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Ostholstein Betrügerische Seniorin muss für fast vier Jahre ins Gefängnis
Lokales Ostholstein Betrügerische Seniorin muss für fast vier Jahre ins Gefängnis
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18:40 27.08.2019
Schöffen- und auch Amtsgericht Lübeck sind derzeit in Containern untergebracht. Eine 69-Jährige ist dort wegen Betruges zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Quelle: Sabine Latzel
Ostholstein/Lübeck

„Sie haben nahezu Ihr ganzes Leben auf der Begehung von Betrugstaten gegründet“: Mit diesen Worten erläuterte Richterin Sabine Jansen das Urteil gegen Heidrun K. (Name geändert): Die 69-Jährige muss wegen gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Sie hat 2018 in Ostholstein Vermieter von Ferienwohnungen, Hoteliers, Autohändler, Möbelhäuser, einen Makler und einen Dachdecker-Betrieb auf deren Rechnungen sitzen lassen. Wegen ähnlicher Taten ist Heidrun K. bereits 18-fach vorbestraft.

Sie „kaufte“ ein Haus, teure Möbel und einen SUV

„Die Angeklagte hat in kürzester Zeit eine Vielzahl von Schäden angerichtet“, erklärte Staatsanwalt Markus Wendt, dessen Antrag das Lübecker Schöffengericht gefolgt war. In Bezug auf das „Wirken“ von Heidrun K. in Ostholstein im vergangenen Jahr meint das: Sie mietete Ferienwohnungen in Grömitz, Scharbeutz und Haffkrug, ohne zu zahlen (Schaden: 4300 Euro). Sie wohnte mit ihrem Mann in Hotels in Grömitz und Neustadt (ebenfalls 4300 Euro), „kaufte“ ein Haus in Grömitz und blieb die Maklergebühren von 26 000 Euro schuldig, vom Kaufpreis (390 000 Euro) einmal ganz abgesehen. Sie bestellte Möbel (3100 Euro) und eine Terrassen-Überdachung für dieses Haus (8900 Euro). Zudem versuchte sie mehrfach, bei Autohäusern in der Region PS-starke SUVs zu bekommen, was ihr in einem Fall auch gelang.

Heidrun K. sei meist „überzeugend“ aufgetreten, berichteten einige ihrer Opfer. Sie ist äußerlich unauffällig, untersetzt und nicht übermäßig gepflegt. Streckenweise unterhielt sie eine Beziehung zu gleich zwei Männern. Einer von ihnen: Walter K. (Name geändert), der sie 2016 über eine Kontaktanzeige kennenlernte und sie 2017 heiratete. „Ich wusste nichts über sie“, berichtete er vor Gericht, aber er sei ihr gefolgt, „blind bis zum Gehtnichtmehr“.

Odyssee durch Ferienwohnungen in Deutschland

Zunächst ging es dabei in die Nähe von Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern), wo Heidrun K. ein Haus mietete, „das ist eine schöne Gegend“, sagte Walter K. Ob seine Frau die Miete auch gezahlt habe und wovon, wisse er nicht. Von dort zogen sie nach Angeln im Norden Schleswig-Holsteins, wo Heidrun K. ein Haus „kaufen“ wollte. Den Vertrag unterschrieben habe er, räumte Walter K. ein, „obwohl ich ja gar kein Geld hatte“.

Deshalb musste das Paar das neue Heim auch rasch wieder verlassen. Nach einer Odyssee durch mehrere – nicht bezahlte – Ferienwohnungen in Süddeutschland habe ihn seine Frau in einer Ferienwohnung in Hessen „abgeladen“, schilderte Walter K., und sei selbst nach Schleswig-Holstein gefahren, um dort als Putzfrau zu arbeiten. Im Anschluss an den Rauswurf aus der hessischen Ferienwohnung habe er sich zu Fuß Richtung Niedersachsen aufgemacht. Seine Frau habe ihm noch geraten, in Hannoversch Münden bei der Bahnhofsmission zu übernachten, „doch die hatten geschlossen“.

Noch-Ehemann ärgert sich über seine Leichtgläubigkeit

Er habe bei einem rumänischen Busfahrer Obdach für eine Nacht gefunden und sei weiter nach Göttingen gewandert. Neben einer Bundesstraße, weshalb ihn die Polizei aufgriff, „dabei trug ich doch eine Warnweste“. In Northeim habe er dann wegen Dehydrierung einige Tage im Krankenhaus verbracht und sei schließlich von seiner Frau abgeholt worden. Sie habe ihn in einem Vier-Sterne-Hotel in Neustadt (Holstein) einquartiert und danach in Ferienwohnungen in Scharbeutz und Haffkrug.

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Von seiner Rente habe er in dieser Zeit nichts gesehen, sagte Walter K., „meine Frau hatte meine Kontokarte“. Heidrun K. habe ihn aber ab und an besucht, mit ihm eingekauft und ihm 20 oder 50 Euro zugesteckt. „Ich habe jeden Dreck mitgemacht, war ein richtiger Dorftrottel“, sagte Walter K. vor Gericht verärgert. Das Desaster nahm für ihn erst mit der Verhaftung von Heidrun K. im Februar dieses Jahres ein Ende. Dabei stand auch eine Hausdurchsuchung an, bei der jener nachlässig gefälschte Bankstempel entdeckt wurde, der Heidrun K. unter anderem zum Verhängnis geworden war: Zwei Buchstaben erschienen stets seitenverkehrt auf dem Papier, was das Misstrauen eines Betrugsopfers geweckt hatte. Walter K. hat die Scheidung eingereicht, lebt jetzt bei seiner Schwester und will demnächst eine Schuldnerberatung aufsuchen.

Ex-Lebensgefährte will sie nicht wiedererkannt haben

Vollends bizarr gerieten die Schilderungen vor Gericht, als Jürgen W. (Name geändert) am Zeugentisch Platz nahm. Der 69-Jährige hatte bereits vor etwa 15 Jahren eine Beziehung mit Heidrun K. gehabt und war im Zusammenhang mit damaligen Aktivitäten zu einer Bewährungsstrafe wegen Betruges verurteilt worden. 2018 wieder in Grömitz angekommen, nahm die umtriebige Seniorin per Facebook unter einem anderen Namen Kontakt mit ihm auf. Trotz der einschneidenden Erfahrungen aus der Vergangenheit mit dieser Frau will Jürgen W. sie nicht wiedererkannt haben: „Sie hatte ihr Äußeres stark verändert.“ Zudem habe die erste Begegnung nach mehr als 15 Jahren auf einem schummrigen Parkplatz stattgefunden. „Wir wundern uns heute sehr“, fasste Richterin Jansen die allgemeine Fassungslosigkeit im Gerichtssaal trocken zusammen.

Für Jürgen W. und sich selbst „kaufte“ Heidrun K. dann jenes Einfamilienhaus in Grömitz, das 390 000 Euro kosten sollte, „mit Pool, wirklich sehr schön“, sagte Jürgen W. Dort zogen sie auch ein, derweil harrte Walter K. in der Ferienwohnung in Scharbeutz aus und vertrieb sich die Zeit mit Spaziergängen. Auch Jürgen W. wurde seine Kontokarte rasch an Heidrun K. los, „Widerworte waren schlecht bei ihr“, berichtete er. Seine Tochter habe schließlich recherchiert und entscheidende Informationen über seine – alte und neue – Lebensgefährtin ausgegraben, „da schrillten dann doch die Alarmglocken bei mir“.

Heidrun K. hat bereits etwa zehn Jahre im Gefängnis verbracht

Während der Aussagen ihrer Ex-Männer verbarg Heidrun K. ihr Gesicht, wechselte keinen Blick mit Walter K. oder Jürgen W. Dabei stellten deren Erzählungen augenscheinlich nur einige Facetten ihres Lebensweges dar: In ihrem Register finden sich 18 Vorstrafen, die meisten wegen Betruges. Heidrun K. wurde unter anderem in Hamburg verurteilt, weil sie versucht hatte, eine Luxus-Wohnung in der Hafen-City für 890 000 Euro (145 Quadratmeter am Dalmann-Kai, Parkett, Dachterrasse) zu „kaufen“. Sie saß bereits fünfmal im Gefängnis, zusammengerechnet um die zehn Jahre lang, schätzte sie vor Gericht.

„Es gab in dieser Verhandlung viel Skurriles, was ich so auch noch nicht erlebt habe“, erklärte ihr Verteidiger Michael Rompf. Er verwies auf das Geständnis seiner Mandantin, das „gefühlt fünf Verhandlungstage erspart“ habe – und bat um Aussetzung des Haftbefehls bis zum regulären Haftantritt, damit Heidrun K. einige „letzte Dinge“ ordnen könne. Dem gab das Gericht aber nicht statt. „Sobald sie die JVA verlässt, wird sie weitere Straftaten begehen“, mahnte Staatsanwalt Wendt: „Das kann der Gesellschaft nicht zugemutet werden.“ Die Wiederholungs- und Fluchtgefahr sei zu hoch, befand auch Richterin Jansen. Sie ordnete auch die Einziehung der gut 47 000 Euro an, die Heidrun K. an finanziell messbarem Schaden angerichtet hat. Ob die Betrugsopfer ihr Geld aber jemals wiedersehen werden, scheint fraglich.

Von Sabine Latzel

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