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Ostholstein Schürsdorfer Moor wird renaturiert
Lokales Ostholstein Schürsdorfer Moor wird renaturiert
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17:57 15.01.2019
Ein Moor wird es nicht mehr werden, trotzdem soll es wiedervernässt werden. Robert Muus, Verbandsvorsteher des WBV Schwartau und Hanna Kirschnick-Schmidt, Geschäftsführerin des WBV Ostholstein, sehen sich vor Ort um. Quelle: Luisa Jacobsen
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Schürsdorf/Luschendorf

Das Gutachten zur Wiedervernässung des Schürsdorfer Moores ist fertig und das Ergebnis erst einmal ernüchternd: Eine vollständige Wiederherstellung des einstigen Moores ist nicht mehr möglich. Die Degeneration sei zu weit fortgeschritten, heißt es. Trotzdem blicken die Initiatoren vom Wasser- und Bodenverband (WBV) optimistisch in die Zukunft. Das Gebiet könne wiedervernässt und ökologisch aufgewertet werden, sagt Hanna Kirschnick-Schmidt, Geschäftsführerin des WBV Ostholstein. Die derzeit von Landwirten genutzten Flächen sollen gegen Tauschland erworben und renaturiert werden. Der Kreis Ostholstein fördert das Vorhaben mit 450 000 Euro.

Torfgewinnung und Trockenlegung im vergangenen Jahrhundert

„Um 1900 wurde das etwa 50 Hektar große Moorgebiet als Grünland und zur Torfgewinnung genutzt“, sagt Hanna Kirschnick-Schmidt. In den Jahren 1964 bis 1971, als es noch galt, so viel Fläche wie möglich für die Produktion von Nahrungsmitteln nutzbar zu machen, sei es dann durch Entwässerung trockengelegt worden. „Dazu wurden die bestehenden Gräben begradigt, vertieft und größtenteils verrohrt.“ Das habe eine fast flächendeckende intensive landwirtschaftliche Nutzung möglich gemacht, berichtet Kirschnick-Schmidt. 1993 sei der ungenutzte Moorbereich auf rund fünfeinhalb Hektar geschrumpft und die moortypische Vegetation aus Moosen, Gräsern, Binsen und Seggen fast völlig verschwunden.

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Für die Landwirtschaft aber sind die Flächen auch nach der Entwässerung nicht optimal nutzbar: „Die Rohrleitungen in dem moorigen Untergrund sind nur kostenaufwendig zu unterhalten“, sagt Kirschnick-Schmidt. In nassen Jahren seien die Moorflächen wenig ertragreich. Der WBV Schwartau, auf dessen Verbandsgebiet das Schürsdorfer Moor liegt, hatte sich mit Verbandsvorsteher Robert Muus deshalb schon lange mit dem Thema Schürsdorfer Moor befasst. Nach langem Stillstand aufgrund fehlender finanzieller Mittel und fehlendem Tauschland sollte die Machbarkeitsstudie jetzt endlich zeigen, was in Sachen Wiedervernässung möglich ist.

Künftig kleine „Moorinseln“ und Weideland

„Das Büro hat die vorliegenden Unterlagen ausgewertet und umfangreiche Untersuchungen zur Botanik, Bodenbeschaffenheit und Hydrologie im Gebiet durchgeführt“, sagt Hanna Kirschnick-Schmidt. Laut Ergebnis könne das Niedermoor zwar nicht mehr großflächig wachsen, doch „kleinere Moorinseln mit entsprechender Vegetation können durchaus wieder entstehen“. Das zu sichernde Gebiet umfasse jetzt etwa die 50 Hektar der ursprünglichen Moorfläche mit einem Kerngebiet von 30 Hektar. Eine langfristige Perspektive für die Randflächen sei Beweidung durch Rinder, „damit dort keine Verbuschung entsteht“.

Losgehen kann es mit der Wiedervernässung aber erst, wenn der WBV Schwartau als Maßnahmeträger die Flächen von den Landwirten erworben hat. „Das betrifft hier etwa zehn Landwirte“, sagt Kirschnick-Schmidt. Für sie muss Tauschland gefunden werden. Finanzielle Unterstützung gibt es dafür vom Kreis Ostholstein. Der hat die Fördermittel für den Flächenerwerb noch einmal aufgestockt, sodass dem WBV dafür jetzt 450 000 Euro zur Verfügung stehen. „Wir sehen große Vorteile in dem Projekt“, sagt Joachim Siebrecht, Leiter des Fachdienstes Naturschutz beim Kreis Ostholstein. „Mit dem Fördergeld kann der WBV nun endlich loslegen.“

Joachim Siebrecht vom Kreis Ostholstein sagt: „Mit dem Fördergeld kann der WBV nun endlich loslegen.“ Quelle: Luisa Jacobsen

Bis der Wasserstand im Schürsdorfer Moor angehoben und die Renaturierung erfolgt sein wird, können aber noch rund zehn Jahre vergehen. An der Natur liegt das nicht. „Die erholt sich ganz schnell“, sagt Hanna Kirschnick-Schmidt. Das Verwaltungsvorspiel – das dauere seine Zeit.

Luisa Jacobsen