Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Dank „Hilfe im Advent“: „Die Ostholsteiner“ sind mobil mit neuen Rädern
Lokales Ostholstein

Dank „Hilfe im Advent“: Neue Fahrräder für "Die Ostholsteiner"

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 07.10.2020
Die Fahrräder sind da: Darüber freuen sich Torben Teßmann, Michael Jahnke, Per Köster, Karol Kalinowski, Thorsten Blür, Astrid Fink und Detlef Hackmack (v. l.). Quelle: Ulrike Benthien
Anzeige
Ostholstein

Endlich sind sie eingetroffen. Seit Monaten warteten „Die Ostholsteiner“ auf die Tretmobile, mit denen Bewohner und Betreuer gemeinsam Touren in die Umgebung machen können. Dass „Die Ostholsteiner“, das gemeinnützige Unternehmen mit Hauptsitz Eutin, und seine Tochterunternehmen, die sich kreisweit um mehr als 800 erwachsene Menschen mit Behinderungen kümmern, diese speziellen Fahrräder anschaffen konnten, ist den LN-Lesern zu verdanken. Sie spendeten dafür im vergangenen Jahr als „Hilfe im Advent“ rund 21 700 Euro. Die Sparkasse Holstein gab ebenfalls Geld dazu, sodass am Ende der Spendenaktion 23 000 Euro standen.

Vier Fahrräder für besondere Ansprüche

Für dieses Geld konnten „Die Ostholsteiner“, die selbst noch 1000 Euro drauflegten, vier Tretmobile kaufen. Bestellt wurden sie im März und sollten eigentlich eine Lieferzeit von sechs bis acht Wochen haben. Aufgrund der Corona-Pandemie gab es beim Hersteller Schwierigkeiten, sodass die Eutiner ihre Räder erst am Dienstag, 6. Oktober, in Empfang nehmen konnten. Zur Probefahrt an der Werkstatt für angepasste Arbeit in der Siemensstraße hatten sich rasch Freiwillige gefunden.

Anzeige
Thorsten Blür hat sich über die Fahrräder informiert und weiß: „Die sind ganz schön teuer.“ Hier probiert er ein Trike aus. Quelle: Ulrike Benthien

„Die sind teuer wie Hund, die Dinger. Ich hab mir mal welche in einem Geschäft in Lübeck angesehen“, sagte Thorsten Blür (51) fachmännisch. Er fahre lieber mit einem „richtigen Rad“, wollte das Trike aber doch mal ausprobieren. Ein bisschen zurückhaltend gingen Astrid Fink (52) und Detlef Hackmack (49) an die neuen Tretmobile heran. „Ich find’ sie klasse, aber das ist nichts für mich. Es ist ein komisches Gefühl, darauf zu sitzen“, sagte Hackmack, der ein Tandem testete. Ganz anders dagegen Michael Jahnke (43) und Torben Teßmann (41). Die beiden Freunde, die in der Papierverarbeitung beschäftigt sind, kurvten begeistert um den Wendehammer. „Wir sind fit, wir würden damit auch allein losfahren“, sagte Torben Teßmann.

Die erste Runde auf dem Wendehammer: Michael Jahnke (l.) und Torben Teßmann testen ein Tandem. Quelle: Ulrike Benthien

Menschen mit und ohne Behinderungen radeln gemeinsam

Vorgesehen ist, dass Wohn- und Arbeitsbegleiter, Familienangehörige und Ehrenamtler gemeinsam mit den Menschen mit Beeinträchtigungen Ausflüge unternehmen können. „Wir wünschen uns, dass diejenigen, die nicht allein fahren können oder sich nicht trauen, mit diesen speziellen Rädern jetzt doch Mut fassen und mobil werden“, sagte Per Köster, Sprecher des Unternehmens. Besonders würden sich die Rollstuhlfahrer über die Neuanschaffungen freuen: Für sie wurde ein Velo-Plus-Rollstuhltransportrad gekauft. Dabei können sie in ihrem eigenen Rollstuhl sitzen bleiben und sich von einem Fahrradfahrer auf einer Plattform transportieren lassen.

Sonderausstattungen erleichtern das Fahren

Die beiden Tandems, das Velo-Plus-Rad und das Trike sind auf die Standorte Eutin und Oldenburg aufgeteilt worden. Ein Tandem und das Trike sind noch am Dienstag nach Oldenburg gebracht worden, ein Tandem und das Rollstuhltransportrad bleiben in Eutin – „weil hier die Tagesförderstätte ist und wir hier Mehrfachschwerstbehinderte haben“, erklärte Per Köster. Die Räder könnten aber jederzeit für Unternehmungen zusammengeführt werden. Alle vier Mobile haben drei Räder, Elektrounterstützung, Sonderausstattungen wie Fußschalen und große Einkaufskörbe. Die Tandems sind zudem mit einem Außenspiegel versehen, damit der Vordermann seinen Hintermann im Blick haben kann.

Als Sonderausstattung haben alle Fahrräder unter anderem Elektro-Unterstützung und einen großen Einkaufskorb. Quelle: Ulrike Benthien

„Es geht uns um Teilgabe und Teilhabe“, so Köster. „Wir geben der Gesellschaft etwas zurück, indem wir uns mit diesen Rädern ökologisch fortbewegen. Unsere Bewohner sollen gern, so oft es geht, mit ihren Betreuern zum Einkaufen oder für Behördengänge die Räder nehmen.“ Auf der anderen Seite eröffneten die Räder den Menschen einen viel größeren Bewegungsradius und die Möglichkeit zu mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: „Sie könnten beispielsweise an Aktionen wie dem Stadtradeln teilnehmen.“

Von Ulrike Benthien