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Ostholstein Land unter: Ostholstein säuft ab
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19:49 12.02.2020
Die Schwartau hat einen Teil des Gartens von Siegfried Bollgönn überflutet. Das Kajak hat er noch rechtzeitig aufs Trockene gezogen. Quelle: Lutz Roeßler
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Guttau/Rohlsdorf

„Das ist nicht der Mississippi, das ist die Schwartau“, sagt Siegfried Bollgönn beim Blick aus seinem Wohnzimmerfenster. Vor seinem Garten fließt auf breiter Front eine braune Brühe vorbei, hat bereits seinen Gartenteich geflutet und schwappt auf seinen Rasen. Wie in Rohlsdorf (Gemeinde Ratekau), wo die Bollgönns leben, haben die anhaltenden Regenfälle der vergangenen Tage überall im Kreis Ostholstein Wiesen und Felder in Seenlandschaften verwandelt und die Flüsse anschwellen lassen.

So hoch wie seit 2002 nicht mehr

Siegfried und Elsbeth Bollgönn wohnen seit 1980 in Rohlsdorf. „Das ist der zweithöchste Wasserstand, den ich hier erlebt habe“, sagt der Hausherr. Lediglich beim großen Starkregen 2002 sei die Schwartau noch höher gestiegen. Richtig angeschwollen sei der Fluss in der Nacht zu Mittwoch. Dazu habe sicher auch beigetragen, dass etliche Bäume mittlerweile ins Wasser gekippt seien und die Fluten anstauen.

Ein paar Häuser weiter läuft bei Manfred Seehase nicht nur das Wasser, sondern auch die Pumpe. Sein Haus liegt um etliches niedriger als das der Bollgönns. Nachdem es 2002 „komplett abgesoffen“ war, hat er Sicherungsmaßnahmen eingebaut, die jedem behördlichen Hochwasserschutz gut zu Gesicht stehen würden. Die Türen im Erdgeschoss sind mit extra angefertigten Fluttüren gesichert, die Mauer zur Schwartau wurde erhöht und mit Wassersperren aus Metall versehen, eine Pumpe hängt in einem Schacht, der das aus dem Fluss auf das Grundstück drückende Wasser wieder hinaus befördert.

Manfred Seehase hat eine Tauchpumpe installiert, die das Wasser von seinem Grundstück zurück in die Schwartau befördert. Quelle: Lutz Roeßler

Ein paar Kilometer weiter rauscht das Wasser der Schwartau über das Wehr an der Hobbersdorfer Mühle. „Wir haben es komplett offen, Unter- und Oberwasser sind fast gleich hoch“, sagt Horst-Wilhelm Ströh, der Geschäftsführer des Mühlenbetriebs. Normalerweise wird die Mühle mit dem Strom betrieben, den eine von der Schwartau betriebene Turbine liefert. Weil jetzt kein Gefälle mehr da ist, um die Turbine in Gang zu setzen, muss die Mühle ihre Elektrizität von den Energieversorgern beziehen und kann sie nicht mehr selbst herstellen.

150 Sandsäcke wurden gefüllt

Die stetig anschwellenden Wassermassen halten im ganzen Kreis die Feuerwehren in Atem. Am Mittwoch mussten Feuerwehr und Bauhof in Guttau zwei Einfamilienhäuser vor den Wassermassen schützen. Nach der ersten Sichtung der Lage war schnell klar, dass nur das Abpumpen nicht reichen würde, um die Häuser zu schützen. Die eingesetzte Tauchpumpe konnte die Wassermassen nicht stoppen, da immer wieder neues Wasser von den Feldern in Richtung der Häuser floss.

„Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Bauhof etwa 150 Sandsäcke gefüllt“, sagt Wehrführer Jacob Revenstorf von der Feuerwehr Grömitz. „Nachdem die Sandsäcke als Schutzbarriere gelegt worden waren, konnten wir das nachströmende Wasser stoppen.“ Ein zusätzlich durch einen Bagger ausgehobener Graben half ebenfalls, das Wasser kontrolliert abzuführen. Nach etwa drei Stunden war der Einsatz für die Feuerwehren aus Guttau und Grömitz erledigt.

Dauerregen sorgte am Mittwoch für einen größeren Einsatz der Feuerwehren in der Gemeinde Grömitz. Zwei Häuser in Guttau wurden durch die langanhaltenden Regenfälle gefährdet. Auch anderenorts bereitet das viele Wasser Probleme.

Wasser läuft auf Radwege und Straßen

Weil die nach dem ausgiebigen Regen gesättigten Felder und Wiesen das Wasser nicht mehr aufnehmen können, fließt es zunehmend in Gräben und Bäche. An manchen Stellen sind die so vollgelaufen, dass das Wasser auf die benachbarten Radwege schwappt oder über die Straßen fließt. Mit einem schnellen Abtrocknen der Landschaft ist eher nicht zu rechnen. Zwar soll es am Donnerstag in Ostholstein tagsüber kaum Niederschlag geben, aber gegen Abend setzt erneut Regen ein.

Auch in Bad Schwartau machen sich die Regenmengen, die der Sturm mit sich brachte, bemerkbar. Der Oberfläche des Kurparksees ist sichtbar größer geworden, das Ufer hat sich bis direkt an den Spazierweg rund um den See heran verschoben. Die Enden der Brücke im Park stehen sogar unter Wasser. Und wer auf dem Spazierweg unterwegs ist, der trägt entweder Gummistiefel oder betrachtet die teilweise teichgroßen Wasserlachen als Hindernisparcours.

Freiheit für die Goldfische

Für Siegfried Bollgönns Gartenteich dürfte das Abflauen des Regens sowieso zu spät sein. Die Schwartau hat ihn längst geflutet und damit seinen Goldfischen den Weg in die Freiheit eröffnet. Die meisten dürften davon geschwommen sein, fürchtet ihr Besitzer. Beim Hochwasser 2002 sei an ihrer Stelle ein Hecht in den Teich geschwommen. „Der hat dann die restlichen Goldfische gefressen.“

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