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Ostholstein Zwischen Migration und falschen Reifen
Lokales Ostholstein Zwischen Migration und falschen Reifen
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18:22 28.12.2018
Migration ist das große Thema der Bundespolizei. Nur wer die richtigen Papiere, also einen EU-Pass oder ein Visum, hat, übertritt die Grenze legal. Quelle: Bundespolizei
Puttgarden/Lübeck-Travemünde

Wo Polizei drauf steht, kann zweierlei Polizei drin sein. Neben der sattsam bekannten Landespolizei ist auch die Bundespolizei zwischen Lübeck und Puttgarden und auch sonst überall im Land unterwegs. Sie ist zuständig für alles, was zwischen Bahnsteig und Abteil, zwischen Hafen und Grenze passiert. Wenn Gerhard Stelke, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kiel, auf das Jahr 2018 zurückblickt, berichtet er von manch großem Einsatz und manch dickem Fisch, der den Beamten ins Netz ging.

„Für die Bundespolizei ist illegale Migration das größte Thema. Es beschäftigt uns zunehmend mehr“, sagt Stelke. 90 Prozent aller Tätigkeiten der Bundespolizisten haben mit illegaler Ein- oder Durchreise zu tun. Das gilt vor allem für Puttgarden. „Alles andere ist Beifang, das nehmen wir auf und leiten es weiter.“ Natürlich übersehen die Bundespolizisten weder betrunkene Autofahrer noch falsche Reifen. Schließlich sind auch sie Polizisten. Die weitere Verfolgung solcher Delikte übernimmt aber die Landespolizei. Ihr Dienstherr ist der Landesinnenminister, der der Bundespolizei der Bundesinnenminister.

Nagelprobe an der Fähre

Falsche Reifen trugen fünf der Autos, die im Februar 2018 bei der Schwerpunktkontrolle der Bundespolizei im Fährbahnhof Puttgarden auffielen. Sie waren mit sogenannten Spikes versehen, in die Reifen eingelassene Metallstifte, die besseren Halt auf Glatteis bieten. In Deutschland sind sie seit 1975 verboten, weil sie den Straßenbelag beschädigen. In Skandinavien sind die Nagelprofile zu bestimmten Jahreszeiten und mit bestimmten Beschränkungen erlaubt. Den Spikes-Fahrern in Puttgarden blieben nur die Möglichkeiten, gleich wieder auf die Fähre zu fahren, das Auto abzustellen, bis neue Reifen da sind, oder die Nägel herauszuziehen. Ein Fahrer griff tatsächlich zur Zange. Eine langwierige Prozedur.

Aber das ist, wie Stelke sagt, eben Beifang. Das Augenmerk der Bundespolizisten gilt vor allem jenen, die keine oder die falschen Papiere haben. Einreisen darf nur, wer entweder EU-Bürger oder Bürger eines befreundeten Staates ist oder einen Pass mit deutschem Visum hat. Bei allen anderen folgt die schnelle Identifizierung mittels Fingerabdrücken. Mit denen lässt sich innerhalb von Minuten feststellen, ob ein Aufgegriffener schon im System, sprich registriert ist.

Der Anstieg habe auch damit zu tun, dass Schweden seine Politik radikal geändert habe und Illegale ausweise, erläutert der Sprecher. „Dann stehen sie irgendwann hier vor der Tür. Etliche sagen ,Asyl’ und gehen wieder ins Verfahren.“ Von Puttgarden oder vom Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde geht es dann in die Aufnahmeeinrichtung nach Neumünster.

Flüchtlinge im Frachtraum

Dass Migranten und Flüchtlinge auch Opfer sind, zeigt einer der bewegendsten Einsätze der Bundespolizei im ablaufenden Jahr. Im Mai wurden sechs Erwachsene und sechs Kinder, darunter zwei Babys, aus Afrika am Skandinavienkai im Frachtraum eines Lastwagens entdeckt. Der Zug mit dem Auflieger war in Italien losgefahren, Zielort war Skandinavien. Allen Flüchtlingen ging es den Umständen entsprechend gut, obwohl sie schon länger eingepfercht waren. „Es war ein diesiger Tag und ein Auflieger mit Plane“, erinnert sich Stelke. Die Gefahr der Überhitzung war nicht so groß. Der Bundespolizei kommt es bei solchen Fällen vor allem darauf an, Informationen über die Schleuser zu bekommen. Das ist in diesem Fall nicht gelungen.

270 Beamte

Die Bundespolizeiinspektion Kiel ist zuständig in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn, Segeberg, Plön, Ostholstein sowie in den Kreisfreien Städten Kiel und Lübeck. Zur Inspektion gehören 270 Beamte.

Zu den Aufgaben der Bundespolizei gehören unter anderem Fußballeinsätze in der Regionalliga und der 2. Bundesliga, die Präsenz in den großen Bahnhöfen, Streifen in den Regionalzügen, Ermittlungsarbeit, die Kontrolle der Schiffe in den Häfen Lübeck und Kiel, die Überwachung und Verhinderung der grenzüberschreitenden Kriminalität, etwa Drogenhandel und sowie Vorbeugungsveranstaltungen, etwa zu Taschendiebstählen. Außerdem schult die Bundespolizei die Mitarbeiter der DB-Sicherheit.

Aber bei der Arbeit der Bundespolizei geht es nicht nur um Migration. Einen Ermittlungserfolg konnte Stelke bereits Ende Januar 2018 melden. Zwei Männer, ein 32-jähriger Kosovare und ein 36-jähriger Albaner, wurden festgenommen. Ihnen wurden mehrer Aufbrüche von Fahrkartenautomaten vorgeworfen, unter anderem im Raum Kiel, aber auch am 24. Januar in Eutin und am 25. Januar in Oldenburg. Da war ihnen die Bundespolizei schon dicht auf den Fersen. Dank einer Funkzellenabfrage konnte sie der Täter habhaft werden. Nach sechs Aufbrüchen in vier Wochen in Kiel und Ostholstein machten die Beamten der Serie ein Ende. Der Gesamtschaden der Taten beläuft sich auf fast 120 000 Euro, einschließlich der Schäden an den Automaten. Die Bargeld-Beute betrug knapp 12 000 Euro.

Susanne Peyronnet

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