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Ostholstein Bürgeraufstand gegen geplante Schweinemaststätte
Lokales Ostholstein Bürgeraufstand gegen geplante Schweinemaststätte
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20:15 21.05.2014
Rappelvoll war es im Burger Sitzungssaal. Sogar Stehplätze wurden bei dem brisanten Thema knapp. Quelle: Fotos: gjs
Petersdorf

Vielen Westfehmaranern stinkt es gewaltig. Das Reizwort Schweinemast erregt in Petersdorf und dem benachbarten Kopendorf die Gemüter. Und das schon seit Jahren durch zwei Altanlagen: Mächtigen Wirbel gibt es daher, seit ein — aus ihrer Sicht — anrüchiger Antrag für die Gemarkung Schlagsdorf auf dem Tisch liegt. Nur wenige hundert Meter von Petersdorf entfernt, ist ein Neubau von zwei Schweinemastställen mit rund 6700 Plätzen und zwei Güllebehältern mit insgesamt über 9400 Kubikmeter Lagervolumen geplant.

„Das hier ist auf meinem Mist gewachsen“, staunte Dienstagabend Gunnar Mehnert (SPD) in Burg. Gemeint war die von ihm einberufene außerordentliche Sitzung des Bau- und Umweltausschusses Fehmarn — deren Dringlichkeit er gut eine Woche vorher zuerst in den LN angemahnt und gerechtfertigt hatte: „Es kann nicht sein, dass so ein gravierendes Thema nicht öffentlich behandelt wird.“

Er sollte Recht behalten. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte mit Blick in den Saal. Rappelvoll und mit zunehmender Fortdauer der hitzigen Debatte auch stickig war es. Sitzplätze wurden selbst für Politiker, Verwaltungsmitarbeiter und Presse rar. Einige hockten gar auf dem Fußboden, andere standen draußen im Flur. Mit Sicherheit eine bleibende Erinnerung für den langjährigen Bauamtsleiter Burkhard Naß. Er wird in Kürze zur Stadt Oldenburg wechseln.

Und mittendrin saß Landwirt Falk Voß-Hagen aus Kopendorf, der Antragsteller. Er will in Zukunft aus züchterischen und wirtschaftlichen Gründen neben der Jungsauenaufzucht auch die restlichen Ferkel aus der eigenen Sauenanlage in den beiden beantragten Schweinemastställen halten und aufziehen.

Nach Erweiterung des Betriebes läge der Viehbestand dann bei insgesamt 16 846 Schweinen. Für die muss er eine erforderliche landwirtschaftliche Fläche von Eigen- und gepachtetem Land für den Futteranbau von knapp 460 Hektar nachweisen. Diesen hat Voß-Hagen der Genehmigungsbehörde beim Land bereits vorgelegt. Andernfalls würde es sich um einen „Gewerbebetrieb“ handeln — mit Verlust der landwirtschaftlichen Privilegierung. Nur dann wäre der Antrag planungsbedürftig.

Das alles vernahmen die Zuhörer nicht ohne Murren. Denn je später später die Stunde, desto klarer wurde ihnen: Die Stadt Fehmarn hat nur ganz wenig Spielraum, das gemeindliche Einvernehmen zu versagen. Wenn sie es gar rechtswidrig verweigere, drohe die Kommune am Ende gar schadensersatzpflichtig zu werden, warnte Naß.

Sehr viele Bürger machten in der ausgedehnten Einwohnerfragestunde ihrem Unmut deutlich Luft. „Dann ziehen wir weg aus dem Schweinedorf“, lautete ein Zuruf. Carsten Micheel (FWV) hatte vorher geschätzt, dass es auf der Insel derzeit insgesamt rund 30 000 Schweine gibt. Genaue Zahlen liegen der Verwaltung nicht vor.

Größter Dollpunkt ist für viele die Gülleausbringung. Zwei Felder liegen zum Beispiel ganz nahe am geplanten Gesundheitshof „Bellevue“. Wiederholt wurde davor gewarnt, der Touristeninsel — die von Natururlaubern geschätzt werde — schweren Schaden zuzufügen. Dass der Investor technische Vorkehrungen treffen will, um Belastungen zu reduzieren, besänftigte die aufgebrachten Bürger nicht.

Am Ende setzte sich die Ausschuss-Mehrheit mit acht zu drei Stimmen durch. Die Verwaltung wurde beauftragt, mit fachjuristischem Beistand mögliche Ablehnungsgründe zu prüfen und zu bewerten — um am Ende abzuwägen, ob eine gemeindliche Versagung möglich wäre. Die nächste Ausschuss-Sitzung findet am 10. Juni statt. „Dann in einem größerem Raum“, versprach Mehnert.

Gerd-J. Schwennsen

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