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Ostholstein Streit zwischen Nachbarn: Gülletank könnte Millionen-Investition verhindern
Lokales Ostholstein Streit zwischen Nachbarn: Gülletank könnte Millionen-Investition verhindern
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14:22 11.09.2019
Vor dem Ausbringen auf Feldern könnte die Gülle in Zukunft in Bliesdorf gelagert werden. Quelle: Tilo Wallrodt (HFR)
Bliesdorf

Dicke Luft in Bliesdorf: In dem kleinen Örtchen zwischen Neustadt und Grömitz droht die Auseinandersetzung zwischen zwei Unternehmern zu eskalieren. Während Martin Bendfeldt ein Familienhotel bauen möchte, plant die Hofverwaltung Reimers einen Güllebehälter. Das Problem: Beide Vorhaben sollen in unmittelbarer Nähe realisiert werden. „Ich kann kein Hotelprojekt für über 30 Millionen Euro neben einem Güllebehälter bauen“, sagt Bendfeldt. Max Reimers hält dagegen. Er berichtet, dass Gespräche über alternative Standorte blockiert und abgelehnt worden seien.

Deutlich verschärft wurde die Situation durch einen Flyer, der vor wenigen Tagen an fast alle Haushalte in Bliesdorf ging. In diesem heißt es unter anderem „Gülletourismus in Bliesdorf/ Schashagen? Nein Danke!!!“ und „Familie Reimers, wollen Sie uns das wirklich antun?“. Zudem werden die Einwohner aufgefordert, sich bei einer Mitarbeiterin vom Amt Ostholstein-Mitte, der für die Gemeinde Schashagen zuständigen Verwaltung, zu beschweren. Der Verfasser des Flyers wird nicht genannt.

Berichte über Bliesdorfer Großprojekte

Die Gemeinde Bliesdorf stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Mittelpunkt. Insbesondere die Großvorhaben „Neue Mitte“ und „Familotel“ wurden diskutiert. Jedoch: Die Realisierung lässt auf sich warten. Deshalb hier einige Artikel, über das Geschehen.

75 Appartements für Bliesdorf:
Im September 2019 wurde das „Familotel“ erstmals öffentlich vorgestellt.

Die Gemeinde forderte anschließend einige Gutachten: Vor allem der zu erwartende Verkehr war Thema.

Der Güllebehälter wurde im Dezember 2018 in einer Sitzung der Gemeindevertreter thematisiert. Hotelplaner Martin Bendfeldt zeigte sich besorgt.

Anfang Juni 2019 stoppte der Bauausschuss das Hotelprojekt. Es heißt, die Planung sei zu wenig konkret.

Nicht viel besser läuft es seit Jahren mit dem Millionenprojekt „Neue Mitte“. Im September 2014 wurden die Pläne erstmals vorgestellt. Es geht um den Bau von Supermarkt, Kaufhaus und Marktplatz.

Die Anbindung an die Bundesstraße 501 wurde diskutiert. Das Projekt verzögerte sich.

Anfang 2018 wurde bekannt, dass ein Anwohner ein Normenkontrollverfahren gegen das Projekt in Gang gesetzt hat. Was das bedeutet, steht hier.

Hofverwaltung Reimers kündigt rechtliche Schritte an

Als „lächerlich“ bezeichnet Max Reimers das Vorgehen. „Ich weiß, von wem er kommt. Wir werden dagegen rechtlich vorgehen“, sagt er. Schließlich würden nicht nur er und sein Vater Jan-Detlev Reimers als Inhaber der Hofverwaltung angegriffen, sondern auch alle anderen Familienmitglieder. Es gehe um Rufschädigung, Verunglimpfung und üble Nachrede.

Martin Bendfeldt (l.) stellt Moderator Carsten Kock und Gästen im September 2017 seine „Familotel“-Idee vor. Quelle: LN-Archiv

Hotelinvestor Bendfeldt wollte, dass Flyer entsorgt werden

Martin Bendfeldt indes räumt ein, vorab von der Existenz des Flyers gewusst zu haben. Zugleich versichert er, mit der Verteilung nichts zu tun gehabt zu haben. „Es gibt welche im Dorf, die sich zusammengetan haben, die informieren wollten“, sagt er. Ursprünglich habe der Zettel in der gesamten Gemeinde verteilt werden sollen. Dagegen gab es jedoch Widerstand. Deshalb sei die Entsorgung der Flyer angeordnet worden. Jedoch: „Von dem Stapel ist etwas verschwunden und in Umlauf gekommen. Aber für die Version halte ich meinen Kopf nicht hin. Ich habe immer versucht, in der Sache ordentlich und sachlich zu agieren“, betont er. Ihm sei bewusst, dass das Geschehene einen negativen Effekt haben könne und er mache sich Sorgen um sein Hotelprojekt. Den Güllebehälter an sich lehne er nicht ab, lediglich den avisierten Standort.

Wird die „Neue Mitte“ realisiert?

Das Bliesdorfer Millionenprojektmit dem Namen „Neue Mitte“ wurde im September 2014 erstmals öffentlich vorgestellt. Der Plan sieht unter anderem den Bau eines Supermarktes sowie eines Stolz-Kaufhauses vor. Umgesetzt wurde die Idee bislang nicht. Die Anbindung des Grundstücks an die Bundesstraße 501 sowie ein von einem Anwohner eingeleitetes Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig sorgten für Verzögerungen. Jedoch gibt es Neuigkeiten: Schashagens Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) teilt mit, dass der dem Kreis Ostholstein vorliegende Bauantrag in diesen Tagen genehmigt werden könnte, spricht auch von einem generell noch langen Weg.

Zugleich stellt OVG-Sprecherin Christine Nordmann klar, dass bislang nicht über den Normenkontrollantrag entschieden wurde. Der zuständige Berichterstatter gehe bald in Pension und somit müsse die Sache durch den Senat neu verteilt werden. Sie betont: „Das Bauprojekt kann trotz des Normenkontrollverfahrens vorangetrieben werden, solange in Bezug auf die Baugenehmigung keine gegenteilige behördliche oder gerichtliche Entscheidung existiert.“

So erklärt Max Reimers sein Handeln

Max Reimers versichert, dass er keinerlei Probleme mit dem Bau eines Hotels unweit seines Betriebs habe. Fakt sei, dass es zwei Wirtschaftsunternehmen mit unterschiedlichen Interessen im Ort gebe. „Wir haben immer das Gespräch mit Martin Bendfeldt und der Gemeinde gesucht, waren bemüht, gemeinsam eine Lösung zu finden. Dies wurde völlig blockiert“, sagt er.

Bereits bei der ersten öffentlichen Vorstellung des sogenannten „Familotels“ vor etwas zwei Jahren habe es Kontakte zwischen beiden Seiten gegeben. „Wir sehen unsere Möglichkeiten in der betrieblichen Entwicklung eingeschränkt. So lange ich nicht weiß, welche Auswirkungen das Vorhaben für unseren Betrieb und für das Dorf hat, werde ich versuchen, es zu verhindern“, führt Max Reimers aus und ergänzt: „Ich bewege mich im rechtlichen Rahmen. Man hätte das alles lösen können. Die Blockade findet auf der anderen Seite statt.“ Wahrscheinlich werde er den Bau des Güllebehälters nun durchziehen.

130 Lkw-Lieferungen mit Gülle nach Bliesdorf

Stellt sich die Frage, was die Hofverwaltung Reimers eigentlich plant. Gerüchte gibt es viele. Immer wieder fällt das Wort Gülletourismus, wird vor Hunderten stinkenden Ladungen in dem rund 570 Einwohner zählenden Ort gewarnt. Max Reimers entgegnet: „Das Volumen des Behälters beträgt 3520 Kubikmeter. Bei einer derzeitig vorhandenen Ackerfläche in und um Bliesdorf von etwa 180 Hektar gehen wir derzeit bei einmaliger Ausbringung von einer Ausbringungsmenge von 20 Kubikmeter je Hektar aus.“ Damit bewege man sich unter den gesetzlichen Vorgaben.

Wie viel Gülle darf aufs Feld?

Die Regeln zur Düngung auf landwirtschaftlichen Flächen, zu der auch das Ausbringen von Gülle, Stallmist und Gärresten zählt, ist klar geregelt. Grundlage ist die bundesweit gültige Düngeverordnung. „Nach diesen Vorgaben zur Düngebedarfsermittlung, zum Nährstoffvergleich und zu den Grundsätzen der Düngung hinsichtlich Menge, Zeitpunkt, Ausbringungstechnik und Einhaltung umweltrelevanter Vorgaben wie Gewässerabstände müssen sich landwirtschaftliche Betriebe richten“, stellt Martin Schmidt, Sprecher des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, klar. Er betont, dass es je nach Standort, Bodenart, Fruchtart einen unterschiedlichen Düngebedarf gebe.

Sollte es keine düngerechtlichen Einschränkungen wie zum Beispiel in Wasserschutzgebieten, Vertragsnaturschutzflächen oder FFH-Gebieten (spezielle Schutzgebiete für Pflanzen und Tiere) geben, seien 20 Kubikmeter Gülle pro Hektar vertretbar und passend für die Düngung der entsprechenden Kultur.

Aktuell werde mit etwa 130 Lkw-Lieferungen jährlich gerechnet, mit denen der Behälter zwischen November und Januar befüllt werden solle. Die Gülle stamme von einem Landwirt aus der Gemeinde. Weitere Kooperationspartner – auch aus anderen Bundesländern – seien nicht ausgeschlossen. „Wille der Politik ist es, zum Schutz des Grundwassers Gülle aus Regionen mit einer hohen Dichte an Tierhaltung in Ackerbauregionen zu verfrachten. Von daher sind Kooperationen mit Landwirten aus anderen Bundesländern nicht auszuschließen“, sagt Reimers.

Lösung des Konflikts ungewiss

Eine Lösung für den Konflikt scheint derzeit kaum in Sicht. Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) kündigt zwar weitere Gespräche und die erneute Suche nach einem Alternativ-Standort für den Güllebehälter an. Doch da es sich um ein privates Grundstück handle, habe die Gemeinde kaum eine Chance, den Bau zu verhindern. „Es handelt sich um privilegiertes Bauen.“ Ähnlich äußert sich Burkhard Busch, leitender Verwaltungsbeamter Amt Ostholstein-Mitte. „Es ist ein Baugenehmigungsverfahren, welches sich auf der Zielgerade befindet.“

Der Kreis Ostholstein als oberste Genehmigungsbehörde reagiert zurückhaltend. Nils Hollerbach, Fachbereichsleiter Planung, Bau und Umwelt, spricht von einem laufenden Verfahren. Auf das Hotel mit 80 bis 85 Zimmern bezogen meint er: „Wir haben alles schon begangen und besprochen mit der Landesplanung. Als Kreis sind wir grundsätzlich bereit, das mitzutragen.“ Gut sei, dass es sich um ein Hinterlandkonzept handle.

Hotelplanung ist Ausschussthema

Ob die Situation weiter eskaliert, wird sich spätestens am Donnerstag, 12. September, zeigen. An dem Abend tagt ab 19.30 Uhr der Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde. Dann geht es in der Dorfschänke Merkendorf unter anderem um das „Familotel“. Bei der vorherigen Sitzungen bemängelten vier von sieben Mitgliedern die Planung. Das Verfahren wurde vorerst gestoppt.

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