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Ostholstein Bahn frei für die Bahnhofssuche
Lokales Ostholstein Bahn frei für die Bahnhofssuche
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20:10 02.02.2017
Verkehrsplaner Fank Büsch von „plan:mobil“ (l.) steht Rede und Antwort. Neben ihm (v. l.) Bürgermeisterin Hatice Kara, Nils Hollerbach (Kreis Ostholstein), Maja Weihgold und Michael Heß (Deutsche Bahn). Quelle: Fotos: Petersen
Niendorf

In sieben bis acht Jahren sollen die Züge auf der neuen Belttrasse von Lübeck nach Puttgarden rollen. „Wir haben fest vor, 2024 in Betrieb zu gehen“, bekräftigte Bahnsprecherin Maja Weihgold am Mittwochabend in Niendorf. Bis dahin müssen also entlang der Neubaustrecke auch neue Haltepunkte entstehen, denn die Bahnstrecke verläuft künftig entlang der A 1. Timmendorfer Strand hat die Wahl: eine eigene Station in Neuhof bei Groß Timmendorf oder eine gemeinsame Station mit Ratekau. Am 23. Februar soll die Gemeindevertretung entscheiden. Auf der Informationsveranstaltung in Niendorf wurden die Vor- und Nachteile abgewogen.

Die Bäderbahn rollt aufs Abstellgleis, ab 2024 sollen Züge auf der neuen Trasse fahren. Macht ein Bahnhof gemeinsam mit Ratekau Sinn?.

Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) hatte dazu die mit der Planung beauftragten Experten geladen. Die gaben zwar keine Empfehlung ab. Fasst man ihre Betrachtungen aber zusammen, spricht mehr für eine gemeinsame Station in Ratekau. Die Fakten: Von Mitte Timmendorfer Strand zur künftigen Station Ratekau sind es 6,7 Kilometer, nach Neuhof 3,9 Kilometer. Für Fußgänger wäre beides zu weit, allenfalls mit dem Fahrrad ließen sich die Strecken halbwegs bequem überwinden, von Hemmelsdorf nach Ratekau oder von Timmendorfer Strand nach Neuhof.

Bei Ratekau drohen Staus

Berufspendler und Schüler als Hauptnutzer des Nahverkehrs sind klar auf Lübeck ausgerichtet. „Ratekau liegt für sie in der logischen Richtung, Neuhof eher abseits“, erläuterte Frank Büsch vom Büro „plan:mobil“, das für Schleswig-Holsteins Nahverkehrsgesellschaft Nah.SH den Nahverkehr in der Lübecker Bucht untersucht hat. Für Touristen und Ausflügler, die bundesweit nur zu zehn bis 15 Prozent mit der Bahn reisen, dürfte es keinen großen Unterschied machen, ob sie in Neuhof oder Ratekau ein- und aussteigen.

Schwachpunkt eines Doppelbahnhofs in Ratekau: Zu Spitzenzeiten in der Hochsaison und an Wochenenden drohen Staus an den Zufahrten zur A 1, in Hemmelsdorf und in Timmendorfer Strand am Kreuzungsbereich zur B 76. Allerdings, so die Verkehrsplaner, überwögen die normalen Verkehrstage die Ausnahmetage bei Weitem. Auf einen weiteren Aspekt machte Roland Neumann von der Agentur „BahnStadt“ aufmerksam, die erste Entwürfe für Stationen in Neuhof und Ratekau entwickelt hat. Im Mittelpunkt stehen kurze Umsteigezeiten zwischen Bus und Bahn, ein barrierefreier Zugang zu den Gleisen, Pendlerparkplätze und gute Sichtbarkeit. Toiletten, großzügige Überdachungen oder ein Kiosk für Reisebedarf sind nicht vorgesehen. Eine gemeinsame Station in Ratekau mit Umlage der Kosten könnte jedoch großzügiger gestaltet werden und mehr bieten, führte Neumann aus. Durch höhere Fahrgastzahlen werde sie auch attraktiver für Serviceangebote. Neumann: „Ein sehr bescheidenes pavillonartiges Gebäude geht nur, wenn die Kosten gebündelt werden.“ Der ausdrücklich als Idee vorgestellte Haltepunkt Neuhof würde grob geschätzt 1,2 bis 1,5 Millionen Euro kosten, wobei der Grunderwerb nicht enthalten ist, ebenso nicht die von der Bahn zu übernehmenden Kosten. Der Entwurf für Ratekau wird auf 2,6 bis 3,5 Millionen Euro beziffert. Darin enthalten seien allerdings auch Kosten für einen Kreisverkehr an der Autobahnzufahrt, erläuterte Neumann.

Hatice Kara ließ Sympathie für einen gemeinsamen Bahnhof erkennen. „Wenn sich zwei Kommunen eine Station teilen, wird es definitiv günstiger“. Auch Ratekau favorisiere eine Doppelstation, berichtete die Bürgermeisterin. Da Neuhof auf Ratekauer Gemeindegebiet liege, habe es auch dafür die Planungshoheit.

Im Publikum gab es kein klares Meinungsbild. Die beiden Dorfvorsteherinnen von Hemmelsdorf und Groß Timmendorf, Bärbel Rieger und Sandra Radünz, äußerten sich pro Ratekau, Frank Theunissen (Neue Perspektive) pro Neuhof. Zu einer Premium-Destination wie Timmendorfer Strand gehöre auch ein eigener ortsnaher Bahnhof. Die Gegner des Doppelbahnhofs verwiesen vor allem auf die schon jetzt hoch belastete L 181 und das Nadelöhr Hemmelsdorf. Wenn sich der Verkehr dort staue, nütze auch der beste Zubringer-Busverkehr nichts. Bestärkt sahen sich die Skeptiker auch durch die Auskunft der Nah.SH, dass bei zwei Stationen der Fernzughalt voraussichtlich Timmendorfer Strand wäre.

Arnold Petersen

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