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Ostholstein Drei Kandidaten – eine Mission
Lokales Ostholstein Drei Kandidaten – eine Mission
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23:42 05.02.2018
Die drei Bewerber Hans Marenbach, Verena Jeske und Mirko Spieckermann (v. l.) vor der Talkrunde in der Jacob-Lienau-Schule. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Neustadt

„An manchen Orten spricht man von einer Politikverdrossenheit – wenn ich mich hier umschaue, kann ich das überhaupt nicht verstehen“, kommentierte Bürgervorsteher Sönke Sela den riesigen Andrang.

Wohnungsnot, Dauerstau und marode Schulen: Die drei Neustädter Bürgermeister- Kandidaten haben am Montagabend Stellung zu aktuellen Themen der Stadt bezogen. In der vollbesetzten Aula der Jacob-Lienau-Schule beantworteten sie Fragen von Einwohnern.

Nicht nur die 460 Plätze in der Aula selbst waren besetzt, weitere 120 Menschen verfolgten die Übertragung der Debatte auf einer Leinwand nebenan in der Mensa. Sogar draußen vor den Fenstern harrten trotz Schnee und Kälte einige tapfere Zuschauer aus, die drinnen keinen Platz mehr gefunden hatten.

„Leider dürfen wir aus brandschutztechnischen Gründen keine Besucher in den Gängen stehen oder sitzen lassen“, bedauerte Sela, der sich für das große Interesse bedankte und um Verständnis für die Sicherheitsauflagen bat.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit den drei Kandidaten – Verena Jeske (38, parteilos), Hans Marenbach (54, parteilos und von der CDU unterstützt) sowie Mirko Spieckermann (44, parteilos) – brachte Moderator Andreas Rackow das Gespräch auf Themen, die die Neustädter besonders beschäftigen. Auch LN-Leser hatten im Vorfeld der Veranstaltung zahlreiche Fragen eingereicht.

Neben Fachkompetenz ging es am gestrigen Abend derweil vor allem auch um den persönlichen Eindruck. Solch ein Vorstellungsgespräch habe er noch nie gehabt, scherzte etwa Hans Marenbach. Während Mitbewerber und „Ur-Neustädter“ Spieckermann seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt in den Vordergrund stellte, warb der Unternehmensberater aus Wuppertal mit seinem „Blick von außen“.

Diplom-Verwaltungswirtin Jeske wählte sozusagen den Mittelweg. Sie erklärte Neustadt zu ihrer zukünftigen Wahl-Heimat und spielte gleichzeitig auf ihre „Fischkopp“-Gene als gebürtige Stralsunderin an. Für Neustadt wünsche sie sich in erster Linie neuen Schwung, betonte die Verfahrensführerin Offshore-Windparks beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. „Lassen Sie mich Neustadts neues Hüftgelenk sein“, appellierte sie an die Wähler, „und dann bringen wir der alten Lady gemeinsam wieder das Laufen bei.“

Mirko Spieckermann, Leiter des Forderungsmanagements beim Zweckverband Ostholstein, warb vor allem mit seiner Erfahrung in der Personalführung. Engagierte und motivierte Mitarbeiter im Rathaus zu haben, wolle er zu einer seiner wichtigsten Aufgabe machen. Auch solle die Digitalisierung Einzug halten und für die Bürger künftig alles online zugänglich sein, was rechtlich zulässig sei.

Hans Marenbach plädierte indes für eine schnellere Umsetzung von Projekten: „Es muss sich wieder etwas bewegen, damit Neustadt eine Zukunft hat.“ Die Frage, warum er sich für das hiesige Bürgermeisteramt bewerbe, verstehe er nicht, so der Nordrhein-Westfale. „Sie werben doch immer damit, dass Sie dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, zitierte er den bekannten Slogan, „das möchte ich auch.“

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit noch zu einem persönlichen Gespräch mit den Kandidaten. Bürgervorsteher Sela: „Die Neustädter zeigen ganz deutlich, wie groß ihr Interesse an dieser wichtigen Wahl ist.“

 Von Jennifer Binder