Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Dank Erbschaft: Oldenburg bekommt eine slawische Kirche
Lokales Ostholstein Dank Erbschaft: Oldenburg bekommt eine slawische Kirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 04.05.2019
So sah die historische Kirche der Slawen einmal aus (rechts). Ein detailgetreuer Nachbau soll jetzt auf dem Gelände des Oldenburger Wallmuseums entstehen.
So sah die historische Kirche der Slawen einmal aus (rechts). Ein detailgetreuer Nachbau soll jetzt auf dem Gelände des Oldenburger Wallmuseums entstehen. Quelle: Max Ley (HFR)
Anzeige
Oldenburg

Das Erbe der Slawen kann weitergepflegt werden – dank einer Erbschaft. Die Stiftung Oldenburger Wall ist unverhofft zu Geld gekommen und kann somit den Nachbau der ersten slawischen Stabkirche in Angriff nehmen. Sie soll auf der Festwiese des Museumsgeländes, gegenüber des Slawendorfes mit Hafen und Steganlage, entstehen. Der Lageplan ist ausgearbeitet, die B-Plan-Frage muss noch geklärt werden. Im Anschluss können die Lensahner Architekten in die konkrete Umsetzung des Vorhabens gehen.

Übergang vom Slawentum zum Christentum

Nachdem bei Ausgrabungen auf dem Oldenburger Wall zwei übereinander liegende Fürstenhallen und zwei Kirchen gefunden wurden, entstand in der Wallstiftung die Idee zu einem hölzernen Nachbau einer Slawen-Kirche auf dem Museumsgelände. „Direkt auf dem Wall lässt sich der Bau nicht realisieren. Da jedoch der Fürstenhof bereits am Wallsee steht, wollen wir dort in Sichtweite auch die Kirche bauen“, sagt Torsten Ewers, Vorsitzender der Stiftung Oldenburger Wall. Diese Stabkirche stelle den Übergang vom Slawentum zum Christentum dar und sei für Historiker ein wichtiger Baustein im Gesamtensemble der Anlage.

Die Erbschaft in Höhe von 140 000 Euro ermöglicht der Stiftung Oldenburger Wall nun die Realisierung des Kirchenbaus. Bereits während der Jahresversammlung Ende Januar hatte Ewers die Pläne grob erläutert, jetzt ist man einen großen Schritt weiter und konnte Architekten für das Projekt gewinnen.

Auch für die Architekten spannendes Projekt

Mit Jens Griebel und Stephan Langer hat die Stiftung in Lensahn zwei Architekten, die viel Erfahrung im Denkmalschutz haben und einen slawischen Kirchen-Nachbau als spannende Herausforderung betrachten. Die beiden Lensahner können dabei auf die fundierte Vorarbeit durch Dr. Marcus Gerds zurückgreifen. Er hatte sich ein halbes Jahr lang intensiv im Auftrag der Stiftung mit der Kirche beschäftigt, Dutzende Ansichten und Details zu Papier gebracht.

Stephan Langer (l.) und Jens Griebel (Mitte) sind die bauausführenden Architekten aus Lensahn, rechts steht der Vorsitzende der Stiftung Oldenburger Wall. Gemeinsam halten sie einen Plan, der die Lage des Kirchenbaus auf der Festwiese darstellt. Quelle: Gäbler

Und so soll sie aussehen: Der hölzerne Kirchenbau wird eine Länge von 16 Metern haben, sechs Meter breit sein und acht bis neun Meter hoch. „Bisher sind das allerdings nur die Grundlagen. Eine genaue Hochbauplanung gibt es noch nicht“, erklärt Architekt Stephan Langer. Die Gesamtkosten schätzen Ewers, Langer und Griebel auf 200 000 bis 300 000 Euro.

2020 könnte dann der Baubeginn sein

Noch für dieses Jahr hofft die Stiftung auf Erteilung des Baurechtes, 2020 könnte dann Baubeginn sein. Noch offen sei die Frage der Förderung. Die Haushaltskasse der Stadt Oldenburg solle nicht belastet werden, die Oldenburger hoffen auf Landesmittel.

Claus von Carnap-Bornheim, Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, habe jedenfalls schon seine Zustimmung signalisiert. „Und dieses ,Okay’ des wissenschaftlichen Beirates ist besonders wichtig für das Ranking der Museen“, sagt Torsten Ewers – auch mit einem Blick auf die Zuschüsse aus Landesmitteln.

Louis Gäbler