Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Belttunnel: Was Femern A/S für die Natur tun muss
Lokales Ostholstein Belttunnel: Was Femern A/S für die Natur tun muss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:31 12.07.2019
Luftbild eines Teils des Ökokontos Gömnitzer Berg von Mai 2010. Wo damals größtenteils Ackerflächen waren, sind heute Weiden. Quelle: Ausgleichsagentur SH (HFR)
Ostholstein

Der Fehmarnbelttunnel, das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas, geht mit massiven Eingriffen in die Umwelt zu Land und zu Wasser einher. Zum Ausgleich muss der Bauherr, Femern A/S, Kompensationsmaßnahmen realisieren.

Eine Möglichkeit sind Öko-Konten. Was abstrakt klingt, sind reale Flächen – größtenteils in Ostholstein – die ökologisch aufgewertet werden. Eines dieser Gebiete sind Flächen am Gömnitzer Berg, gelegen zwischen Neustadt und Eutin. Dort wurde unter anderem ehemaliges Ackerland in Weideflächen umgewandelt.

Das Ziel: Weniger Nährstoffeintrag in die Ostsee

„Insgesamt 27 Öko-Konten mit einer Gesamtfläche von mehr als 200 Hektar und einem Naturschutzwert von mehr als zwei Millionen Ökopunkten hat Femern A/S erworben“, sagt Judith Flamme, Projektmanagerin für den Bereich Umwelt.

Vorrangiges Ziel der auf diesen Flächen umgesetzten Maßnahmen sei es, den Nährstoffeintrag in die Ostsee zu verringern, um so die Wasserqualität zu verbessern.

„Das funktioniert zum Beispiel über diese Umwandlung von Ackerflächen“, sagt Flamme. Denn wo nicht gedüngt werden muss, werden in die Ostsee fließende Gewässer weniger belastet.

Eigentümer der Ausgleichsflächen ist Femern A/S bei den Öko-Konten aber nicht. Das insgesamt 56 Hektar große Areal am Gömnitzer Berg ist beispielsweise seit rund zehn Jahren in Besitz der landeseigenen Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Sie ist zuständig für die Aufwertung des Gebietes, der Tunnelbauer refinanziert die Maßnahmen.

Sollte der Belttunnel gebaut werden?

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Sollte der Belttunnel gebaut werden?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

14 Teiche angelegt

Verantwortlich für dieses Gebiet ist Heike Henning von der Stiftung Naturschutz. „14 Teiche wurden dort als neue Lebensräume für Amphibien und Vögel angelegt“, berichtet sie. Unter anderem für den streng geschützten Moorfrosch und Kammmolch, die dort nun wieder leben würden.

Auch Vogelarten wie Baumpieper, Gartenrotschwanz, Feldlerche und Goldammer seien heimisch geworden. Insgesamt zähle man 46 Vogelarten plus durchziehende Vögel in dem Gebiet. Insekten profitierten dazu vom Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie dem feuchten Lebensraum, der durch die Teiche geschaffen werde.

Eine Aufnahme aus dem Mai 2019: Die Stiftung Naturschutz hat das Areal am Gömnitzer Berg aufgewertet. Jetzt bestimmen Weideflächen die Landschaft. Quelle: Ausgleichsagentur SH/HFR

Weitere Maßnahme: Wiederherstellung eines Riffs vor Fehmarn

Erworben werden die Ausgleichsflächen größtenteils über die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, eine Tochtergesellschaft der Stiftung Naturschutz. „Wir arbeiten aber auch mit der Landwirtschaftskammer oder privaten Anbietern zusammen“, sagt Flamme von Femern A/S.

Generell könne jeder Landwirt Areale als Ausgleichsflächen anbieten. Die zuständige Untere Naturschutzbehörde muss ein Öko-Konto als solches aber anerkennen und ist dann auch für die Überprüfung der Ziel-Einhaltung zuständig.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Grafiken zur Planung des Belttunnels zwischen Fehmarn und Dänemark zu sehen!

Schutzzaun für Kammolche steht bereits

Neben der Öko-Konten wird Femern A/S künftig weitere Kompensationsmaßnahmen umsetzen – das ist Voraussetzung für die Baugenehmigung. Dazu gehört unter anderem die Wiederherstellung eines Steinriffs in der Ostsee östlich von Fehmarn. „Dort wurde jahrzehntelang Steinfischerei betrieben“, sagt Judith Flamme.

Mit der Wiederherstellung soll Tieren und Pflanzen ein Lebensraum zurückgegeben werden. Bereits umgesetzt wurde ein Schutzzaun für Kammmolche auf Fehmarn, der die Tiere später vor den Gefahren auf der Baustelle schützen soll. Hinzu kommen Ausgleichsflächen für mitunter gefährdete Vogelarten wie Feldlerche, Sandregenpfeifer und Kiebitz sowie Nisthilfen für die Hohltaube, oder Feldlerche, deren Lebensraum durch den Tunnelbau beeinträchtigt wird.

Naturschützer rechnen mit massiven Schäden

Den Erfolgen auf Ausgleichsflächen wie am Gömnitzer Berg stehen Eingriffe in die Umwelt gegenüber, die nach Einschätzung des Naturschutzbundes (Nabu) umfassender sein werden, als vom Tunnelbauer prognostiziert. Wenn ein 100 Meter breiter, mehr als 60 Meter tiefer und 20 Kilometer langer Krater gebaggert werden müsse, um wie geplant die Tunnelelemente zu versenken, habe das nach Auffassung des Nabu, der bereits Klage gegen die feste Fehmarnbeltquerung eingereicht hat, temporäre und nachhaltige Auswirkungen auf diverse Arten und Lebensräume im Fehmarnbelt. In einem kürzlich vorstellten Gutachten begründet der Nabu zudem, warum der Tunnelbau für Pkw- und Bahnverkehr aus ihrer Sicht nicht zu rechtfertigen ist. 

Wichtige LN-Berichte zum Belttunnel und der Hinterlandanbindung

Juli 2019: Darum klagt der Nabu gegen den Belttunnel

Mai 2019: Vorbereitung für den Bau des Belttunnels beginnt auf Fehmarn

Januar 2019: Besuch in Hamburger Zentrale: Diese Menschen planen Ostholsteins Bahn-Zukunft

Dezember 2018: EU-Gericht entscheidet, dass die Staatsbeihilfen für den Belttunnel überprüft werden müssen

Oktober 2018: Das sagt der Grüne-Umweltminister Jan Philipp Albrecht im LN-Interview zum Belttunnel

Oktober 2018: Zoff um Brandschutz im Tunnel – bei einem Feuer wäre die Stadt Fehmarn zuständig

Dezember 2017: So wollen die Wacken-Bosse am Belttunnel mitverdienen

Juli 2017: Wie gefährlich sind Minen aus dem Zweiten Weltkrieg für den Tunnelbau?

Juni 2017: So plant Femern A/S den Tunnelbau – Mit Video und Bildergalerie

Juni 2017: Dieses Riff wollen Meeresbiologen als Ausgleichsmaßnahme ertüchtigen

Dezember 2016: Zeit- und Kostenplan beim Belttunnel drohen aus dem Ruder zu laufen

Oktober 2016: 109 Millionen extra! So soll die Trasse zur Superschiene werden

September 2016: Kurswechsel: Die schleswig-holsteinischen Grünen sind jetzt nicht mehr gegen den Belttunnel

August 2016: Sechs Jahre voller Tests: Dieser Beton soll beim Belttunnel verwendet werden

November 2015: Pro und Kontra – das sind die Argumente von Befürwortern und Gegnern

Bildergalerie: So plant Femern A/S die Sicherheit im Belttunnel

Viele weitere Berichte über das gigantische Verkehrsprojekt sammeln wir auf dieser Themenseite

Luisa Jacobsen

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine 51-Jährige wurde beim Überqueren der Straße von einem Fahrzeug erfasst. Die Frau blieb unverletzt, ihr Elektro-Rollstuhl wurde allerdings beschädigt. Die Polizei sucht dringend nach Zeugen des Vorfalls.

12.07.2019

Gerlind Kudling ist neue Integrationslotsin beim SV Heringsdorf. In dem kleinen Verein sind rund ein Drittel der Aktiven Geflüchtete und Migranten. In ganz Ostholstein gibt es jetzt fünf Integrationslotsen.

12.07.2019

Michael Isensee vom Deutschen Brotinstitut untersucht gerade auf Fehmarn Backwaren auf Krume und Kruste. Sieben Bäckereien aus der Region unterziehen sich der freiwilligen Beurteilung.

12.07.2019