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Ostholstein Alfred Jeske: Ein Bosauer Urgestein geht in Ruhestand
Lokales Ostholstein Alfred Jeske: Ein Bosauer Urgestein geht in Ruhestand
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18:05 21.03.2019
Bosaus Bürgermeister Mario Schmidt (links) und der CDU-Fraktionsvorsitzende Jochen Veen verabschiedeten den langjährigen Bürgervorsteher Alfred Jeske (r.) in den politischen Ruhestand. Quelle: Dirk Schneider
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Bosau

16 Jahre leitete und repräsentierte Alfred Jeske (CDU) als Bürgervorsteher die Bosauer Gemeindevertretung, der er seit dem 21. März 1988 stets in Führungspositionen angehörte. Diese Ära ist nun abgeschlossen. Jeske nutzt das Ende der hauptamtlichen Bosauer Verwaltung, um selbst einen Schlussstrich zu ziehen.

Der 74-jährige Pensionär verabschiedete sich am Mittwochabend aus der Kommunalpolitik. Vor der abschließenden Feierstunde, in der Jeske von allen Seiten mit großem Lob und stehendem Beifall bedacht wurde, hatte er noch die Sitzung der Gemeindevertretung geleitet und den anstehenden Strukturwechsel mit der Vereidigung der künftigen ehrenamtlichen Bürgermeister vorbereitet.

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„Es war eine tolle Zeit“

In seiner kurzen und pointierten Abschiedsrede erinnerte sich Jeske an meist schöne, mitunter aber auch schwere Zeiten. Vor allem, wenn er an die Finanzen denke, wünschte er sich, ihm wäre etwas häufiger schwarz vor Augen geworden. „Wir hätten gerne oft etwas mehr getan, aber was soll man machen, wenn das Geld fehlt?“, sagte Jeske. Die Folge dieser Kapitalnot: „Es war nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen – wir haben uns gefetzt, aber wenn wir aus der Tür raus gingen, konnten wir immer noch zurückkehren und ein Bier zusammen trinken, das war unser Bosauer Modell. Es war eine tolle Zeit“, blickte Jeske auf sein rund 40-jähriges kommunalpolitisches Engagement zurück. Bereits Anfang der 80er Jahre schnupperte der damalige Zollbeamte als bürgerliches Mitglied in die verschiedenen Gremien. Erste Erfahrungen sammelte er beispielsweise als Mitglied des Schulleiterwahlausschusses. In dieser Zeit habe er gemerkt, wie schön und wichtig es sei, sich vor Ort zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

Genau diese Führungsqualitäten und dieses Pflichtbewusstsein würden Jeske auszeichnen, lobte Joachim Rinke (FDP) in seiner Funktion als noch stellvertretender Bürgervorsteher seinen ausscheidenden „Chef“. So habe Jeske unglaubliche 19 verschiedene Posten seit 1990 ausgeübt. Das Besondere sei dabei Leidenschaft und Herzblut, die Jeske in die Erfüllung der jeweiligen Aufgabe investiert habe. Bei allem Stress und manchem Streit habe in den Auseinandersetzungen stets das Menschliche im Vordergrund gestanden. Dazu habe auch Jeskes schelmischer Humor beigetragen.

Fachmann für Finanzen

Der CDU-Fraktionssprecher Jochen Veen hob hervor, dass sein Parteifreund Jeske die Funktion des Bürgervorstehers stets mit der Neutralität des Amts verbunden habe und damit ein Vorbild der Pflichterfüllung sei. Diese habe sich bereits 1988 abgezeichnet, als der politische Neueinsteiger in seiner ersten Wahlzeit gleich vier wichtige Funktionen wie den Vorsitz in dem für Bosau stets besonders wichtigen Wirtschafts- und Tourismusausschuss übernommen habe. „Als Fachmann für Finanzen hast Du stets ans Sparen gedacht, wenn andere das Geld doppelt ausgeben wollten“, sagte Veen.

Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos), der selbst am Freitagabend offiziell verabschiedet wird, nutzte die Generalprobe mit anderer Besetzung um „einem echten Freund für viele Jahre guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit“ zu danken. Jeskes stets neutrale und besonnene Amtsführung sei auch für ihn selbst Vorbild und Motivation gewesen, sagte Schmidt. „Du warst stets auf Ausgleich bedacht und hast dabei das Ziel nicht aus den Augen verloren.“ Dabei habe er stets ein offenes Ohr gehabt und meist das richtige Wort gefunden. Vor allem aber habe Jeske immer den Menschen immer in die Mitte des Handelns gestellt und gerne auch mal den Klönschnack gepflegt, so Schmidt. „Du bist einer von uns.“

Dirk Schneider

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