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Ostholstein Dämpfer für Bliesdorfer Familienhotel: Ausschuss verweigert Zustimmung
Lokales Ostholstein Dämpfer für Bliesdorfer Familienhotel: Ausschuss verweigert Zustimmung
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15:58 06.06.2019
Der Ostsee Ferienhof von Martin Bendfeldt in Bliesdorf soll um ein Hotel erweitert werden. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Bliesdorf

Wird der Traum vom Familienhotel Realität? Im September 2017 stellte der Bliesdorfer Martin Bendfeldt – auch bekannt als Bauer Martin – sein Großprojekt in der Gemeinde Schashagen erstmals öffentlich vor. Seitdem veränderte sich die Planung, Architekten wechselten. Statt Appartements soll es nun einen Baukörper geben. Geplant wird derzeit mit 80 bis 85 Einheiten. Pro Zimmer sind vier Betten vorgesehen. Zudem soll es einen ausgelagerten Spa-Bereich mit Schwimmbecken geben, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Für einige Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses der Gemeinde Schashagen sind das zu wenige Details. Die Pläne seien nicht konkret genug. Vier von sieben Ausschussmitgliedern lehnten die Durchführung des frühzeitigen Bürger- und Behördenbeteiligungsverfahrens ab. Die Auswirkungen sind aus Sicht des Bauherren fatal.

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Die Hotelplanung verzögert sich

Lediglich die SPD-Vertreter Dirk Gaczmanga und Rüdiger Wagner sowie CDU-Mann Wolfgang Kopp stimmten für den Antrag. Gesa Timmermann, Bauamtsleiterin vom Amt Ostholstein-Mitte, versuchte zu erklären, dass der Planungsstand für ein Projekt in der Größenordnung üblich sei, man ohne Beschluss nicht vorankomme und die Gemeinde später noch Einfluss auf die Gestaltung nehmen könne. All das nützte nichts.

Martin Bendfeldt appellierte an die Anwesenden, in den kommenden Wochen eine Sondersitzung anzusetzen. Er wolle den Fluss der Informationen erhöhen und verdeutlichte zugleich, dass ein Vorantreiben des Millionenvorhabens ohne das geschilderte Verfahren schwierig sei. Nur so könnten notwendige Infos von Behörden eingeholt werden. „Wir sind bereit, für alles Rede und Antwort zu stehen. Das ist nicht nur ein Projekt, sondern auch eine Herzensangelegenheit“, betonte er.

Kaufhausbau in Bliesdorf weiterhin unklar

Das Millionenprojekt „Neue Mitte“ für Bliesdorf wurde im September 2014 erstmals vorgestellt. Der Unternehmer Oliver Sinner und Kaufhaus-Chef Martin Stolz sprachen davon, neben der Bundesstraße 501 Supermarkt, Kaufhaus und Marktplatz errichten zu wollen. Anschließend wurde viel geplant und diskutiert. Insbesondere die Anbindung an die Straße zwischen Neustadt und Grömitz sorgte für Unruhe. Im November 2017 gab es einen weiteren Rückschlag. Ein Anwohner beantragte ein Normenkontrollverfahren beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Seitdem ist nichts passiert. Zuletzt teilte eine Mitarbeiterin der Kaufhauskette Stolz den LN Anfang Mai mit, dass es keinerlei Neuigkeiten gebe.

Familienhotel mit Extras für Kinder

Zuvor hatten Mitarbeiter des Berliner Unternehmens SMAP (Seeger Müller Architekten Partnerschaft MbB) erläutert, dass der Bauernhof durch das Hotel erweitert und der Winterbetrieb ausgebaut werden solle. Schwimmbad, Saunalandschaft und Zimmer (mit Kinderbädern) seien geplant. Das Familienhotel soll zudem Spielplätze im Innen- und Außengelände bekommen. Hinter all dem steht die Familotel AG. Diese ist ein Zusammenschluss von derzeit 60 Familienhotels in sechs Ländern. Aus der Sitzungsvorlage geht hervor, dass der Bliesdorfer Betrieb ebenso wie die bereits existierenden rechtlich und wirtschaftlich unabhängig wäre.

Die Architekten stellten dar, dass zwölf Meter Höhenunterschied überbrückt werden müssten. Weiter erläuterten sie, dass es Rezeption und Tiefgarage sowie einen Parkplatz für Nicht-Hotelgäste geben solle. „Wir wollen keinen Fünfgeschosser bauen“, verdeutlichten sie. Vielmehr gehe es darum, ein Hotel zu schaffen, welches sich in das Landschaftsbild einpasse und auf den Dächern begrünt werde.

Martin Bendfeldt (l.) stellt Moderator Carsten Kock und den Gästen im September 2017 seine Familotel-Idee vor. Quelle: Markus Billhardt

Kritik an Bauherr: Informationen fehlen

Ausschussmitglied Isabell von Ludowig (CDU) merkte an, dass man vor mehr als einem Jahr beschlossen habe, dass das Vorhaben mit der Landesplanung abgestimmt werde. Auch sei entschieden worden, Gutachten bezüglich Verkehr, Landwirtschaft und anderen Faktoren einzuholen. „Wurde das gemacht? Wir haben nie Informationen erhalten. Wir sollten die Beschlüsse erst abarbeiten, bevor wir neue machen“, verdeutlichte sie. Den Architekten indes fiel es schwer, klar auf diese Fragen zu antworten. Letztendlich war herauszuhören, dass es Gespräche gegeben haben soll. Zudem sagte Martin Bendfeldt, dass die Landesplanung mehrfach vor Ort gewesen sei. Auch habe ein Termin mit dem Fachbereichsleiter Planung, Bau und Umwelt vom Kreis Ostholstein stattgefunden.

Der Einfluss der Gemeinde

Hinrich Behrens von der FWG bekannte ebenfalls, Bauschmerzen mit dem Projekt zu haben. „Ich bin für das Hotel. Mir fehlt aber ein konkretes Konzept. Ich weiß nicht, warum ich ganz schnell entscheiden soll.“ Der ebenfalls involvierte Chef des Planungsbüros Ostholstein, Andreas Nagel, antwortete: „Wir haben eineinhalb Jahre diskutiert. Nun wollen wir die Fragen an die Behörden schicken.“ Der Ausschussvorsitzende Dirk Gaczmanga ergänzte, dass das Verfahren angeschoben werden müsse, um Antworten zu erhalten, und stellte zugleich klar: „Wir können das Hotel immer noch ablehnen.“

Sebastian Rosenkötter