt „Tatort“-Villa ab
Lokales Ostholstein Bagger reißt „Tatort“-Villa ab
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19:18 13.11.2018
Abriss der „Tatort"-Villa in Bosau: Vom Wohnzimmer aus gesehen, frisst sich der Bagger durch die Panoramascheibe zum Großen Plöner See. Quelle: FOTOS: H. Kröger
Bosau

Tolle Lage, spannende Geschichte, ungewöhnlicher Stil: Die Villa an der Stadtbeker Straße in Bosau war etwas ganz Besonderes. Es ist das „Reifezeugnis“-Haus. Teile der berühmten „Tatort“-Folge mit Nastassja Kinski, Christian Quadflieg und Judy Winter aus dem Jahr 1977 wurden in diesem Haus gedreht. Nun ist so gut wie nichts mehr davon übrig. Das Haus wird abgerissen.

Vor zwei Jahren stand die Villa zum Verkauf. Ein Liebhaber-Objekt: 242 Quadratmeter Wohnfläche im Retro-Charme der 1960er Jahre, Schwimmbad und Sauna im Keller, drei Kamine, eine riesige Terrasse. Der Hamburger Architekt H. Hagge hatte sich die Villa 1965 gebaut. An die Heizkosten hatte er dabei nicht gedacht.

Das Ende der „Tatort“-Villa

Eine seltene Deckenheizung und ein riesiger Kamin sollten für Wärme sorgen, was angesichts fehlender Isolierung ein hoffnungsloses Unterfangen war. Schön im Stil, aber unpraktisch fürs tägliche Leben, so präsentierte sich die Villa. Eine grandiose Filmkulisse für die „Tatort“-Macher, die das 50 Quadratmeter große Wohnzimmer mit seinem Travertinfußboden mit schweren braunen Ledersesseln, Zinntellern und Kupferschalen über dem Kaminsims, einem Perserteppich und geblümten Vorhängen vollstopften. Oder war das die Einrichtung der damaligen Besitzer? Das ist nicht bekannt.

Investor hat Grundstück gekauft

Nun also der Abriss. Hans-Jürgen Bünning, Investor aus Heiligenhafen, hat das Grundstück gekauft, um darauf ein Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen zu errichten. Denn so unzeitgemäß die „Tatort“-Villa war, so grandios ist das 6000 Quadratmeter große Grundstück hoch über dem Großen Plöner See. Weitblick garantiert.

Zunächst wusste Bünning gar nicht, dass es sich bei dem Haus um die „Tatort“-Villa handelte. Das hätten ihm erst die Vorbesitzer erzählt. „Ich fand die Lage ganz toll.“ Es werde schön sein, dort zu wohnen, sagt Bünning, der seinen Beruf mit „Ich kaufe Grundstücke und baue Häuser“ umschreibt. Dass das geschichtsträchtige Haus nicht bewahrt werden kann, tut dem Investor leid. „Es ist schade, wenn ein Haus mit so einer Geschichte verschwindet. Aber man kann nicht alles aufbewahren.“ Zumal ein zunächst erwogener Umbau in diesem Fall teurer geworden wäre als ein Neubau.

Auf das Haus und das Grundstück aufmerksam wurde Bünning durch den Bosauer Architekten Rolf Jeche. Der sagt: „Das alte Haus war recht desolat. Es hatte keine Wärmedämmung, ein ungewöhnliche Heiztechnik und ganz große Fensterflächen, wie man sie heute nicht mehr bauen würde.“ Der Abriss wird noch bis Ende dieser Woche dauern, dann ist die „Tatort“-Villa Geschichte.

Neubau mit Eigentumswohnungen

An ihre Stelle tritt bald nun ein zweigeschossiges Gebäude mit sechs Eigentumswohnungen zu je 100: Quadratmetern Wohnfläche. Alle Wohnungen werden den fantastischen Blick über den Großen Plöner See haben. Für den Neubau laufen laut Architekt Rolf Jeche zurzeit die Ausschreibungen. „Sobald wir alle Firmen zusammenhaben, geht es los“, sagt Jeche.

Susanne Peyronnet

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