Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Das Herrenhaus: Die Perle von Stockelsdorf
Lokales Ostholstein Das Herrenhaus: Die Perle von Stockelsdorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:31 05.07.2019
Manfred Beckmann, Vorsitzender des Fördergemeinschaft Herrenhaus Stockelsdorf, hinter dem Herrenhaus. Quelle: Doreen Dankert
Anzeige
Stockelsdorf

Er gilt als das grüne Herz von Stockelsdorf – der Herrengarten. Und genau diesen würde es wohl nicht geben ohne das altehrwürdige Herrenhaus. In der Tat sind es sehr alte Mauern im Rokoko-Stil, denen engagierte Menschen vor knapp 20 Jahren aufwendig und kostspielig zu neuem Glanz verholfen haben.

Doch zurück zum Anfang. Es war der Hamburger Major Georg Nikolaus Lübbers, der das Stockelsdorfer Herrenhaus im Jahre 1761 am historischen Dorfplatz errichten ließ. Umgeben war dieses Gebäude von bäuerlichem Marktgeschehen. Wenn vom Stockelsdorfer Herrenhaus die Rede ist, dann gehörte ein bedeutendes Kapitel den Fayencen – einer speziellen Art glasierter Keramik. Offenbar hatte Major Lübbers eine Menge übrig für schöne Künste, denn 1771 gründete er am Dorfplatz die Stockelsdorfer Fayencenmanufaktur. Sie machte den Ortsnamen in ganz Europa bekannt. Eine kostbare Sammlung von Stockelsdorfer Fayencen ist seit 1993 öffentlich im Herrenhaus zu sehen.

Anzeige

Fayencenmanufaktur und Asylunterkunft

Doch wie es die Geschichte nun einmal lehrt – Dinge kommen in Mode und Dinge kommen aus der Mode. So fristete das Herrenhaus nach dem Niedergang der Stockelsdorfer Fayencenmanufaktur ein recht wechselhaftes Dasein. Inklusive der historischen Gartenanlage, die einen barocken Charakter hat, wurde das Herrenhaus nach dem Zweiten Weltkrieg an die Gemeinde Stockelsdorf verkauft. Genutzt wurde dieses damals bereits alte Gemäuer dann unter anderem als Schule und als Bücherei. Anfang der 90er Jahre diente das Herrenhaus sogar als Flüchtlingsunterkunft. Im Herbst 1992 lebten in diesem inzwischen sehr heruntergekommenen Gebäude rund 35 Asylbewerber auf engstem Raum.

Teure Sanierungskosten

Der Zahn der Zeit nagte immer weiter an dem Bauwerk, aber man hatte versäumt, grundlegend in die Sanierung der historischen Bausubstanz zu investieren. Und deshalb bestand so ziemlich genau vor 20 Jahren nur wenig Hoffnung, dass dieses Gebäude den Stockelsdorfern erhalten bleibt. Der Hauptausschuss hatte Anfang 1999 beschlossen, das marode Herrenhaus wegen der immens hohen Sanierungskosten bundesweit zum Verkauf auszuschreiben. Immerhin steht das Gebäude seit 1986 unter Denkmalschutz – was das Herrenhaus zwar besonders, aber deswegen eine Sanierung keineswegs günstiger macht. „Die Politik hatte damals Angst“, erklärt Manfred Beckmann, damals Vorstandsmitglied, inzwischen Vorsitzender der Fördergemeinschaft, „dass sie das irgendwann finanziell nicht mehr wuppen kann.“

Geplanter Verkauf wurde abgewendet

Die Sanierungskosten wurden damals auf rund 3,5 Millionen Deutsche Mark geschätzt. Der Wert des Gebäudes selbst war damals nur ein Bruchteil davon. Doch dann wendete sich ganz plötzlich das Blatt. Innerhalb weniger Monate mobilisierte eine Fördergemeinschaft für das Herrenhaus so viele Menschen und ortsansässige Firmen, die bereit waren, das Herrenhaus zu retten. Für die Politik war das das Signal zum Umdenken. Im Juli 1999 beschlossen die Gemeindevertreter, das Herrenhaus doch nicht zu verkaufen. Stattdessen wollten die Gemeinde und der Förderverein die Sanierung in Angriff nehmen. Im Zuge dessen wurde im Jahr 2000 die Stiftung Herrenhaus gegründet. Diese ist seitdem Eigentümer.

Zweieinhalb Jahre Komplettsanierung

„Durch viele Verhandlungen ist es gelungen, das Ruder noch herumzureißen, auch weil immer mehr Bürger bereit waren, einen Beitrag zur Rettung des Herrenhauses zu leisten“, erzählt Manfred Beckmann. Architekten brachten sich unentgeltlich ein, Baufirmen arbeiteten gratis.

Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde das komplett sanierte Herrenhaus Mitte 2003 eröffnet – mit Bürgersaal für Sitzungen und Veranstaltungen im Obergeschoss, dem urigen Gewölbekeller im Untergeschoss sowie dem Restaurant und dem Salon, der sich als Standesamt seit vielen Jahren auch bei auswärtigen Brautpaaren wachsender Beliebtheit erfreut.

Wie geht es 2020 weiter?

Hausherren sind die Gastronomen Patrick Lakins und Maria Starke, die das Restaurant Herrenhaus seit vielen Jahren erfolgreich betreiben. Da sich beide sich beruflich verändern wollen, läuft der Pachtvertrag Ende dieses Jahres aus. Was nun? Wird es ab Januar 2020 noch eine Gastronomie im Herrenhaus geben? „Aktuell laufen Verhandlungen“, sagt Beckmann, der sich mit konkreten Hinweisen bedeckt hält. Nur so viel: „Da ist was in Arbeit, und der Vorstand ist bemüht, eine Lösung zu finden.“ Fest steht aber eines: Das Herrenhaus soll auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Welche Bedeutung das Herrenhaus heute für Stockelsdorf hat? „Es ist eine Perle“, schwärmt Manfred Beckmann. Er ist sich sicher, Lübbers würde staunen, wenn er sehen könnte, was hier heute passiert.

Doreen Dankert