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Ostholstein Bahn schmeißt Stadtvertreter aus Info-Veranstaltung raus
Lokales Ostholstein Bahn schmeißt Stadtvertreter aus Info-Veranstaltung raus
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16:46 02.05.2019
Großer Andrang bei der Informations-Veranstaltung der Deutschen Bahn. Bahn-Sprecher Peter Mantik spricht vor dem Gebäude mit Besuchern. Quelle: Sebastian Prey
Bad Schwartau

Die Deutsche Bahn hatte am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung in die Gaststätte „Marienholm“ geladen. Rund 150 Bad Schwartauer folgten der Einladung. Die meisten Gäste zeigten sich von der Veranstaltung enttäuscht. Viele waren sogar erbost. Grund: Der Andrang war so groß, dass ein Großteil der Interessierten zunächst vor der Tür warten musste. In der Gaststätte informierten Mitarbeiter der Bahn an vier Thementischen mit den Schwerpunkten Trog, Planung, Lärmschutz- und Erschütterung sowie Bundestags-Befassung. Unrühmlicher Höhepunkt der öffentlichen Veranstaltung war der Rauswurf von zwei Stadtvertretern.

Zwei Stadtvertreter mussten wieder gehen

Kritische Fragen – zumindest von Politikern – waren offenbar nicht erwünscht. So wurden die beiden SPD-Stadtvertreter Hansjörg Thelen und Uwe Beckmann der Gaststätte verwiesen. „Hier werden gezielt falsche Informationen verbreitet“, sagte Beckmann nach seinem Verweis. Er habe lediglich der Darstellung widersprochen, dass bei einer von der Stadt Bad Schwartau favorisierten sieben Meter tiefen Troglösung, Haus- und Grundstücksbesitzer enteignet werden müssen. Bahn-Sprecher Peter Mantik: „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, die hier direkt wohnen und davon betroffen sind. So haben wir die 403 Einladungen auch verschickt. Da können wir die Infotische nicht von Politikern und Beltgegnern blockieren lassen.“ Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU), der unlängst als Mediator im Streit zwischen der Bahn und der Stadt Bad Schwartau gefragt war, wollte den Vorfall nicht weiter kommentieren. Grundsätzlich sei schon viel erreicht worden – die Bahn habe ursprünglich überhaupt keinen zusätzlichen Lärmschutz für Bad Schwartau vorgesehen. „Eskalation ist daher nicht angezeigt, sondern Lösungen, die den Menschen helfen“, erklärte Sager.

Besucher sprechen von einer „taktischen Veranstaltung“

Doch auch bei den Anwohnern wie Wolfgang Rose (68), der bislang das Thema feste Fehmarnbeltquerung und Schienen-Hinterlandanbindung nur in den Medien verfolgt hat, kamen die Informationen an den Tischen nicht gut an. „Ich habe ein Angebot bekommen, möglichst dicht an den Schienen ein Haus zu kaufen, denn da soll es am ruhigsten sein“, sagte Rose süffisant. Günter Semmerow zeigte sich erbost: „So zu informieren, dass nicht alle das Gleiche erfahren, hat doch System. Das hier ist ganz klar eine taktische Veranstaltung der Bahn.“ Bad Schwartaus Bürgervorsteherin Wiebke Zweig (CDU): „Marketing hin oder her, aber so eine Informationsveranstaltung muss schon auf breitere Beine gestellt werden und nicht in kleinen Gesprächen an vielen Tischen gleichzeitig.“ Zum Rauswurf der beiden Stadtvertreter-Kollegen sagte Zweig: „Das ist sicherlich nicht förderlich, um gemeinschaftlich eine Lösung für ganz Bad Schwartau zu finden.“

Laut Bahn-Sprecher sind Informationen aktuell

Stadtvertreter Jürgen Habenicht (CDU) empörte sich: „Es ist ein Unding, 80-Jährige draußen vor der Tür über eine halbe Stunde warten zu lassen. Das ist wirklich eine unglaubliche Planung.“ FDP-Vertreter Martin Broziat war ebenfalls enttäuscht. „Die Bahn informiert uns nicht über den aktuellen Stand der Dinge“, monierte Broziat und bekam diesbezüglich auch von Kreuzritter-Sprecherin Meike Vogel Unterstützung. Bahn-Sprecher Mantik versicherte allerdings: „Was wir hier zeigen, sind die aktuellsten Papiere. Dass die Stimmung insgesamt heute hier nicht gut ist, war zu erwarten. Unser Ziel ist es, zu informieren und mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Das haben wir getan.“

Sechs Meter hohe Lärmschutzwände

Im Streit zwischen der Stadt Bad Schwartau und der Bahn geht es konkret um die Gestaltung des Lärmschutzes. Denn die Stadt wünscht sich eine Tieferlegung der Bahngleise bis auf sieben Meter. Die bei Bahn, Land und Mediatoren favorisierte Lösung sieht dagegen eine Tieferlegung der Gleise vor, deren tiefste Stelle im Bereich Marienholm bei 3,20 Meter liegen soll. Bei der Info-Veranstaltung wurde als Ist-Planungsstand allerdings keine Troglösung, sondern eine durchgängige sechs Meter hohe Schallschutzwand präsentiert. Martina Eschke: „Bei dieser Planung kann Bad Schwartau nur Klage einreichen.“

Kommentar

LN-Redakteur Olaf Bartsch kommentiert den Streit zwischen der Deutschen Bahn und Bad Schwartau:

Da muss man tief durchatmen: Der Streit um den Lärmschutz der Hinterlandanbindung hat mittlerweile skurrile Züge angenommen. Bad Schwartau wünscht die Maximallösung – einen sieben Meter tiefen Trog -, was weder Land noch Bahn für finanzier- und machbar halten. Doch um die Sache geht es längst nicht mehr.

Die Deutsche Bahn hat in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt, wie überfordert der Staatskonzern mit Planung und Folgen für die Region ist. Die Kommunikationsstrategie ist ein einziges Desaster: Mehr durch Zufall erfuhren die Ostholsteiner, dass sie von Dezember an von der EC-Strecke HamburgKopenhagen abgekoppelt werden. Nicht nur auf Fehmarn war man überrascht. Auf einer Infoveranstaltung in Bad Oldesloe wussten die Verantwortlichen gar nichts über Lärmschutz in Stormarn zu sagen – da werde ja nicht neu gebaut.

Was sich jetzt allerdings in Bad Schwartau abgespielt hat, dürfte bisher beispiellos sein. Wer 400 Bürger einlädt, sollte nicht überrascht sein, wenn sich 150 informieren wollen, in einer Gaststätte, die weitaus weniger Plätze hat. Wer dann noch zwei Kommunalpolitiker des Saales verweist, zeigt, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und mit wie wenig Fingerspitzengefühl die Bürger mundtot gemacht werden sollen.

Kommunalpolitiker hätten die Infotische „blockiert“, sagte ein Bahnsprecher zur Begründung. Und als sei schon nicht genug Porzellan zerschlagen worden, legte er auf Facebook noch einmal nach: Einer der beiden Stadtvertreter sei sehr schnell „sehr feuchtfröhlich“ gewesen.

Welche Frechheiten müssen wir uns von der Bahn eigentlich noch anhören? Höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen.

Sebastian Prey

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