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Ostholstein Das passiert mit der Pflichtfeuerwehr
Lokales Ostholstein Das passiert mit der Pflichtfeuerwehr
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19:10 10.07.2019
Die Feuerwehren in den Gemeinde Grömitz und Schashagen benötigen dringend neue Kameraden. Die Einführung von Pflichtfeuerwehren wurde jeweils beschlossen. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Grömitz/Schashagen

Freiwillig Uniform tragen, Brände löschen, Menschen helfen – das wollen in vielen ostholsteinischen Gemeinden nicht mehr genug Menschen. Die Gemeinden Grömitz und Schashagen haben darauf reagiert und in den vergangenen Monaten die Einführung von Pflichtfeuerwehren beschlossen. Einwohner können zwangsverpflichtet werden. Nur so kann der Brandschutz gewährleistet werden.

In Grömitz läuft der Prozess bereits seit Ende vergangenen Jahres. Nach zahlreichen Versuchen, darunter Hunderte verschickter Briefe an Bürger und Dutzende Gespräche mit möglichen Kandidaten, zog die Gemeindevertretung die Notbremse. 163 aktive Feuerwehrleute, verteilt auf sechs Ortswehren, waren deutlich zu wenig. Allein für Grömitz werden 63 Kräfte benötigt. Brenkenhagen, Cismar, Lenste, Guttau und Suxdorf-Nienhagen brauchen jeweils 27 Ehrenamtler.

Hintergründe zu Pflichtfeuerwehren in Ostholstein

Die Einführung einer Pflichtfeuerwehr wurde in den vergangenen Jahren in mehreren Orten diskutiert. Vollzogen wurde der Schritt bisher lediglich in Grömitz und Schashagen.

Die Situation in Grömitz hat sich langsam zugespitzt: Bereits im August 2017 appellierte die Gemeinde an ihre Bürger. Die Resonanz blieb aus.

Knapp ein Jahr später wurde die Einführung einer Pflichtfeuerwehr in der Gemeindevertretung diskutiert.

Im Dezember 2018 stand dann fest: Die Pflichtfeuerwehr kommt.

Im Februar 2019 steigt die Zahl der Grömitzer Feuerwehrleute an, doch es fehlen immer noch Kameraden.

Grömitzer
ignorieren verpflichtende Gespräche, legen Atteste vor und legen Widersprüche ein.

Schashagen zieht nach:
In zwei von fünf Orten ist es besonders eng.

Im März 2019
wird die Zwangswehr beschlossen.

Neue Mitglieder, aber noch immer nicht genug

Ein knappes halbes Jahr später hat sich die Lage verbessert: Gemeindewehrführer Björn Sachau berichtet von zahlreichen Eintritten. Insbesondere im Ort Grömitz gebe es eine positive Entwicklung. In Brenkenhagen und Lenste sehe es schlechter aus. Dennoch zähle er mittlerweile rund 200 Mitglieder, wobei die Zahl nicht ausreichend sei. Deshalb habe die Gemeinde vor wenigen Tagen zwölf Bürger angeschrieben, die zwangsverpflichtet werden sollen. Die Einkleidung sei für Mitte August geplant, wobei er damit rechne, dass der ein oder andere Widerspruch einlegen werde.

Umgang mit Kandidaten: Attest anfordern?

Schwierig sei, dass es keine Vorgaben und Handlungsempfehlungen gebe. Unter anderem müsse entschieden werden, wie man mit Kandidaten umgehe, die sagen, dass ihre Gesundheit keinen Dienst erlaube. „Soll dann ein Attest angefordert werden?“, fragt Sachau. Wichtig sei, dass die Neuen möglichst motiviert und mit Spaß mitarbeiten würden. „Wir machen das auch freiwillig und wollen, dass alles gut läuft“, sagt der Gemeindewehrführer.

Schashagen startet nach den Herbstferien

Verpflichtende Gespräche stehen etwas weiter südlich in der Gemeinde Schashagen noch bevor. Nach der im März beschlossenen Einführung der Pflichtfeuerwehr in den fünf Orten Bliesdorf, Marxdorf, Logeberg/Krummbek, Schashagen und Schlamin galt es zunächst, die notwendigen Satzungen vom Innenministerium genehmigen zu lassen. Laut Amt Ostholstein-Mitte sei dies mittlerweile geschehen, sodass die entsprechenden Beschlüsse im Oktober – nach der politischen Sommerpause – gefasst werden können.

Geld für Einsatzkleidung ist vorhanden

Je Wehr werden mindestens 27 Feuerwehrleute benötigt. Zusammengenommen sind dies 135 Kräfte. Aktuell zählt das Amt 99, wobei das elf mehr sind als vor dreieinhalb Monaten. Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) betont, dass in zwei bis drei Jahren mehrere Feuerwehrleute altersbedingt aus dem aktiven Dienst ausscheiden werden. „Dann ist das Loch noch größer. Ich bin vom Gesetz her verpflichtet, zu handeln. Geld für Kleidung von 50 neuen Leuten haben wir im Haushalt eingestellt“, sagt er. Doch an eben diesen mangelt es.

Sobald die Satzungen für die fünf Ortswehren beschlossen sind, kann die Gemeinde Schashagen Bürger zwischen dem vollendeten 18. und dem vollendeten 50. Lebensjahr zwangsverpflichten. Dies soll nach den Herbstferien beginnen. Bis dahin klärt das Amt Ostholstein-Mitte, unter welchen Gründen eine Verpflichtung nicht in Frage kommt. Fest stehe, dass Alleinerziehende mit Kleinkindern nicht eintreten müssen. Gesundheitliche Einschränkungen müssten nachgewiesen werden. Kein Absagegrund sei berufliche Selbstständigkeit.

Alter schützt nur bedingt vor Verpflichtung

Bürgermeister Rainer Holtz und die Mitarbeiter der Verwaltung hoffen, dass sich möglichst viele Menschen für einen freiwilligen Dienst entscheiden. Wer zwangsverpflichtet werde, müsse sich für jeden Dienst mit einem ärztlichen Attest oder einer Bescheinigung des Arbeitgebers abmelden.

Noch nicht abschließend geklärt ist, wie lange der Pflichtfeuerwehrdienst dauern wird. Derzeit wird mit zwölf Jahren (wie in Grömitz) geplant. Die Ausbildung zum vollwertigen Feuerwehrmann dauert etwa zwei Jahre. Zu beachten ist, dass auch Ostholsteiner Ende 40 verpflichtet werden können und ihr Dienst nicht mit dem 50. Geburtstag endet.

Hier gibt es Pflichtfeuerwehren

Pflichtfeuerwehren sind äußerst selten: Während es in großen Städten meist Berufsfeuerwehren gibt (die Mitarbeiter werden bezahlt), agieren in ländlichen Regionen Freiwillige Feuerwehren. Diese müssen eine bestimmte Zahl an Mitgliedern aufweisen, um den Brandschutz zu gewährleisten. Wird die Zahl unterschritten, muss die jeweilige Gemeinde/Stadt reagieren und neue Ehrenamtler gewinnen. Als letztes Mittel gilt die Einführung einer Pflichtfeuerwehr. In Schleswig-Holstein gibt es diese nur in List auf Sylt, in Friedrichstadt (Nordfriesland) sowie in Burg (Dithmarschen).

Sebastian Rosenkötter

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