Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Das schrägste Haus Eutins: Architekt baut sich eine Visitenkarte
Lokales Ostholstein Das schrägste Haus Eutins: Architekt baut sich eine Visitenkarte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:05 02.12.2019
Das Haus mit der schrägen Scheibe: Das Architektenhaus in Eutin, das sich Oliver Franke für sein Architekturbüro gebaut hat. Quelle: Susanne Peyronnet
Anzeige
Eutin

Die schrägste Scheibe der Stadt steht in der Friedrichstraße. Dort hat sich Architekt Oliver Franke ein neues Bürogebäude für sein Architekturbüro „Planquadrate“ bauen lassen und es soeben bezogen. Das an sich schlichte Gebäude fällt vor allem durch die Glasfassade auf, die sich über den Bürgersteig zu neigen scheint. Aber auch im Inneren ist das Haus ungewöhnlich gestaltet.

Hell, luftig, offen: So ließe sich der Bau mit wenigen Worten charakterisieren. „Als Architekt muss man ein besonderes Gebäude haben“, sagt Franke, der seit 20 Jahren in Eutin selbstständig ist. Als der Mietvertrag für Frankes bisheriges Domizil in der Eutiner Bismarckstraße auslief, entschloss er sich zum Neubau.

Anzeige

Das Grundstück an der Friedrichstraße hatte er bereits 2017 gekauft und immer überlegt, was er damit machen könnte. Es war unbebaut, die vorherige Bebauung ist irgendwann in den 1990er Jahren abgerissen worden.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von dem verrücktesten Haus in Eutin zu sehen – es hat eine schräge Glasfront und ist die „Visitenkarte“ eines Architekten.

Keine Einschränkungen beim Entwurf

Das Grundstück ist nur 350 Quadratmeter groß und gerade mal zwölf Meter breit. Also durfte das Gebäude – ein bisschen Abstand zu den Nachbarn muss sein – nicht breiter als sechs Meter werden. „Das war die Herausforderung“, sagte Franke, der immerhin 95 Prozent seiner Vorstellungen verwirklichen konnte. „Es liegt nicht im Bebauungsplangebiet, es gibt keine Einschränkungen.“ Niemand macht dem Architekten konkrete Vorgaben.

Es gibt höchstens die, die er sich selbst gemacht hat. „Man kommt nie zum Ende, ist nie mit dem Entwurf zufrieden“, sagt er über die Planungsphase. Als das Haus fertig entworfen war, musste er noch einen Abstrich machen. Ursprünglich sollte das Mauerwerk an der Straßenfront genauso schräg verlaufen wie die große Glasscheibe. „Aber das war zu teuer und zu aufwendig“, sagt Franke. Jeder einzelne Stein hätte dafür bearbeitet werden müssen.

Schräges Haus: Eine Fassade wie ein Kunstwerk

Aber auch so ist die große, schräge Glasscheibe mit den beiden offen dahinter liegenden Büroetagen das hervorstechende Merkmal des Gebäudes. Sie einzubauen war ein Kunststück, auch wenn es nicht eine, sondern in Wirklichkeit vier Glasscheiben sind, die in eine sogenannte Pfosten-Riegel-Fassade eingefasst sind.

Jede Scheibe wiegt 328 Kilogramm. Geliefert und mit einem Roboter eingebaut hat sie die Firma Bauelemente Ivers aus Malente. „Meine Haustischler haben alle abgewunken“, sagt Franke. Christian Ivers erinnert sich gut an den Auftrag: „Die Umstände waren nicht ganz einfach.“

Die große schräge Scheibe soll ein bisschen den Charakter eines Bootes vorspiegeln. Vor allem aber wollte Franke sein Büro möglichst transparent halten. „Die Leute, die vorbeigehen, sollen sehen, was hier gemacht wird.“

Natürlich blicken sie den Mitarbeitern nicht auf die Schreibtische, aber sie haben den Besprechungsraum und die große, etwas zurückgesetzte Galerie im Obergeschoss im Auge. Mancher Passant winke den Mitarbeitern zu. Was Franke bisher an Reaktionen gehört hat, war überwiegend positiv, erzählt er. Das Haus kommt an.

Arbeitsplätze mit Weitblick auf Eutiner Straßen

Auch die vier Mitarbeiter mögen es. Bauzeichnerin Marion Klindt-Rönnfeld liebt ihren neuen Arbeitsplatz im Erdgeschoss. Hinter ihrem Rücken wird sie von einer Wand vor neugierigen Blicken bewahrt.

Dennoch sitzt sie in einem offenen Raum mit einer freiliegenden Treppe neben sich, die nach oben führt. Die Mitarbeiter, die dort arbeiten, haben durch die große Glasfront einen freien Blick auf die Friedrichstraße und die Häuser gegenüber.

Oliver Franke hat ganz hinten im neuen Architektenhaus sein Büro. Quelle: Susanne Peyronnet

Noch eine Besonderheit fällt beim Gang durch die offenen Räume auf. Der Fußboden sieht überall aus, als ob er nass wäre. Das kommt von einer besonderen Beschichtung und ist so gewollt. Die große Glasfront, der intensiv spiegelnde Fußboden machen den Gang durch die Räume zu etwas besonderem. Es ist ein bisschen so, als ob man schwebe.

Fensterputzer für Glasscheibe gesucht

Franke könnte also rundherum zufrieden sein. Ein Problem muss er aber noch lösen. Ein Fensterputzer für die schräge Scheibe muss her. „Bisher haben alle dankend abgelehnt“, sagt er. Aber nun scheint es doch jemanden zu geben, der sich der Herausforderung annimmt. Damit kein Dreck die freie Sicht auf die Arbeit im Architektenbüro behindert.

Mehr Artikel aus Ostholstein

Von Susanne Peyronnet

Für einen mittlerweile klassischen Termin im Januar sucht das Timmendorfer Sealife-Center wieder junge Helfer: Zehn Kinder dürfen bei der Fisch-Inventur am Montag, 6. Januar 2020, mithelfen.

02.12.2019

Zum Jahresende nimmt die Anzahl der Trauungen zu. Vor allem der Dezember ist wegen steuerlicher Vorteile beliebt. Doch die Winterhochzeit hat auch andere Vorzüge. Ein Ostholsteiner Pärchen und Heiratsexperten erzählen, welche das sind.

01.12.2019

Mit der LN-Spenden-Aktion „Hilfe im Advent“ werden in diesem Jahr „Die Ostholsteiner“ unterstützt. Das gemeinnützige Unternehmen hilft Hunderten Menschen mit Behinderung, in den Bereichen Wohnen, Leben und Arbeiten Fuß zu fassen. Mit dem Erlös sollen spezielle Fahrräder angeschafft werden.

01.12.2019