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Ostholstein Neue Bahnhaltepunkte: Kommunen in Zugzwang
Lokales Ostholstein Neue Bahnhaltepunkte: Kommunen in Zugzwang
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10:00 16.12.2018
Der jetzige Bahnhof in Oldenburg gehört mittlerweile der Stadt. Sie entscheidet auch über eine Nachnutzung des Gebäudes. Quelle: BINDER
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Ostholstein

Gleise und Bahnsteig kommen von der Bahn – für alles andere an den zukünftigen Bahnhaltepunkten in Ostholstein sind die Gemeinden zuständig. Sie müssen das Drumherum planen, von der Gestaltung des Vorplatzes bis zur Erschließung neuer Zufahrtsstraßen. Und zwar rechtzeitig: Die Bahn verfolgt bei der Schienenanbindung der festen Beltquerung ihren eigenen Zeitplan; die Kommunen müssen zusehen, dass sie mit ihren Maßnahmen nachkommen, damit die Haltepunkte tatsächlich fertig sind, wenn die ersten Züge rollen. Tunnelbauer Femern A/S spricht auch nach dem jüngsten Gerichtsurteil, das die öffentlichen Zuschüsse für das Projekt infrage stellt (die LN berichteten), von einer Eröffnung im Jahr 2028.

Getrennte Verfahren: Zeitdruck für die Gemeinden

„Wir wurden ganz klar aufgefordert, im kommenden Jahr zeitnah die Planung aufzunehmen“, bestätigt Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos). Die Gemeinden seien deutlich darauf hingewiesen worden, dass die Zeit für den Bau der neuen Haltepunkte anderenfalls knapp werde. „Uns wäre es lieber gewesen, die Bahn hätte auch diese Bereiche in ihr Planfeststellungsverfahren mit aufgenommen“, sagt der Verwaltungschef. Es sei schade, dass es stattdessen getrennte Planungs- und Genehmigungsverfahren gebe. „Der Zeitdruck liegt damit bei den Kommunen“, so Voigt. Schließlich sei es für Letztere entscheidend, dass die zukünftige Infrastruktur rechtzeitig fertig sei: „Ich möchte mir keine Situation vorstellen, in der Züge irgendwo im Nirgendwo halten.“

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Auch Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) hatte in der jüngsten Sitzung des Projektbeirats vom Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung darauf hingewiesen, dass man möglichst bald in die konkrete Planung einsteigen müsse. Für Ratekau bedeutet das auch, sich zunächst einmal die Flächen für den zukünftigen Haltepunkt – geplant ist eine gemeinsame Station mit der Nachbargemeinde Timmendorfer Strand – nahe der Autobahnauffahrt zu sichern. Bisher gehören sie der Gemeinde noch nicht. Sein Gefühl dabei sei schon etwas merkwürdig, so Keller: „Irgendwie ist das Projekt noch so weit weg, aber wenn wir uns jetzt nicht darum kümmern, wird am Ende die Zeit zu knapp.“

Vorplanung soll Anfang 2019 abgeschlossen sein

Aktuell läuft für die Bahnhaltepunkte entlang der neuen Trasse die Vorplanung: Die Agentur „BahnStadt“ hat im Auftrag von Nah.SH Entwürfe für die Gestaltung entwickelt, bei der auch erste Vorstellungen der Kommunen bereits berücksichtigt wurden. „Wir haben uns mit den Gemeinden abgestimmt und Wünsche mit aufgenommen“, berichtet Architekt Roland Neumann. Auch mit dem Kreis habe es Gespräche gegeben, etwa zum Busverkehr. Anfang 2019 soll die Vorplanung abgeschlossen sein, für das endgültige Konzept müssen die Kommunen anschließend selbst Planer beauftragen. Die Gemeinden seien „gut beraten, zügig weiter zu machen“, so Neumann. Die Bahn sei bereits sehr weit; schon jetzt hinke die Planung des Bahnhofs-Umfeldes etwas hinterher.

Bahn-Konzept eingereicht

Das Konzept für die Schienenanbindungder festen Fehmarnbeltquerung hat die Bahn Ende November beim Bundesverkehrsministerium eingereicht. Die Unterlagen sollen als Grundlage für den Beschlussvorschlag für den Bundestag dienen.

Auch ein Forderungskatalog der Kommunen ist dabei, soll nach allgemeiner Auffassung in Ostholstein jedoch fortlaufend angepasst werden. Bahn und Gemeinden haben sich mittlerweile in vielen Punkten auf Kompromisslösungen verständigt, in einigen Punkten – etwa beim Bahnübergang in Bad Schwartau – gibt es jedoch nach wie vor keine Einigung (die LN berichteten).

Mehr zur geplanten Bahntrasse gibt es unter www.anbindung-fbq.de.

Bisher ging und geht es in den jeweiligen Gremien vor allem um die Anbindung. In vielen Kommunen hat die Politik bereits den Aus- oder Neubau von Straßen und Wegen beschlossen, die künftig zum Bahnhof führen sollen. Heiligenhafen und Großenbrode, die im Zuge der neuen Bahntrasse einen gemeinsamen Haltepunkt auf Großenbroder Gemeindegebiet bekommen sollen, arbeiten sogar schon gemeinsam an einem Bürgerbuskonzept für Fahrten zum und vom Bahnhof. „Wir sind schon voll in die Planung eingestiegen“, berichtet Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDU). Auch die Erschließung des Haltepunkts hätten die Nachbarkommunen miteinander abgestimmt und seien dabei, die entsprechenden Beschlüsse zu fassen.

Kommunen schließen sich zusammen

Noch nicht ganz so weit sind Ratekau und Timmendorfer Strand. „Wir haben uns erst vor Kurzem für den gemeinsamen Haltepunkt entschieden“, erinnert Timmendorfs Bürgermeister Robert Wagner (parteilos). Man werde das Konzept für den Bahnhof aber sicherlich zusammen entwickeln.

Alle betroffenen Kommunen haben sich derweil bereits darauf verständigt, für die weitere Planung gemeinsam ein Büro zu beauftragen. Ebenfalls gemeinsam soll dafür ein Antrag auf eine Förderung der Kosten gestellt werden. Der Zusammenschluss sei auf jeden Fall sinnvoll, sind sich die Beteiligten einig. Nicht zuletzt könnten auf diese Weise Ideen und Hinweise aus einer Gemeinde direkt für alle Haltepunkte geprüft werden.

Jennifer Binder

16.12.2018
15.12.2018