Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Belttunnel: So sieht die Baustelle in Rødby aus
Lokales Ostholstein Belttunnel: So sieht die Baustelle in Rødby aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:33 02.08.2019
Auf dem Baustellen-Areal für den Belttunnel bei Rødby sind die Vorbereitungen angelaufen. Der technische Direktor von Femern A/S, Henrik Christensen, erläutert Kiels Verkehrsminister Bernd Buchholz und dem dänischen Verkehrsminister Benny Engelbrecht (v.r.) die Arbeiten. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Anzeige
Rødby

Auf der dänischen Insel Lolland sind die Vorbereitungen für den Bau der festen Fehmarnbeltquerung bereits weit fortgeschritten. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) hat sich am Donnerstag mit seinem neuen dänischen Amtskollegen Benny Engelbrecht die Baustelle bei Rødby angesehen. Der technische Direktor bei Femern A/S, Henrik Christensen, erläuterte den Ist-Stand sowie die nächsten Schritte auf der Baustelle. Was deutlich wurde: Die Dänen arbeiten strikt nach Zeitplan. Sie rechnen weiterhin mit einer Eröffnung des Tunnels 2028.

Eigener Hafen zum Verschiffen der Tunnelelemente

Nur wenige Minuten Autofahrt vom Fähranleger entfernt liegt in östlicher Richtung das zwölf Quadratkilometer große Areal, das sich in naher Zukunft in eine Großbaustelle für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels verwandeln soll. Bereits jetzt werden Wege angelegt und es finden Arbeiten zur Entwässerung des Baustellen-Areals mittels Pumpenstation und Entwässerungsgräben statt. Das wohl größte Vorhaben: Laut Henrik Christensen soll dort, wo heute nur Wasser und Grünfläche zu sehen sind, noch innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Arbeitshafen gebaut werden – immerhin einen Kilometer lang –, über den Baumaterialien angeliefert, vor allem später aber die Tunnelelemente verschifft und in der Ostsee versenkt werden können.

Anzeige

Gebaut werden diese Tunnelelemente in Fabrikhallen, die ebenfalls auf dem Gelände entstehen werden. Die Arbeiter sollen in direkter Nähe in einer Art eigenem Dorf untergebracht werden. Wie viele Arbeiter das einmal genau sein werden, hänge von den dann tätigen Firmen ab; man gehe aktuell von bis zu 3000 aus. Die ersten 20 Unterkünfte sollen noch in diesem Jahr gebaut werden. Wenn dann mit der Zeit mehr Arbeiter kommen, werden die Bauunternehmen ihre Unterkünfte dort selbst errichten.

Der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz und der dänische Verkehrsminister haben sich angesehen, wie weit die Dänen beim Belttunnel schon sind.

Buchholz überzeugt vom Bau des Tunnels

Buchholz zeigte sich beeindruckt von diesem „sportlichen Fahrplan“ der Dänen. Gegenwärtig finden auf deutscher Seite allenfalls erste Maßnahmen zum Naturschutz – wie der Bau eines Amphibienzauns – statt. Man wolle bereit sein, sagte Christensen, und nicht mit Vorbereitungsmaßnahmen Zeit verlieren, wenn die Baugenehmigung in Deutschland vorliege. Benny Engelbrecht, dessen sozialdemokratische Minderheitsregierung den Tunnelbau genauso unterstützt wie die vorherige Regierung, ergänzte: Gerade weil das so ein großes Projekt sei, sei es wichtig, jetzt anzufangen.

Die Dänen gehen von einem tatsächlichen Baustart in Deutschland im Jahr 2021 aus. Auch Buchholz nimmt an, dass das möglich ist. Er betonte bei seinem Besuch die Bedeutung der festen Fehmarnbeltquerung für das Zusammenrücken Skandinaviens mit Zentraleuropa. Trotz der noch nicht entschiedenen Klagen auf deutscher Seite sei er überzeugt, dass das Projekt realisiert werde. Buchholz: „Der Tunnel wird kommen, vielleicht mit etwas zeitlicher Verzögerung, aber er wird kommen.“

Klagen gegen das Projekt

Geklagt haben in Deutschland der Naturschutzbund, die Reederei Scandlines, das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung sowie mehrere Städte und Gemeinden – letztere vor allem, um zu verhindern, dass Züge auf der Schienenhinterlandbindung verkehren, bevor ausreichende Lärmschutzmaßnahmen eingerichtet sind. Im Zusammenhang mit dem Lärmschutz entlang der Trasse hatte Buchholz jüngst heftige Kritik an CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geübt, weil sein Ministerium nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestschutz gewähren will. Auch in Dänemark betonte Buchholz: „So kann man mit dem Dialogforum nicht umgehen.“ Er erwarte, dass das Belttunnel-Projekt mit der Hinterlandanbindung genauso behandelt werde wie die Rheintalbahn in Südbaden. 1,5 Milliarden Euro hatte der Bund dort extra hineingesteckt. Bei der Schienenhinterlandanbindung geht es um etwa 500 Millionen Euro.

Luisa Jacobsen