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Ostholstein Barrierefreiheit steht noch am Anfang
Lokales Ostholstein Barrierefreiheit steht noch am Anfang
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16:23 29.04.2019
Wie fährt es sich mit einem Standard-Rollator und wie mit einem Leichtgewicht-Rollator auf Holperpflaster? Carsten Behnk und Bürgervorsteher Dieter Holst gewannen am Stand von Dirk Görtz von der Ostsee Medizintechnik (v. l.) einen Eindruck. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Wie sieht es mit der Barrierefreiheit in Ostholstein aus? Was können Schulen und Betriebe dafür tun, und was leisten sie bereits? Mit diesen Fragen befasste sich eine Gesprächsrunde in der Beruflichen Schule des Kreises in Eutin. Schulleiter Carsten Ingwertsen-Martensen begrüßte dazu Dr. Hiltrud Weddeling von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh), Lena Middendorf von der Lebenshilfe Ostholstein sowie Landrat Reinhard Sager (CDU) und Eutins Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos). Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt moderierte das Gespräch.

Aktionspläne beim Kreis und der Stadt Eutin

Eine Veranstaltung wie diese sei schon mal ein gutes Beispiel für Inklusion, sagte Lena Middendorf. Reinhard Sager sagte: Der Kreis Ostholstein habe als einer der ersten in Schleswig-Holstein einen Aktionsplan Inklusion aufgelegt. „Und Eutin ist mit einem eigenen Aktionsplan hinterhergesprungen“, berichtete Carsten Behnk. Wie Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht wird, wurde an einigen Beispielen verdeutlicht: durch eine Gehführung für Sehbehinderte im Kreishaus und die Schulung der Mitarbeiter in leichter Sprache; den Eutiner Aktionsplan in leichter Sprache; taktile Rillen in der Eutiner Peterstraße; ertastbare Reliefpläne, um sich Eutin erschließen zu können; einen neuen Aufzug für die Berufliche Schule.

Barrierefreiheit bei allen Neubauten einplanen

„In Eutin versuchen wir, bei allen neuen Baumaßnahmen möglichst Barrierefreiheit sicherzustellen. Darauf wird auch bei der Sanierung der Historischen Reithalle geachtet. Wir bemühen uns, für Gremien-Sitzungen barrierefreie Sitzungssäle zu finden. Das ist aber bei unseren denkmalgeschützten Gebäuden nicht leicht“, sagte Carsten Behnk. Immerhin tagt der Mobilitätsbeirat im Haus der Stadtwerke, wo der Sitzungssaal mit einem Fahrstuhl zu erreichen ist. „Wir wollen uns gerade um Fußgängerampeln bewerben, an denen Sehgeschädigte akustische Signale bekommen“, kündigte der Bürgermeister weiter an.

Barrierefreiheit ist Lebensqualität für alle“

„Bei Stadtentwicklung muss Barrierefreiheit gleich mitgedacht werden. Das ist Lebensqualität für alle“, erklärte Lena Middendorf. Sie bedauerte, dass etliche Menschen das Wort „Inklusion“ nicht kennen würden und es für viele auf das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung beschränkt sei.

Inklusion und Barrierefreiheit nehmen im Unterricht der Beruflichen Schule Eutin immer größeren Raum ein

In der Beruflichen Schule werde Inklusion bereits in die Ausbildung mit hineingenommen, sagte Carsten Ingwertsen-Martensen. Elektroniker und andere Auszubildende müssten in der Lage sein, ein behindertengerechtes Haus zu bauen oder in Teilen zu bauen. Er verwies auf das Leuchtturmprojekt seiner Schule, „Das barrierefreie E-Haus“. „Wir planen ein ’Landeskompetenzzentrum für barrierefreies und seniorengerechtes Leben und Pflegen’, das wird bundesweit einzigartig sein“, sagte er. Einbezogen werden sollten auch die anderen Ausbildungszweige der Schule: Bauhandwerk, Gesundheitskaufleute, kaufmännische Berufe, Pflegeassistenten. „Wir haben als Bildungseinrichtung eine ganze Menge vor“, sagte der Schulleiter.

Inklusion als Wirtschaftsmotor

Für die Wirtschaft bedeute Inklusion „ein großes ökonomisches Potenzial“, sagte Hiltrud Weddeling. „Wir haben einen Mangel an Arbeitskräften und brauchen alle in der Gesellschaft. Deshalb müssen auch alle die Möglichkeit zur Teilhabe bekommen.“ Sie sehe eine große Chance für Betriebe: „Sie müssen Inklusion mitdenken! Es gibt auch Fördermöglichkeiten“, erinnerte sie. Die Egoh-Projektentwicklerin verwies auch auf den demografischen Wandel. „Barrierefreiheit ist ein Wachstumsmarkt. Es gibt eine ständige Weiterentwicklung der Alltagshelfer. Ostholstein ist einer der Kreise mit der ältesten Bevölkerung. Betriebe, die sich auf diese Klientel einstellen, haben Erfolg und können wirtschaftlich punkten.“

Das ist Inklusion

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat im Jahr 2008 „Inklusion“ als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt. Inklusion stammt aus dem Lateinischen und heißt Enthaltensein. Es bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Alle Teilnehmer der Gesprächsrunde zeigten sich einig darin, dass Inklusion und Barrierefreiheit nur gemeinschaftlich angegangen und bewältigt werden könnten. Praktische Alltagshelfer testeten sie im Anschluss bei einem Rundgang durch die Schule. Stationen mit Rollstuhl-Parcours, Rollatoren-Hindernissen und Alterssimulationsanzug verdeutlichten die Anforderungen und Perspektiven eines barrierefreien Lebens.

Ulrike Benthien

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