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Ostholstein Belttunnel: Marine soll Minen aufspüren
Lokales Ostholstein Belttunnel: Marine soll Minen aufspüren
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07:39 13.07.2017
Die Minentaucherkompanie der Deutschen Marine könnte auch im Belt zum Einsatz kommen. Quelle: Foto: Marcus Brandt/dpa
Lübeck

 Der Forderung von BUND und Nabu, dass die Marine vor Baubeginn bei der erneuten Suche nach Minen helfen solle, zeigte sich Femern A/S aber aufgeschlossen.

Bauherr Femern A/S geht aber nicht von Kampfmitteln im Trassenkorridor aus.

Deren Tunnelexperte Matthias Laubenstein erklärte den LN: „Die bisherigen Recherchen und Untersuchungen lassen keinen Hinweis auf ein Vorkommen von Kampfmitteln und Munitionsresten im zukünftigen Trassenkorridor erkennen.“ Unabhängig davon werde die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden fortgesetzt.

Darüber hinaus würden die Bauunternehmer vertraglich verpflichtet, zu Beginn der Bauarbeiten den bisherigen Wissensstand über die Kampfmittelfreiheit nicht nur noch einmal zu bewerten, sondern den Baugrund selbst detailliert zu untersuchen. Sollten sich entgegen der Erwartungen Verdachtsmomente hinsichtlich Kampfmitteln ergeben, würden die Bauarbeiten im Bereich unverzüglich eingestellt.

Sodann sei mit den zuständigen Behörden über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Die Expertise von Femern A/S fußt auch auf der Einschätzung des Kampfmittelräumdienstes des Landeskriminalamtes (LKA), die den LN vorliegt. Darin wird eine Freigabe für den Fehmarnbelt erteilt. Begründung: Im Trassenverlauf oder in der unmittelbaren Nähe befindet sich kein bekanntes Munitionsversenkungsgebiet. Dem Kampfmittelräumdienst sind beginnend im Jahr 1978 zwölf Munitionsmeldungen bekannt, die sich auf den Fehmarnbelt beziehen. Bei diesen Funden handelt es sich überwiegend um deutsche Wasserbomben. Keiner dieser Munitionsfunde befand sich im geplanten Trassenverlauf. Dennoch konnte laut LKA nicht ausgeschlossen werden, dass Munition im Trassenkorridor liegen könnte. Deshalb wurde dort eine Sonaruntersuchung durchgeführt. Alle aufgefundenen Objekte wurden identifiziert. Dabei wurden keine Kampfmittel festgestellt. Ein Bodengutachten über den geplanten Trassenverlauf habe zudem ergeben, dass es sich bei dem Meeresgrund um festen, sandigen Boden handelt, in dem Minen und andere Munition nicht einsinken können. Kampfmittel seien im Ostsee-Sediment daher nicht zu erwarten.

Diese Sichtweise teilt der Nabu aber nicht. Allein im Vorjahr seien an Fehmarns westlicher Küste bis an die Tunneltrasse heran 46 Minen gefunden worden (LN berichteten). Sprecher Ingo Ludwichowski: „Es herrscht in der Fachwelt Unverständnis über die Aussagen des Kampfmittelräumdienstes.“ Es sei demnach das vielleicht einzige Wassergebiet weltweit, das als munitionsfrei erklärt wurde. Ludwichowski nannte beispielhaft die Kieler Förde. Dort seien mit neuester Technologie 30 Minen gefunden worden. Bei einer zweiten Suche seien weitere Minen hinzugekommen – es gebe auch im Belt keine Sicherheit. Auch sei keine Einbeziehung historischer Quellen wie Minenabwürfe und Kampfhandlungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs eingeflossen. Unvollständig sei die Darstellung der Funde.

Das Jahr 2016 sei beispielsweise nicht enthalten. Nicht geklärt sei auch, wie die baubegleitenden Untersuchungen konkret ausfielen.

Der Nabu stellt Forderungen, wie die Festschreibung des Prinzips: Bergung vor Sprengung. Bei scharfen Großkampfmitteln wie Grundminen soll eine Absprengung der Zünder und anschließend die Beseitigung an Land erfolgen. Wichtig bei einer Sprengung im Wasser sei zunächst eine Vergrämung der Fische, dann der Einsatz eines Blasenschleiers zur Reduktion des Schalldrucks. Ludwichowski:

„Alles andere wäre eine tödliche Gefährdung der Fische.“

 Peter Mantik