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Ostholstein Eutiner stimmen für zwei Schulstandorte
Lokales Ostholstein Eutiner stimmen für zwei Schulstandorte
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17:34 27.05.2019
Wahlvorstand Dennis Janke kippt im Wahllokal am Priwall die Wahlurne aus. Die Auszählung der Stimmen musste zu später Stunde wiederholt werden, sodass das Ergebnis erst weit nach Mitternacht feststand.  Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Zwei Bürgerentscheide zu einem Thema und noch eine Stichfrage dazu: Das hat es in Schleswig-Holstein bis zum 26. Mai nicht gegeben. Wie schwer sich die 105 Wahlhelfer in Eutin mit dem komplizierten Auszählverfahren taten, offenbarte sich durch einen zähen Wahlabend. Erst um 1.44 Uhr konnte die Stadt das vorläufige Ergebnis herausgeben: Mit 3592 Stimmen hatte Bürgerentscheid 2 (für einen Neubau der Außenstelle der Grundschule am Kleinen See und eine Sanierung/Erweiterung der Gemeinschaftsschule an der Elisabethstraße) gegenüber Bürgerentscheid 1 (Schulcampus am Kleinen See) mit 3259 Stimmen die Nase vorn. Eine Differenz von 333 Stimmen. Das erforderliche Quorum (2628 Stimmen) hatten beide Entscheide mit 3631 Stimmen (Campus) und 3993 Stimmen (zwei Standorte) locker übersprungen.

Grüne freuen sich über ein klares Votum

Bei CDU, Grünen und FDP, die sich für zwei Schulen an zwei Standorten eingesetzt hatten, fielen die Reaktionen „auf ihren Sieg“ unterschiedlich aus. Ralf Langenstück, Vize-Fraktionsvorsitzender der Grünen, sagte: „Wir sind hocherfreut über dieses klare Votum. Eine ,51:49-Situation’ wäre fatal gewesen. Wir müssen beide Projekte jetzt zügig und sorgfältig voranbringen. Das sind wir den jetzigen und den zukünftigen Schülern schuldig.“ Seiner Fraktion sei sehr dran gelegen, die Bürger bei den anlaufenden Prozessen mitzunehmen. „Wir wünschen uns, die Projekte mit allen politischen Parteien zusammen voranzutreiben“, sagte Ralf Langenstück. „Auch mit denen, die sich jetzt nicht durchgesetzt haben, sie sollen konstruktiv mitarbeiten. Die verbalen Scharmützel müssen jetzt aufhören.“ Er habe nicht erwartet, dass sie so viele Stimmen für ihr Vorhaben bekommen würden.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Terminplan für das weitere Vorgehen in Sachen Schulbau könnte nach Auskunft der Eutiner Bauverwaltung folgendermaßen aussehen:

Für die Grundschule am Kleinen See wäre ein Wettbewerbsentscheid im Januar 2020 möglich. Baubeginn könnte im September 2021 sein. Nach einer Bauzeit von 18 Monaten könnte die Schule im März 2023 bezugsfertig sein.

Für die Wisser-Schule wäre eine Freigabe des Entwurfs im Februar 2020 realisierbar, so die Verwaltung. Baustart könnte im März 2021 sein, Fertigstellung des Neubaus nach 24 Monaten Bauzeit im Februar 2023. Die Modernisierung des Altbaus könnte im März 2024 abgeschlossen sein.

„Das hat mich sehr positiv überrascht und ist eine breite Basis für das weitere Vorgehen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Rachfahl. Er wolle dennoch das offizielle amtliche Ergebnis abwarten. Aber wenn sich das jetzige bewahrheite, dann müssten die bestehenden Beschlüsse umgesetzt und die bestmöglichen Lösungen „bei Planungen und Baufenstern“ gefunden werden. „Und zwar unaufgeregt, mit allen, die im Skat sind“, sagte Rachfahl. Auch die Verantwortlichen der Schulen sollten einbezogen werden.

FDP findet das knappe Ergebnis bedrückend

Jens-Uwe Dankert, Fraktionsvorsitzender der FDP, zog ein nüchterneres Fazit: „Ich empfinde keine Genugtuung über das Ergebnis. Es ist knapp. Da kann man nicht hochjauchzend vor Freude sein, das ist eher bedrückend. Ich mache mir nicht nur Sorgen um den Schulfrieden. Die ganze Stadt ist in der Schulfrage vollkommen gespalten.“ Auch die FDP wolle die Bauvorhaben, den Neubau am Kleinen See und die Erweiterung der Gemeinschaftsschule jetzt zügig realisieren.

Eindrücke vom Wahlabend und Reaktionen am Tag danach.

Der kommissarische Leiter der Gustav-Peters-Grundschule, Florian Reimers, sagte: „Das ist die Entscheidung des Souveräns. Ich freue mich natürlich und hoffe, dass es jetzt an beiden Schulen schnell vorangehen wird.“ In Anspielung auf eine Infoveranstaltung der Grundschule vor einer Woche unter dem Titel „Paradies am See?“ äußerte Sven Ulmer, Leiter der Wilhelm-Wisser-Schule: „Für uns ist es natürlich enttäuschend: eine Vertreibung aus dem Paradies. Wobei der Sündenfall nicht auf unserer Seite war. Wir müssen mit der Entscheidung leben und versuchen, den zu erwartenden Schaden von unseren Schülern abzuwenden.“

BI: „Wir haben trotzdem etwas für die Wisser-Schule erreicht“

Thorben Junge hatte gemeinsam mit Ivo Stock und Ursula Jacobsen-Priefer vor zehn Monaten die Bürgerinitiative „Vernunft macht Schule“ ins Leben gerufen. Sie wollte für Eutin ein Schulzentrum am Kleinen See und dort auch einen Neubau für die Wilhelm-Wisser-Schule erreichen. Zum Ausgang des Wahltages sagte Junge: „Es ist ein unglückliches Ergebnis. Wir akzeptieren es, hätten uns aber ein eindeutigeres gewünscht.“ Seine Enttäuschung halte sich in Grenzen, sagte Junge. „Wir haben ja etwas erreicht. Die unsägliche Sporthalle am Güterbahnhof ist Geschichte. Die Beschlusslage für die Wisser-Schule ist viel besser als vor einem Jahr. Das hätte es ohne den Einsatz der BI so nicht gegeben. Aber es tut uns trotzdem leid für die Kinder.“ Die BI-Gründer und Unterstützer würden aufmerksame Beobachter des weiteren Vorgehens sein. Zur Machbarkeitsstudie für die Gemeinschaftsschule sagte Thorben Junge: „Daran lässt sich sicher noch viel verbessern.“

Das Kreuz fehlte: Viele ungültige Stimmen

Die auffallend hohe Quote an ungültigen Stimmen (bei allen drei Abstimmungsfragen zusammen 4069) bei den von der Stadt herausgegeben Zahlen hat gestern zahlreiche Eutiner irritiert. „Das liegt daran, dass viele Bürger bei der Abstimmung nicht bei allen drei Fragen Ja oder Nein angekreuzt haben. Fehlt ein Kreuz bei einer Frage, wird diese als ungültig gewertet“, erklärte Ordnungsamtsleiterin Julia Lunau. Dass die Auswertung bis weit nach Mitternacht andauerte, lag laut Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt daran, dass das Team im Wahllokal Am Priwall sich verzählt hatte und noch einmal von vorn beginnen musste.

Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) sagte gestern zum Wahlausgang: „Mit dieser Entscheidung der Eutiner sind die Weichen für eine erfolgreiche weitere Schulentwicklung am Standort gestellt. Jetzt kommt es darauf an, den Schulfrieden wiederherzustellen. Wir werden zügig und konsequent an die Umsetzung gehen und beide betroffenen Schulen können sicher sein, dass sie hervorragende Schulstandorte bekommen werden.“

Ulrike Benthien

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