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Ostholstein „Benjamin“ flutet die Küste
Lokales Ostholstein „Benjamin“ flutet die Küste
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18:36 09.01.2019
Hochwasser in Heiligenhafen. Die Häuser auf dem Graswarder sind trockenen Fußes nicht mehr zu erreichen.
Hochwasser in Heiligenhafen. Die Häuser auf dem Graswarder sind trockenen Fußes nicht mehr zu erreichen. Quelle: Markus Billhardt
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Ostholstein

In der vergangenen Woche war es „Zeetje“, jetzt stürmte „Benjamin“ mit orkanartigen Böen über Ostholstein hinweg. Probleme an den Küsten bereitete dabei weniger seine Windstärke als die von Westen heranrollenden Wellen und der immer weiter steigende Pegelstand der Ostsee. Auf Fehmarn kam es zu Überschwemmungen in der Lemkenhafener Bucht – unter anderem musste die knietief unter Wasser stehende Verbindungsstraße nach Westerhagen wieder mit einer Schranke gesperrt werden. In Heiligenhafen blickten alle voller Sorge auf die Warderbereiche, die es bereits bei „Zeetje“ hart getroffen hatte. Und nicht nur die Küste bekam den Sturm zu spüren: In Bad Schwartau stand erneut der Kurpark unter Wasser.

Sturmtief „Benjamin“ lässt die Ostsee überlaufen

Sundbrücke offen, aber Stege unter Wasser

Überspülte Schiffsstege und Uferbereiche, gesperrte Straßen, weggespülte Strände – Sturmtief „Benjamin“ zeigte noch einmal, was ein echter Januar-Sturm ist. Während es an der Westküste noch Orkanböen mit mehr als 110 Stundenkilometer (12 Beaufort) gab, hatte sich das Tief im Bereich von Ostholstein aber bereits weitgehend beruhigt. So weit, dass die Fehmarnsundbrücke auch für leere Lkw und Pkw mit Anhängern nicht mehr gesperrt werden musste, der Verkehr floss ungehindert in beide Richtungen. Nur ein vereinzelter Auflieger stand noch auf dem Auffangparkplatz bei Großenbrode und wartete auf seine Zugmaschine.

Das Ostseewasser drückte mächtig in die Fehmaraner Häfen. In Lemkenhafen standen die Stege ebenso unter Wasser wie in Fehmarnsund und Burgstaaken. Glücklich der, der sein Fischerboot trockenen Fusses über einen Schwimmsteg erreichen konnte. An Angelboote wie die MS „Silverland“ musste allerdings eine Leiter angestellt werden, um sie überhaupt betreten zu können.

Hochwasserschutz besteht Härtetest

Wieder hart traf es die Küste Heiligenhafens. Zwar nicht ganz so extrem wie noch vor Wochenfrist schlug die Ostsee hier auf, mit etwa 1,30 Meter über Normal waren es rund 40 Zentimeter weniger als bei „Zeetje“, doch die Wellen taten ihr Übriges. „Das Meer kam bei den Salzwiesen wieder relativ zügig über die Düne. Der Ferienpark blieb aber trocken“, betonte Bauamtsleiter Roland Pfündl. Zu verdanken sei dies dem Hochwasserschutz, der gut funktioniere. Die Schäden im städtischen Bereich seien überschaubar. Anders sei dies an einer anderen Stelle.

Eingeschlossen von den Wassermassen war die Zufahrt zum Graswarder gesperrt. Für den Bereich komme es wieder ganz bitter, sagte Pfündl. Ein Fazit könne aber erst am Tag danach gezogen werden. Für Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) ist klar, dass man sich mit den Hauseigentümern auf dem Graswarder zusammensetzen muss, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Irgendwann seien sonst die Häuser weg, erklärte er. Darüber hinaus überschwemmten wieder die Stege im Jachthafen, die Promenade blieb allerdings bis auf ein kleines Stück diesmal trocken.

Feuerwehr erstellt Leitfaden für Anwohner

Die Feuerwehr Neustadt arbeitet nach den jüngsten Überflutungen an einem Leitfaden für die Bevölkerung. „Wer direkt an der Hafenkante wohnt, wird auch in Zukunft damit rechnen müssen, dass sein Haus von Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen wird“, sagt Wehrführer Alexander Wengelewski. Er appelliert an Betroffene, sich – wie etwa die Anwohner der Lübecker Obertrave – auf solche Eventualitäten vorzubereiten und auch in Eigenleistung Schutzmaßnahmen zu treffen. Mit dem Leitfaden will die Feuerwehr entsprechende Tipps geben.

Die Neustädter Einsatzkräfte selbst waren am Mittwoch gut vorbereitet. Regelmäßig kontrollierten sie gefährdete Bereiche. „Wir sind für alles gerüstet“, sagte Wengelewski am Vormittag. Die Feuerwehr könne bei Bedarf auf 3000 vorbereitete Sandsäcke zugreifen; außerdem habe die Stadt eine Füllmaschine, um zur Not für Nachschub zu sorgen.

Insgesamt blieb die Lage in der Stadt bei der zweiten Sturmflut innerhalb einer Woche aber ruhig. Der Pegel stieg auf etwa 1,25 Meter über dem Normalwert. Die kleinen Stege im Binnenwasser wurden überflutet, ein Fischerboot lief mit Wasser voll und sank. Anders als beim letzten Mal trat das Wasser aber kaum über die Ufer; es mussten keine Straßen gesperrt oder Fahrzeuge abgeschleppt werden.

Strandwege gesperrt, Spundwände im Einsatz

In Timmendorfer Strand kam das Wasser zwar bis an die Dünen. Doch Maßnahmen leitete die Gemeinde nicht ein. Es blieb weitestgehend ruhig. Auch der Hafen in Niendorf blieb von Überschwemmung verschont. Es fehlten etwa 20 Zentimeter, ansonsten wäre das Wasser über die Hafenkante geschwappt und hätte wie bei „Zeetje“ die Buden an der Kaimauer unter Wasser gesetzt. Gegen 12 Uhr erreichte der Pegel von etwa 1,30 Metern über Normalnull in der Gemeinde seinen Höhepunkt. „Die Spundwände im Niendorfer Hafen wurden eingesetzt“, sagte die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin Sonja Balschun am frühen Nachmittag. Dabei blieb es. „Alles entspannt“, sagte Balschun.

In Scharbeutz waren einige Pfade zum Strand durch Flatterband abgesperrt, die Spundwände zum Schutz vor Hochwasser an den Strandzuwegen eingesetzt. Die Ostsee drückte über den Strand hinweg bis an die Dünen. Doch auch dort waren die Auswirkungen nicht so gravierend wie bei „Zeetje“.

lg, mb, jen, bz