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Ostholstein Corona-Testpflicht: So lief es an Schulen in Ostholstein
Lokales Ostholstein

Corona in Ostholstein: Testpflicht an Schulen

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17:17 19.04.2021
Sven Ulmer, Schulleiter der Wisser-Gemeinschaftsschule, packt mit seinen Kollegen Boxen mit allen Testutensilien für die einzelnen Klassen.
Sven Ulmer, Schulleiter der Wisser-Gemeinschaftsschule, packt mit seinen Kollegen Boxen mit allen Testutensilien für die einzelnen Klassen. Quelle: Ulrike Benthien
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Ostholstein

Kein Test, kein Unterricht. Auf diese Formel lassen sich die neuen Verordnungen des Bildungsministeriums für den Schulbeginn nach den Osterferien bringen. Nur Kinder und Jugendliche, die sich zwei Mal in der Woche auf das Corona-Virus testen (und natürlich negativ sind), dürfen am Unterricht teilnehmen. Die Testpflicht gilt auch für Lehrer und alle anderen Menschen, die mit Schule zu tun haben: Sekretärin, Schulsozialarbeiter, Hausmeister. Für alle Schulen bedeutet das einen enormen Aufwand. Wie sie ihn am ersten Tag gemeistert haben.

Vom freiwilligen Testen zur Pflicht

Das freiwillige Testen im Klassenraum oder der Sporthalle unter Beaufsichtigung kennen alle Beteiligten schon aus der Zeit vor den Ferien. Das Prozedere läuft genauso ab, ist nun nur kein Angebot mehr, sondern Pflicht. Alternativ kann eine Bescheinigung über ein negatives Testergebnis über einen in einer Apotheke, beim Arzt oder in einem Testzentrum vorgenommenen Test vorgelegt werden. Er darf nicht länger als drei Tage zurückliegen und muss danach erneut erfolgen und bescheinigt werden.

Heim-Test mit qualifizierter Selbstauskunft

Eltern können ihr Kind aber auch zu Hause einen Antigen-Schnelltest machen lassen. Sie müssen ihm aber dann eine sogenannte qualifizierte Selbstauskunft mit in die Schule geben. Darauf sind neben dem Namen des Schülers, sein Geburtsdatum sowie der Hersteller- und Produktname des Tests, Testdatum, Uhrzeit sowie die Versicherung „Das Testergebnis war negativ“ zu vermerken. Die Eltern müssen diese Selbstauskunft unterschreiben.

Schulbeurlaubung wegen allgemeiner Corona-Sorge

In der Wilhelm-Wisser-Schule in Eutin haben sich Kinder und Jugendliche am Montagmorgen zwischen 7.35 und 8 Uhr in ihren Klassenräumen getestet. „Dann sind wir damit durch, und der Unterricht kann starten“, sagt Schulleiter Sven Ulmer. Der größte Teil seiner Schüler – insgesamt besuchen 614 Mädchen und Jungen die Gemeinschaftsschule in Eutin mit der Außenstelle Hutzfeld – sei der Testpflicht in der Schule nachgekommen. „Wir hatten aber auch einige Rückmeldungen von Eltern, die das Testen komplett ablehnen.“ Da gingen der Schule dann beispielsweise vorgedruckte Formulare von Querdenker-Foren im Internet zu. „Das macht aber weniger als ein Prozent aus“, berichtet der Schulleiter. Dagegen hätten „viele Eltern“ ihre Kinder wegen grundsätzlicher Bedenken, in der Corona-Pandemie zur Schule zu gehen, beurlauben lassen.

„Schülerinnen und Schüler, die der Testpflicht nicht nachkommen, dürfen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Sie erhalten stattdessen ein eingeschränktes Angebot im Distanzlernen, in etwa vergleichbar dem Angebot im Wechselunterricht“, hatte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) dazu im Vorwege mitgeteilt. „Für diese Schüler geben wir Aufgaben heraus“, sagt Sven Ulmer, sieht für sie aber Probleme heraufziehen: „Es könnte schwierig sein, das Klassenziel zu erreichen.“

André Bigott, Schulleiter in Oldenburg, berichtet von nur wenigen Schülern, die sich selbst zu Hause getestet haben. Quelle: Saskia Bücker

Oldenburg: Nur wenige Selbsttests zu Hause

Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oldenburg ist der erste Tag nach den Ferien nach Angaben von Oberstudiendirektor André Bigott „pragmatisch, pädagogisch wertvoll und rechtlich im Sinne der Vorgaben“ abgelaufen. „Wir haben die Eltern gebeten, bis Freitag vergangener Woche um 10 Uhr die Einverständniserklärungen zum Testen in der Schule abzugeben. Einige Kinder hatten sie zum Schulbeginn nicht dabei. Da haben wir uns dann von den Eltern zunächst telefonisch ihre Zustimmung eingeholt und sie aufgefordert, sie möglichst zügig schriftlich nachzureichen“, sagt der Schulleiter. Von seinen 519 Schülern hätten sich nur „sehr wenige“ zu Hause selbst getestet, eine Zahl dürfe er aus Datenschutzgründen nicht nennen. Den Arbeitsaufwand in Zusammenhang mit den Tests und deren Dokumentation nennt André Bigott „nicht unerheblich. Es ist nicht originäre Aufgabe von Schule.“

Schulleiter Peter Schultalbers aus Pönitz hält das Testen für alternativlos, wenn Präsenzunterricht stattfinden soll. Quelle: Saskia Bücker

Testen: „Irrer Aufwand, aber alternativlos“

An fünf Teststationen (in den drei Dritteln der Sporthalle, in der Mensa und in einem Container) haben zum Schulbeginn die Schüler der Pönitzer Grund- und Gemeinschaftsschule mit Oberstufe ihre Antigen-Schnelltests gemacht. Von insgesamt 800 Schülern sind am Montag 600 vor Ort gewesen – 200 sind wegen Wechselunterrichts zu Hause. „Weniger als 20 haben sich zu Hause getestet und eine dementsprechende Selbstauskunft mitgebracht“, sagt Schulleiter Peter Schultalbers. Die Einwilligung der Eltern zum Selbsttesten in der Schule hätten nur wenige Kinder vergessen, sie sei vorerst telefonisch eingeholt worden. 15 seiner Schüler seien generell vom Präsenzunterricht abgemeldet worden, sagt Schultalbers. Alles rund ums Testen sei ein „irrer Aufwand. Das zwei Mal pro Woche bis zu den Sommerferien durchzuziehen, ist anspruchsvoll. Aber die Kollegen tragen es mit. Und es gibt keine Alternative“, so der Schulleiter.

Zwei Ausnahmen von der Testpflicht

Ausgenommen von der Testpflicht sind Schüler, die sich zurzeit in Abschlussprüfungen befinden. Für sie gibt ein Testangebot im Vorfeld jeder Prüfung.

Auch Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die auf Grund einer schwerwiegenden körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung nicht in der Lage sind, den Schnelltest eigenständig in der Schule durchzuführen, sind von der Testpflicht befreit – so lange, bis die Schulen ihnen Einzeltests mit nach Hause geben können. Diese Schüler dürften den Test dann im häuslichen Umfeld machen, müssten aber dann eine qualifizierte Selbstauskunft in der Schule vorlegen, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Familien müssen Tests zu Hause noch selbst zahlen

Als „Testzentrum Gustav-Peters-Schule“ bezeichnet Schulleiter Oliver Martins seine Grundschule in Eutin mit drei Standorten humorvoll. Vor den Osterferien hätte bummelig die Hälfte der 628 Schüler sich freiwillig getestet. Aber es habe sich wohl rumgesprochen, dass es nicht so schlimm sei. Am Montagmorgen hätten fast alle Schüler, angeleitet und beaufsichtigt von Lehrkräften, Eltern und OGS-Mitarbeitern, im Klassenverband vor dem Unterricht ihren Antigen-Test absolviert. Immer montags und donnerstags wird in der Gustav-Peter-Schule von nun an Test-Tag sein. „Verweigerer gibt es nur im Promillebereich“, sagt Martins. Die wenigen Eltern, deren Kinder zu Hause ihren Test machen, müssten diesen noch selbst anschaffen. Vermutlich in der 18. Kalenderwoche sollen für diese Zwecke von den Schulen Einzeltests ausgeteilt werden. Bislang gibt es die Tests nur im Gebinde, das nicht aufgesplittet werden darf.

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„Die Klassen haben fast geschlossen teilgenommen“, sagt Rolf Bohl, kommissarischer Leiter der Jacob-Lienau-Schule in Neustadt, zum Testen in der Gemeinschaftsschule am Montagmorgen. Einzelne Schüler hätten allerdings abgewiesen werden müssen, weil sie keine Einverständniserklärung der Eltern dafür vorlegen konnten. Materialien zu beschaffen, Boxen für die Klassen zu packen, Listen zu führen – all das nennt er einen „großen zusätzlichen Aufwand“.

Von Ulrike Benthien