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Ostholstein Idee aus Ahrensbök: Bei diesem Spiel toben Kinder mit genügend Abstand
Lokales Ostholstein Idee aus Ahrensbök: Bei diesem Spiel toben Kinder mit genügend Abstand
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09:01 20.03.2020
Wenn der Spielplatz gesperrt ist, wird auf der Wiese Kibbel-Kabbel gespielt. Die Geschwister Alin (6), Arij (9) und Anass (14) aus Ahrensbök probieren es aus.
Wenn der Spielplatz gesperrt ist, wird auf der Wiese Kibbel-Kabbel gespielt. Die Geschwister Alin (6), Arij (9) und Anass (14) aus Ahrensbök probieren es aus. Quelle: Susanne Peyronnet
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Ahrensbök

Keine Schule, keine Kita und kein gemeinsames Spiel auf dem Spielplatz. Kinder haben es schwer in diesen Tagen. So lange es noch keine Ausgangssperre gibt, können sie wenigstens noch draußen toben, natürlich mit Distanz zu anderen Menschen. Der Ahrensböker Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) hat deshalb dazu aufgerufen, alte Kinderspiele wieder bekannter zu machen, die ohne gegenseitigen Kontakt funktionieren.

Viele Ideen für Spiele im Freien

Zimmermann selbst schlägt Kibbel-Kabbel vor. Über Facebook rief er dazu auf, ihm weitere Ideen zu nennen. Die Resonanz war groß. Kommentatorinnen schlugen vor, mit einem Pflanzenbestimmungsbuch hinaus in die Natur zu gehen oder Erlebnispfade im Wald zu erkunden. Auch etliche Draußenspiele wurden genannt: Schnitzeljagd im Wald, „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder Verstecken ohne Antippen.

Wie Kibbel-Kabbel funktioniert und ob es Spaß macht, probierten Zimmermann und Jugendpflegerin Birgit Komanns auf der Rathauswiese gleich neben dem gesperrten Spielplatz mit drei Ahrensböker Geschwistern aus. Alin (6), Arij (9) und Anass (14) ließen sich von Komanns das Spiel zeigen. Sie hatte einen Kibbel, ein etwa zehn Zentimeter langes, an beiden Seiten angespitztes Stück rundes Holz mitgebracht, ebenso wie einen Kabbel, einen längeren Stock. Das Kunststück ist es, den am Boden liegenden Kibbel mit dem Kabbel wegzuschleudern oder zu -schlagen. Die Fänger müssen den Kibbel wieder auffangen.

Anass (14) aus Ahrensbök probiert Kibbel-Kabbel aus, Bürgermeister Andreas Zimmermann und Birgit Komanns schauen mit Abstand zu.  Quelle: Susanne Peyronnet

Die Kunst des Kibbel-Kabbel

Die ersten Versuche liefen ganz gut. Vor allem Anass hatte den Bogen schnell raus, während seine Schwestern noch etwas schüchtern daneben standen und das Treiben beobachteten. Gar nicht so einfach, den Kibbel nur mit dem Kabbel vom Boden hochzubekommen. Da hilft es, wenn er vor dem Schlagen auf Aststückchen oder Steine gelegt wird, damit er etwas vom Boden hochkommt.

Der kurze Stock ist der Kibbel. Auf Aststückchen etwas höher gelegt, lässt er sich gut wegschleudern. Quelle: Susanne Peyronnet

Wie wichtig Bewegung und Abwechslung in diesen Tagen für Kinder sind, teilt der Deutsche Kinderschutzbund mit. „Die Schließung von Kitas, Schulen und öffentlichen Freizeitangeboten bedeuten den Verlust von strukturgebenden Tagesabläufen und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche – dabei ist für sie das Bedürfnis nach Struktur, Orientierung und körperlicher Bewegung geradezu existenziell“, sagt die Landesvorsitzende Irene Johns. Lidija Baumann, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Kiel, findet feste Tagesabläufe, die auf jeden Fall auch einen Spaziergang an der frischen Luft beinhalten, für Kinder sehr wichtig.

Immer genug Abstand zum Mitspieler halten

Im Hinblick auf mögliche Ausgangssperren gibt der Kinderschutzbund zu bedenken, dass sich Kinder trotz aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen bewegen wollen und nicht alle Familien über einen Garten verfügen. So lange das Rausgehen noch nicht verboten ist, steht die Wiese am Ahrensböker Rathaus noch für Kibbel-Kabbel und andere Spiele im Freien zur Verfügung. Platz genug für einen ausreichenden Abstand voneinander ist dort allemal.

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Von Susanne Peyronnet