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Ostholstein Bewegungsmangel bei Kindern: Schulen bieten Vereinssport
Lokales Ostholstein Bewegungsmangel bei Kindern: Schulen bieten Vereinssport
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19:11 12.06.2019
Koordination üben beim Handball: Einige Grundschüler der Gustav-Peters-Schule in Eutin kommen nach Schulschluss noch mal in Bewegung. Quelle: Saskia Bücker
Eutin

Jaqueline steht im Tor, mit festem Schritt, die Arme in Abwehrhaltung. Die Neunjährige weiß: Der Angriff kann jederzeit kommen. Es ist Mittwoch, sechste Stunde, Handballtraining in der Turnhalle der Eutiner Gustav-Peters-Grundschule. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das sei ganz normaler Sportunterricht. Aber Jaqueline und ihre Mitschüler bekommen dafür keine Noten. Für Vereinstrainerin Petra Stock, die einmal die Woche Schulkindern kostenloses Handballtraining gibt, ist es ein Erfolg, wenn die Kinder überhaupt erstmal in Bewegung kommen.

Kinder bewegen sich zu wenig. Deshalb holt sich die Gustav-Peters-Schule Unterstützung von Sportvereinen. Das Förderangebot in Ostholstein gibt es schon lange, aber nur wenige Schulen nehmen es in Anspruch.

Studien belegen, dass sich Kinder in Deutschland heutzutage viel zu wenig bewegen. Die Folgen von Computer zocken, einen Serienmarathon machen, von Mama mit dem Auto zur Schule gebracht werden: Die motorischen Defizite bei Kindern nehmen zu. Bewegungsmangel kann auch im Erwachsenenalter ernstzunehmende gesundheitliche Folgen haben, begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz und einige Krebsformen, warnen Krankenkassen.

Kinder in Deutschland haben keine Zeit für Vereinssport

Das beobachtet auch Lena Schulz, Sportlehrerin an der Gustav-Peters-Schule. „Viele Grundschüler können zum Beispiel nicht mehr rückwärts laufen“, berichtet die 32-Jährige. Neben dem gestiegenen Medienkonsum bei jungen Menschen seien Eltern heutzutage gehemmter, ihre Kinder im Sportverein anzumelden. „Viele Eltern arbeiten in Vollzeit und kommen spätabends gestresst nach Hause“, sagt die Sportlehrerin. „Da fällt es schwerer, das Kind noch mal eben zum Fußballtraining zu fahren.“

Dieser Trend bringe inzwischen auch die Vereine zum Umdenken, berichtet Thomas Niggemann vom Landessportverband Schleswig-Holstein. „Kinder und Jugendliche besuchen nicht mehr automatisch den Sportverein“, sagt der Geschäftsführer. „Deshalb müssen die Vereine umdenken und dahin gehen, wo die jungen Menschen sind.“ Zumal viele Kinder und Jugendliche durch die Einführung der Ganztagsschule bis nachmittags in der Schule sind. Seit einigen Jahren gibt es deshalb im ganzen Bundesland das Projekt „Schule und Verein“.

Wie Schulen gefördert werden können

In Ostholstein wurden in diesem Schuljahr neun Kooperationsprojekte umgesetzt. Will eine Schule gefördert werden, kann sie sich auf der Homepage des Landessportverbands informieren: www.lsv-sh.de/suv.

Das Konzept: Trainer aus Sportvereinen bieten für Schüler kostenloses Training während der Schulzeit an. „Da sind Klassiker wie Fußball, Handball und Leichtathletik dabei“, berichtet Niggemann. „Besonders beliebt sind bei den Kinder aber auch Exoten wie Reiten, Segeln und Fechten.“ Mit einem spielerischen Sportprogramm könnten an den Schulen selbst mehr Kinder erreicht und möglicherweise auch langfristig für Vereinssport begeistert werden, hofft Niggemann.

356 solcher zusätzlicher Sportangebote für 6000 Schüler werden in diesem Schuljahr in ganz Schleswig-Holstein von rund 100 Sportvereinen umgesetzt – nur neun davon allerdings an Schulen in Ostholstein. So wie etwa die Gustav-Peters-Schule, die mit dem Handball-Sport-Club Rosenstadt Eutin kooperiert. Auch Schulen aus Oldenburg, Neustadt, Timmendorfer Strand und Stockelsdorf machen laut Niggemann bei „Schule und Verein“ mit.

Ostholstein: Zu wenig Kooperation zwischen Schule und Verein

„Da ist aber noch Luft nach oben“, sagt Wolfgang Ruge, Geschäftsführer des Kreissportverbandes. Er hoffe, dass sich in Zukunft noch mehr Vereine und Schulen in den Gemeinden zusammentun. „Dafür braucht es aber Lehrer und Übungsleiter, die sich kümmern.“ Finanziert wird das Sportprogramm für Schüler in Teilen vom Bildungsministerium, von den Sparkassen in Schleswig-Holstein und von der AOK Nordwest. 150 000 Euro fließen in diesem Jahr insgesamt in die Angebote, sagt Niggemann.

Barbara Kleinmann, die an der Gustav-Peters-Schule die Außenstelle am See leitet, ist sich sicher, dass das Projekt mehr Schüler in Bewegung bringt. „Wir haben an unserem Standort zwar genug Sportlehrer“, sagt Kleinmann. „Aber so können wir noch zusätzliche Angebote bieten, die spielerischer sind als der normale Sportunterricht.“ Und Sportlehrerin Lena Schulz berichtet von einem Schüler, der früher nicht eine Minute lang zuhören konnte und seinen Körper nur schlecht koordinieren habe können. „Inzwischen ist er ein Einser-Kandidat in Sport“, sagt Schulz. Das sei auf das zusätzliche Sportprogramm durch den Verein zurückzuführen.

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Saskia Bücker

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