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Ostholstein Das Burger Rathaus: Gefangene und Bürgermeister unter einem Dach
Lokales Ostholstein Das Burger Rathaus: Gefangene und Bürgermeister unter einem Dach
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11:03 23.11.2019
1901 wurde das Rathaus in Burg fertiggestellt. Zuvor hat es bereits ein anderes Bauwerk gegeben, das genügte aber mit der Zeit den Ansprüchen nicht mehr. Quelle: Stadtarchiv Fehmarn
Burg

Im kleinen Turmzimmer des Burger Rathauses reihen sich in den Regalen Enzyklopädien, historische Sachbücher sowie Dokumente aus einer Zeit lange bevor das Rathaus errichtet wurde. Das war 1901. Damals gehörte das Turmzimmer noch nicht zum Archiv. „Dieser kleine, schnuckelige Raum diente dem Bürgermeister und seinen Freuden“, erzählt Heinz Voderberg, einer von vier ehrenamtlichen Archivaren im Rathaus. „Hier hat man Karten gespielt und vielleicht auch etwas gegen die trockene Leber getan.“

Heinz Voderberg ist ehrenamtlicher Archivar. Auf diesem Bild befindet er sich im Turmzimmer des Burger Rathauses. Quelle: Luisa Jacobsen

Das Polizeigefängnis im Keller des Rathauses

Die Wohnung des Bürgermeisters befand sich gleich eine Etage tiefer. Denn anders als heute dienten die Räumlichkeiten im Rathaus nicht nur der Verwaltung. Enthalten waren in dem Klinkerbau auch die städtische Sparkasse, das Polizeigefängnis, die Wohnung des Wachtmeisters und eben die des Bürgermeisters.

Das Polizeigefängnis sei aber nicht mit einem herkömmlichen Gefängnis zu verwechseln, sagt Voderberg. Vielmehr habe es sich um einen Gewahrsam gehandelt – unterschieden habe man dabei auch zwischen Bürgern, die kleine Vergehen begangen hatten (wie unbeglichene Schulden) und solchen, die tatsächlich gegen Gesetzte verstoßen hatten (Diebstahl oder andere Vergehen). Erstere seien durchaus besser behandelt worden. „Es gab auch einen Hof, wo die Gefangenen ausgeführt wurden“, sagt Vorderberg. Davon ist allerdings nicht mehr viel zu sehen. An besagter Stelle stehen heute Toiletten. Anders ist es mit den ehemaligen Zellen im Keller des Rathauses. Räume, die heute als Abstellfläche genutzt werden, waren früher Gefängniszellen. Die Gitter vor den Fenstern gibt es noch immer.

Noch immer vergittert. Der Keller des Rathauses wird heute als Abstellfläche genutzt. Früher war hier das Polizeigefängnis. Quelle: Luisa Jacobsen

Wohnung des Bürgermeister im ersten Obergeschoss

So wie die Zellen im Keller haben fast alle Räume des Rathauses im Laufe der Zeit eine andere Funktion erhalten: Das heutige Trauzimmer im Erdgeschoss war früher das Bürgermeisterzimmer und Standesamt. Im ersten Obergeschoss, wo sich heute unter anderem das Büro des Bürgermeisters und weitere Räume der Verwaltung befinden, war früher dessen Wohnung – übrigens mit stolzen drei Wohnzimmern und drei Schlafzimmern.

Deshalb musste das alte Rathaus dem Neubau weichen

Ebenfalls im ersten Obergeschoss befindet sich der historische Sitzungssaal, der für die heutige Stadtvertretung allerdings viel zu klein ist. Dort hängt auch ein Gemälde des Mannes, der den Bau des heutigen Rathauses angestoßen hatte. „Das war der damalige Bürgermeister Matthias Lafrenz“, sagt Voderberg. Neben seinem Abbild wiederum hängt ein Gemälde des alten Burger Rathauses. „Das wurde 1520 errichtet.“ Im beginnenden 20. Jahrhundert habe es aber nicht mehr den Anforderungen der damaligen Verwaltung entsprochen. „Der Neubau wurde dann ausgeschrieben“, sagt Voderberg. Aus sieben Entwürfen wählte man einen des Kieler Architekten Carl Voß. Dessen erste Pläne hätten allerdings noch einmal geändert werden müssen denn – und so sehr hat sich Verwaltung seit damals dann doch nicht verändert – der Entwurf war zu teuer. „Man wollte nur 75 000 Reichsmark ausgeben“, sagt Voderberg. Da sich der Bau von Voß aber auf 105 000 Reichsmark belief, plante er noch einmal um.  

Vor dem heutigen Rathaus gab es bereits ein anderes Bauwerk. Das genügte mit der Zeit aber nicht mehr den Ansprüchen der Verwaltung. Quelle: Stadtarchiv Fehmarn

Diese Räume haben den gleichen Nutzen wie früher

Ihre Funktion als Warteraum behalten hat die große Diele im Erdgeschoss. Auch zu diesem von dunklem Holz und Formsteinen (Ziegelsteine in besonderer Form) geprägten Raum weiß Voderberg eine Anekdote zu erzählen – wenn auch keine wirklich positive: „Eine heimische Ziegelei ist damals an der Herstellung dieser Formsteine pleite gegangen“, sagt er. Insgesamt seien am Burger Rathaus rund 15 000 Formsteine verarbeitet worden Doch die Steine der Ziegelei hätten den Qualitätsansprüchen nicht genügt. Am Ende mussten sie aus Brandenburg angeliefert werden.

Das alte Archiv befindet sich neben dem Turmzimmer. Hier lagern die ältesten Dokumente. Quelle: Luisa Jacobsen

Ebenfalls nicht verändert hat sich die Nutzung des alten Archivs im Dachgeschoss. Heute ist das Archiv zwar größer, doch das Herz – das ursprüngliche Archiv – existiert noch immer. Es ist ein vergleichsweise kleiner Raum direkt neben den hinzugekommenen Archivräumen. Dort lagern die ältesten Dokumente im Rathaus. „Es handelt sich hierbei um das dänische Archiv“, sagt Voderberg. „Denn bis 1864 war Fehmarn ja dänisch.“ Dieser und die angrenzenden Archivräume sind der Arbeitsplatz von Heinz Voderberg und seinen Kollegen. Zwischen Büchern, Akten, Ordnern und Papierstapeln arbeiten die vier Archivare unermüdlich daran, die Geschichte der Insel Fehmarn – und damit auch die des Rathauses – lebendig zu halten.

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Von Luisa Jacobsen

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