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Ostholstein Das Familotel in Bliesdorf steht vor dem Aus
Lokales Ostholstein Das Familotel in Bliesdorf steht vor dem Aus
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18:19 13.09.2019
Sogar ein Team von RTL Nord war zur Sitzung des Bauausschusses in Merkendorf gekommen: Enttäuscht gibt Martin Bendfeldt ein Interview. Quelle: Markus Billhardt
Schashagen

Den Abend musste Hotelinvestor Martin Bendfeldt erst einmal verdauen. Er blieb noch lange auf seinem Stuhl in der Mehrzweckhalle Merkendorf sitzen, während die anderen Reihen sich bereits gelichtet und die Besucher die Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Schashagen verlassen hatten. Auch seine überarbeiteten Pläne zum Familotel in Bliesdorf fanden nach der Ablehnung im Juni wieder keine Mehrheit (mehr dazu lesen Sie hier).

Kamerateam von RTL war vor Ort

„Damit habe ich nicht gerechnet – dumm gelaufen. Wir haben alles probiert, damit das Projekt angenommen wird“, sagte Bendfeldt in einer ersten Stellungnahme. Auch ein Kamerateam von RTL Nord war extra angereist, um sich ein Bild über die in der Gemeinde heiß diskutierten Themen „Hotel“ und „Gülletank“ (die LN berichteten) zu machen und bekamen einen konsternierten „Bauer Martin“, wie er in der Region bekannt ist, vor die Kamera. „Das Familotel ist ein Leuchtturmprojekt für Schleswig-Holstein“, sagte er. „Die Kommunalpolitiker haben keine Ahnung, auf welche Gewerbesteuer sie verzichten. Und wer gegen den neuen schicken Entwurf ist, dem ist nicht zu helfen.“

Im August war das aktuelle Konzept des Familotels auf dem Hof von Martin Bendfeldt schon einmal vorgestellt worden. Dort habe er Begeisterung für die Ideen registriert. Daniel Matis, Architekt vom Büro Seeger und Müller aus Berlin, erläuterte die gravierenden Veränderungen zu den alten Plänen im Bauausschuss. So sollte nicht mehr ein langer Riegel, sondern luftige, zweigeschossige Gebäude in W-Form errichtet werden. Das Hotel würde auch nicht mehr auf den Berg, sondern in den Hang hinein gebaut werden. „Insgesamt werde der Bau von der Straßenseite aus nicht höher als 10,50 Meter“, hatte Matis erklärt. Auch der Spa- und Pool-Bereich sollte für die Öffentlichkeit besser zu erreichen sein.

CDU-Politikerin kritisiert: „Hotel passt nicht ins Landschaftsbild“

„Diese Planungen müssen wir jetzt ad acta legen“, sagte Bendfeldt. Dafür gesorgt hatte der Bauausschuss mit drei Ja- und drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Der Ausschussvorsitzende Dirk Gaczmanga (SPD) hatte zuvor noch appelliert: „Als Tourismusstandort müssen wir in die Zukunft denken.“ Das Hotel schaffe viele Arbeitsplätze und bringe der Gemeinde Steuereinnahmen. Dagegen hatte Isabell von Ludowig (CDU) deutlich gemacht: „Das Hotel passt nicht in unsere dörfliche Lage. Meiner Ansicht nach, würde es mit den 86 Appartements stark das Landschaftsbild verändern.“

Volle Reihen bei der Ausschusssitzung in Merkendorf. Vor Beginn der Sitzung ist Martin Bendfeldt (weißes Hemd) noch optimistisch. Quelle: Markus Billhardt

„Vielleicht gibt es eine neue Chance in drei Jahren, wenn es nach den Wahlen im Bauausschuss neue Konstellationen gibt“, sagt der Hotelinvestor. Jetzt sei das Familotel zunächst Geschichte. Die Kontroverse um den geplanten Gülletank der Hofverwaltung Reimers, der auch zum Streit mit Nachbar Bendfeldt geführt hat, ist dagegen nicht vom Tisch und wurde in der Einwohnerfragestunde zum Thema. Die Anwesenden hofften auf „vernünftige Antworten“ und hätten das Recht zu erfahren, was genau passiere und zu welchen Belastungen für Boden, Wasser und Luft es komme. Dies müsse offen kommuniziert werden, lauteten die Kommentare der Einwohner zu dem Vorhaben.

Dirk Gaczmanga machte deutlich, dass es sich um eine Angelegenheit des Kreises handele. Die Gemeinde sei im Vorfeld angehört worden und habe sich dabei auch gegen den derzeit geplanten Standort ausgesprochen. „Wie das Verfahren ausgeht, weiß ich nicht“, sagte der Ausschussvorsitzende. Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) ging noch auf den „ominösen Flyer“ ein (die LN berichteten), der durch den Ort geisterte: „Man kann dafür oder dagegen sein, aber was derzeit abgeht, geht auf keine Kuhhaut.“ Alle könnten miteinander diskutieren, aber ordentlich und vernünftig.

Weitere Großprojekte in der Gemeinde geplant

Bei den diesen zwei großen strittigen Punkten fielen fast zwei Projekte, Millionen Euro schwer, in den Hintergrund, die der Ausschuss ebenfalls an dem Abend angeschoben hat. So wurde der Gemeindevertretung ein Entwurf für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Groß Schlamin empfohlen. Wie Architekt Harm Hoffmann aus Neustadt erläuterte, soll auf einem bisher unbebauten Grundstück ein rund 1,5 Millionen Euro teurer Mehrzweckbau entstehen. In einem Arbeitskreis unter Einbindung der Feuerwehr Schlamin seien die Pläne erarbeitet worden.

Der Bauausschuss musste in die Merkendorfer Mehrzweckhalle ausweichen, da der Andrang so groß war. Zukünftig soll das alte Gebäude durch einen 2,9 Millionen teuren Neubau ersetzt werden. Quelle: Markus Billhardt

Darüber hinaus soll die Mehrzweckhalle in Merkendorf abgerissen werden und einem Neubau weichen. An dem jetzigen Standort soll für etwa 2,9 Millionen Euro eine Ein-Feld-Halle mit zusätzlichen Räumlichkeiten entstehen. Damit die Gemeinde bis zu 70 Prozent an Förderung für jedes dieser Bauvorhaben erhält, sei es zwingend, ein Ortsentwicklungskonzept auf den Weg zu bringen, sagt Gaczmanga. Ein Planungsbüro aus Eutin soll damit beauftragt werden, dieses Konzept zu entwickeln.

Von Markus Billhardt

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